Waschen ohne Waschmaschine - geht das gut?

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

"Was piept denn da?" Ich lege meine Stirn in Falten und schaue fragend zu meinem Mann Paul. Wir verziehen beide das Gesicht. Das Geräusch kommt aus dem Keller. Ein Rohrbruch? Was soll da sonst bitte piepen? Wir haben im Keller, im Bad und in der Küche Wassermelder installiert. Sie melden bereits kleinste Mengen Wasser auf dem Boden, sollte dort Mal etwas sein. Aber das Geräusch hört sich anders an. Dann fällt der Groschen: "Die Waschmaschine!" rufe ich und flitze in den Keller. Oh nein, tatsächlich. Irgendwas stimmt mit ihr Mal wieder nicht. Unsere alte Waschmaschine hat bereits einige Alterskrankheiten. Wir haben sie schon mehrfach auseinander genommen und irgendwie hingekriegt. Die Fehlermeldung auf der Anzeige kommt mir leider nicht bekannt vor. Irgendwie habe ich ein ungutes Gefühl. Oben am Computer schauen wir nach, was die Fehlermeldung uns sagen möchte. Es sieht so aus, dass etwas mit der Pumpe nicht mehr stimmt.

Wäsche waschen ohne Waschmaschine - geht das gut?

"Die Reparatur der Waschmaschine macht ja mehr Arbeit als das Waschen selbst" höre ich Paul sagen. "Ich wünschte, wir hätten gar keine Waschmaschine, dann müsste ich mich nicht ständig darum kümmern". Recht hat er. Überhaupt, je mehr Elektrogeräte man besitzt, umso mehr kann auch kaputt gehen. Und dann? Dann ist man aufgeschmissen. Ich überlege kurz, die Raparatur selbst in die Hand zu nehmen. Aber ich brauche dann doch wieder die Hilfe von meinem Mann. Sie ist schwer und lässt sich nicht so einfach auseinanderschrauben. "Was hälst du davon, wenn wir dieses Problem zum Anlass nehmen und einfach per Hand weiter waschen?" schlägt Paul vor. Sofort wehrt sich alles in mir gegen diesen Vorschlag. Ganz automatisch schieße ich zurück: "Weißt du, wie viel Zeit solche Waschaktionen in Anspruch nehmen? Und das ist ganz schön schwer! Ich weiß nicht, ob ich das kann und will!" Ich blocke ab. Tief in mir drin verstehe ich, dass ich nur aus Angst so reagiere. "Natürlich sind wir abwechselnd mit dem Wäschewaschen dran. Ich kann das Waschen auch komplett übernehmen" sagt Paul. Ich will die Gewohnheit absolut nicht loslassen. Dieses Thema ist bei uns aber nicht neu. Wir haben schon früher darüber gesprochen, nur kann ich mich einfach nicht öffnen und auf das Experiment einlassen.

Wäsche waschen ohne Waschmaschine - geht das gut?

Ich sage doch JA zum Wäschewaschen ohne Waschmaschine

Vielleicht ist die Zeit gekommen. Außerdem habe ich irgendwie auch keine Wahl. Schließlich funktioniert die Waschmaschine eh nicht, ist das nicht eine Gelegenheit, die man positiv betrachten sollte? Ich gebe mir einen Ruck und höre mich sagen: "Wir starten das Experiment, ich bin bereit. Wenn es richtig blöd wird, können wir ja immer noch die Waschmaschine reparieren oder eine andere kaufen." Es geht auch gleich los. Die Wäsche, die noch in der Waschmaschine drin ist, muss fertig gewaschen werden. Das war gar nicht so schwer, da die Waschmaschine schon die größte Arbeit erledigt hat. Ich bin gespannt, wie das Waschen ohne Waschmaschine im echten Leben unter echten Bedingungen funktioniert.

