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Heilpraktikerin Jen Fuchs über Hashimoto-Heilung, Gluten und grüne Smoothies

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Ich starte heute eine Interview-Reihe, in der ich verschiedene Menschen zum Thema "Vegane Ernährung" befrage. Mich interessiert nicht nur, warum sie angefangen haben, sich vegan zu ernähren, sondern auch wie sich die vegane Ernährung auf ihre Gesundheit oder gar das gesamte Leben ausgewirkt hat. Die Interviews sind insgesamt sehr individuell geworden und mit vielen Überraschungen gespickt, die ich tatsächlich nicht erwartet habe. Wie in diesem Interview mit Jennifer Fuchs, die den Anfang macht. Ich war sehr erstaunt, was ich über ihre Schilddrüsen-Erkrankung und gleichzeitig Heilung erfahren habe. Aber lest am Besten selbst.

Liebe Jennifer, verrate meinen Lesern erstmal, wer du bist und was du machst. Wie ernährst du dich aktuell, wie lange und natürlich ist auch die Frage spannend "warum"?

Jennifer Fuchs von Happy Healthy Raw

Jennifer Fuchs:Darfst mich bitte gern Jen nennen. :-) Ich bin Jen Fuchs, verheiratet und Mama von 2 zauberhaften Töchtern (8 und 5). Ich bin Heilpraktikerin und Online-Gesundheits- und Rohkost-Coach. (Jen's Blog und weitere detailierte Infos findet ihr unter Happy Healthy Raw). Ich ernähre mich vegan mit einem sehr hohen Rohkostanteil (80 - 100% je nachdem wie es in den Tag passt und nach was mir ist). Zur veganen Ernährung kam ich durch eine eigene Erkrankung (Hashimoto-Thyreoiditis, die ja in Schulmediziner Kreisen als unheilbar gilt). Mir ging es sehr schlecht und ich wusste, ich muss selbst etwas ändern, wenn es mir besser gehen soll. So begann ich Anfang 2013 mit vegan und grünen Smoothies.

Natürlich fragt man sich gleich, wie es denn deiner Schilddrüse aktuell geht?

Jen: Als es mir damals so schlecht ging, hatte meine Schilddrüse nur noch ein Gesamtvolumen von 6 ml. Mein Arzt eröffnete mir, dass die rechte Seite nahezu komplett zerstört sei und die linke Seite auch schon sehr angegriffen ist. Letztes Jahr dann die "Überraschung". Die Schilddrüse ist regeneriert. Plötzlich hatte ich wieder ein Volumen von 13 ml. Die linke Seite sah wieder gut aus und in der rechten erkannte man ein wenig den Hashimoto. Jetzt, vor wenigen Wochen, hatte sie inzwischen wieder 14ml Gesamtvolumen und mein Arzt sagt, sie sieht aus wie eine normale gesunde Schilddrüse und ist sehr darüber erstaunt. An meiner Schilddrüse kann man kein Hashimoto mehr erkennen. Ach so..., zur Info: Ein normales Schilddrüsen-Volumen bei Frauen liegt bei ca. 15ml bis 18ml.

Wie ist das denn nun möglich? Was hast du gemacht? Welche Erklärung hast du für die Genesung?

Jen: Ich glaube, der Startschuss war wirklich meine Ernährungsumstellung auf vegan mit grünen Smoothies. Aber den richtigen "Durchbruch" habe ich gespürt, als ich dann aufgehört habe, Gluten zu essen. Eigentlich weiß "man" ja das Gluten nicht gut für den Körper ist, besonders ich als Heilpraktikerin hätte das wissen müssen, aber zu sehr hängt man seinen alten "Süchten" besonders nach Brot, Nudeln und Co. hinterher.

Gleichzeitig mit dem Verzicht auf Gluten habe ich meinen Rohkostanteil extrem gesteigert und das gab meiner Gesundheit ein richtigen Booster.

Anhand der "traditionellen Urinfunktionsdiagnostik", die ich auch in meiner Praxis mache, und bei mir selbst gemacht habe, erkannte ich aber das gerade mein Darm immer noch nicht in Ordnung war. Und so entschloss ich mich zu einer langen Darmsanierung über 8 Monate.

Gleichzeitig widmete ich mich auch den seelisch/emotionalen Teil, denn ich bin der Meinung, das Körper, Seele und Geist eine untrennbare Einheit sind und das jede Erkrankung immer einen seelischen/emotionalen Aspekt hat. Ich wusste, das die Schilddrüse psychosomatisch für die Themen: Kampf und Flucht, aber auch für Perfektions- und Leistungsdrang und unterdrückte Kreativität steht. Das passte bei mir, wie sagt man so schön, wie die Faust aufs Auge.

Wie kammst du eigentlich dazu, dass u.a. eine Ernährungsumstellung dir helfen könnte? Durch deine Ausbildung? Ich ernähre mich auch glutenfrei und habe eine unglaubliche Verbesserung meiner Verdauung festgestellt. Früher hätte ich sowas nicht für möglich gehalten! An meinem Rohkostanteil arbeite ich noch. Smoothies helfen da sehr.