Die erste Wäsche mit der Hand für die ganze Familie

Ich gestehe, wir sind ganz schön aufgeschmissen - wir besitzen keinerlei passende Utensilien, um richtig Wäsche mit der Hand zu waschen. So wie früher. Da fällt mir ein: Unser Einkochautomat steht die meiste Zeit eh nur herum. Da passen ca. 30 Liter rein. Und man kann ihn einfach einschalten, um Wasser warm zu kriegen - wenn man das benötigt. Rein theoretisch könnte man dort sogar Kochwäsche erledigen. Warum also nicht? Man wächst mit seinen Aufgaben und Erfahrungen. Wir haben auf die Badewanne ein Holzbrett gelegt, dort steht jetzt der Einkochautomat. Meine aktuelle Waschroutine - nach ca. 4 Wochen - sieht folgendermaßen aus:

Wäsche waschen ohne Waschmaschine - geht das gut?
  • Der Einkochautomat hat sich bis jetzt wirklich gelohnt.
  • Damit ich nicht so viel arbeit habe, weiche ich die Wäsche ein, das löst bereits einiges an Schmutz und Gerüchen.
  • Für das Einweichen gebe ich in meinen Einkochautomat warmes Wasser (die Temperatur bestimme ich nach Art der Wäsche) und etwas Waschpulver nach Wahl hinzu. Umrühren, Wäsche rein, Deckel drauf, fertig. Am nächsten Tag wasche ich. Die Vorbereitung für das Einweichen dauert ca. 3 Minuten, ist also wirklich machbar.
  • Ich verwende auch gerne selbstgemachte Seifenflocken zum Waschen.
  • Zwischendurch bin ich immer wieder im Bad und rühre ich mit einem Holzstab meine Wäsche kurz durch. Das dauert 10 Sekunden.
  • Am nächsten Tag mache ich die Wäsche. Ich massiere die Wäsche im Einkochautomat, jedes Wäschestück geht einmal durch meine Hände und wird an den nötigen Stellen massiert. Ich habe mir angewöhnt, Flecken direkt zu behandeln bzw. auszuwaschen. Das muss also bei der Wäsche gar nicht mehr sein.
  • Ist das Wäschestück fertig, wandert es ausgewrungen in unsere alte Baby-Badewanne, die noch da ist. So mache ich das mit allen Sachen im Einkochautomat.
  • In die Baby-Badewanne kommt jetzt frisches Wasser. Die Wäsche wird dort ausgespült. Wenn nötig, noch ein zweites Mal. Und wenn ich möchte, gebe ich etwas Essig dazu. Die Wäsche wird somit weicher, da wir ein sehr kalkhaltiges Wasser haben.
  • Anschließend wringe ich die Wäsche aus. Sie ist natürlich nicht so "trocken" wie aus der Waschmaschine, aber lässt sich trotzdem ohne Probleme draußen aufhängen. Fertig! Das Waschen und Auswringen dauert ca. 15-25 Minuten, je nach dem, was aktuell gewaschen werden muss.
  • Beim Wäsche waschen versuche ich, so wenig wie möglich das Wasser zu verschmutzen. Kennst du schon meinen Artikel über die Kläranlagen in Deutschland und was sie wirklich können?. Meine Empfehlung!

Was ist mir positiv aufgefallen beim Wäschewaschen mit der Hand?

Zuerst dachte ich, das Wäsche waschen ist wirklich ein Kraftakt. Ich hatte große Angst davor. In Wirklichkeit ist das gar nicht so schlimm. Sogar irgendwie meditativ und man sieht, was man geschafft hat. Ich mache das gerne. Wir sind ein drei Personen Haushalt, es fällt immer was an. Ich bin gleichzeitig froh, dass wir recht minimalistisch leben und nicht täglich alle Kleidungsstücke wechseln. Es wird bei uns also nur das gewaschen, was wirklich nicht mehr angenehm riecht oder Flecken hat. Wenn einfach ein anderes Kleidungsstück angezogen wird, ohne dass das Vorherige schmutzig ist, wandert es nicht in die Wäsche. Es wird - wenn nötig - gelüftet und in den Schrank geräumt. Das spart viel Arbeit.

Wäsche waschen ohne Waschmaschine - geht das gut?

Vor- und Nachteile beim Wäsche waschen mit der Hand

Das Einweichen ist Gold wert. Es spart wirklich viel Arbeit. Ich empfehle auch, Gummihandschuhe zu benutzen, wenn man mit der Hand wäscht. Meine Haut ist sehr empfindlich und ich merke, wie gut die Gummihandschuhe sie schützen. Das Waschen an sich dauert gar nicht so lange. In einer halben Stunde bis 45 Minuten hängt die Wäsche bereits an der Leine. Wasche ich mit der Waschmaschine, so habe ich ja auch die Arbeit mit dem Aufhängen und muss das Gerät be- und entladen. Ich habe gemerkt, ich bekomme eine intensivere Beziehung zu meiner Kleidung, wenn ich sie per Hand wasche. Auch schätze ich unsere Kleidung jetzt mehr. Das ist mir besonders positiv aufgefallen. Wir bügeln unsere Wäsche ja schon lange nicht mehr. Aber seit wir mit der Hand waschen, ist das Ergebnis noch glatter und schöner. Das ist ein Pluspunkt! Das Trocknen dauert leider länger. Wenn das Wetter schön ist, stört mich das nicht, denn es fällt nicht auf. Wenn es jedoch nieselt, muss die Wäsche zwei-drei Tage länger draußen hängen. Gut, damit muss man sich einfach anfreunden, das ist nichts, was mir zusätzlich Arbeit macht. Wäschestücke, die wir ganz dringend brauchen, kann man ja auch zu Hause in der Nähe des Ofens oder auf der Heizung trocknen. Da muss jeder individuell gucken, ob man mit der zusätzlichen Luftfeuchtigkeit im Raum gut zurecht kommt oder nicht. Ist die Luft im Winter in den Wohnräumen meist zu trocken, könnte man das eine oder andere Wäschestück auch drin trocknen. Grundsätzlich trocknen wir unsere Wäsche draußen, auch im Winter klappt das.

Weiche Wäsche und Erfahrung mit Flecken

Was mir noch aufgefallen ist: Die Wäsche ist sehr weich. Ich dachte, sie wird steifer, wenn sie trocken ist. Aber das ist nicht so. Sie ist weich und angenehm. Außerdem muss ich sagen, dass sie so viel schoneneder gewaschen wird und somit länger hält. Sie sollte nicht so schnell verwaschen aussehen. Handwäsche praktisch für alles - nicht nur für besonders empfindliche Stücke. Im Großen und Ganzen bin ich ganz zufrieden mit der aktuellen Lösung und noch möchte ich nicht zurück. Falls einer sich fragt: Meine waschbaren Stoffbinden wasche ich nun auch mit der Hand. Ich wasche sie nach Benutzung direkt aus (was echt super geht), dann sammel ich sie im nassen Zustand und wasche anschließend alle zusammen fertig. Das geht gut. Das vorherige Auswaschen ist wichtig und spart Arbeit. Damit hatte ich bis jetzt aber nur ein Mal Erfahrung. Auch größere Wäschestücke wie Bettwäsche haben wir bereits mehrfach gewaschen. Es ist etwas schwieriger, weil es eben große Stücke sind, mit denen man hantieren muss. Aber es geht und auch alleine kann ich sowohl Bettlacken als auch Überzüge ohne Probleme auswringen. Wenn man die Badewanne als Auffangbecken verwendet (und die ausgewrungenen Teile in eine kleinere Wanne legt), funktioniert alles wunderbar.

Wäsche waschen ohne Waschmaschine ist eine spannende Erfahrung

Ganz ehrlich: Ich dachte, wir brauchen wirklich die Waschmaschine und ohne wäre das Leben echt hart. Aber das ist überhaupt nicht so. Wir sind so erzogen worden, dass uns verschiedene Maschinen viele Arbeiten abnehmen. Es mag sein, dass sie uns das Leben erleichtern. Aber uns wird an so vielen Stellen die Arbeit abgenommen, dass das - als Ganzes betrachtet - kontraproduktiv ist. Mit der Hand zu waschen ist eine körperliche Arbeit, die nicht sehr anstrengend ist. Man hat danach ein tolles Ergebnis. Man fühlt sich nützlich! Mein Alltag ist voll mit Aufgaben. Und trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass das Projekt "Wäsche waschen mit der Hand" mir Zeit klaut. Es lässt sich super integrieren. Ich warte jetzt einige Monate ab und lasse dich wissen, wie es weiter geht. Abonniere doch meinen kostenlosen Newsletter, dann wirst du das Update nicht verpassen. Ich freue mich! Bis bald, deine Lisa.

Beitrag von Lisa Albrecht am 25. Oktober 2020 veröffentlicht.

Tipp
Nachhaltige
Lösungen für deinen Alltag!
✔ Kostenloser Newsletter max. 1x pro Woche.
✔ Jederzeit abbestellbar über einen Link.
✔ Ich habe die Hinweise zum Datenschutz zur Kenntnis genommen und stimme ihnen zu.
Newsletter abonnieren