Jen: Ja, ich glaube Gluten macht total viel aus. Oft wird gedacht, dass Gluten "nur" eine negative Wirkung auf den Bauch hat wie Bauchprobleme, Durchfall, Übelkeit und Ähnliches, aber das ist nicht so. Gluten wirkt zwar vorrangig negativ auf den Darm, aber der Darm ist eben auch der Sitz unseres Immunsystems, 80% sind in ihm lokalisiert und wenn der Darm nicht gesund und in Ordnung ist, kommt es so auch zu Problemen wie: Immunschwäche (Infektanfälligkeit) oder ein überschießendes Immunsystem (Allergien oder eben auch Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto, Morbus Crohn, Multiple Sklerose, Schuppenflechte etc.), auch treten häufig Probleme des Nervensystems auf wie: Kopfschmerzen und/oder Migräne, Unkonzentriertheit, das Gefühl "wie benebelt" zu sein also gar nicht wirklich klar denken zu können, auch Stimmungsschwankungen, besonders gereizte und aggressive Stimmungen oder auch bei Kindern das Zappelphillip-Syndrom wie ADHS können daraus resultieren.

In meiner Praxis habe ich nun schon mit vielen Patienten den 4-Wochen-Gluten-Frei-Test gemacht und es hatte bei jedem, auf unterschiedliche Weise, positive Veränderungen zu Tage gebracht. Es lohnt sich also, wenn man sich noch glutenhaltig ernährt, einfach mal diesen 4-Wochen-Test zu machen.

Jennifer Fuchs von Happy Healthy Raw

Wie ist deine Erfahrung, wirkt sich vegane Ernährung positiv auf die Gesundheit aus? Kannst du von deiner Erfahrung als Heilpraktikerin berichten?

Jen: Aus meiner Sicht wirkt sich die vegane Ernährung positiv auf die Gesundheit aus. Man muss hier aber zwischen der gesunden und der ungesunden veganen Ernährung unterscheiden. Lässt jemand einfach alles tierische weg, ist das zwar toll (auch besonders für Tier und Umwelt), allerdings heißt es noch lange nicht, dass er sich gesund ernährt. Werden die tierischen Produkte z.B. nur durch andere industriell hergestellte Ersatzprodukte ersetzt, bedeutet das in meinen Augen keine gesunde Ernährung. Denn gerade die in der veganen Küche angewandten Soja- und Seitanprodukte sind sehr umstritten. Seitan z.B. ist 100% Weizengluten und würde ich nie empfehlen, da ist ein Steak in meinen Augen gesünder.

Die vegane Ernährung ist meiner Meinung nach DANN gesund, wenn man sehr viel frisches einbaut wie Obst, Gemüse, Blatt- und möglichst auch Wildgrün (da kann man sich langsam rantasten) und natürlich auch mit Keimlingen und Sprossen. Und wie hier ja schon oft erwähnt, finde ich glutenfrei besonders wichtig.

Welchen Fehler hast du am Anfang deiner veganen Karriere gemacht und was würdest du meinen Lesern empfehlen? Auf was sollten sie stärker achten?

Jen: Das ist eine gute Frage. In der Anfangszeit meiner veganen Ernährung habe ich noch Gluten und viele Chips gegessen (ja, ich war ein Chips-Junkie). Das würde ich als meine "Fehler" zählen, aus denen ich aber gelernt habe.

Ich bin übrigens schleichend in die vegane Ernährung gekommen. Ich habe von heute auf morgen aufgehört Fleisch zu essen und hab dann nach und nach die restlichen tierischen Produkte eliminiert. So würde ich es auch meinen Patienten und meinen Freunden/Familie empfehlen. Man muss nicht alles von jetzt auf gleich ändern. Das führt oft zu "Rückfällen". Besonders auch dann, wenn man irgendwann anfangen will, sich rohköstlich zu ernähren. Von jetzt auf gleich zu 100% roh, ist meiner Meinung nach zumindest, überhaupt nicht empfehlenswert.

Wenn jemand auf eine vegane Ernährung umstellen möchte, kann und sollte er das ruhig langsam angehen, aber von Anfang an möglichst darauf achten, GREENS in seine Ernährung einzubauen. Feldsalat, Spinat, Mangold - das sind Sachen, mit denen man starten kann. Über die Zeit sind dann auch Radieschen- und Möhrengrün toll (die viel mehr Nährstoffe besitzen als die Knolle/Wurzel). Ideal kann man diese GREENS natürlich in grünen Säften oder Smoothies verarbeiten.

Liebe Jen, ich danke dir für die ausführlichen Antworten und tollen Infos. Ich bin mir sicher, dass du einige Leser inspirieren und motivieren konntest!

Beitrag von Lisa Albrecht am 2. November 2016 veröffentlicht.