Der Kontrollverlust nimmt mir die Luft

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht
Kontrollverlust nimmt mir die Luft - beklemmendes Gefühl

Ich liege im Bett und atme. Kurz ein. Ein. Ein. Ein. Ein. Tief ein. Und auuuuus. Das wiederhole ich drei-viermal. Mein Brustkorb entspannt sich spürbar und ich bekomme mehr Luft. Mein Hals fühlt sich freier an. Die beklemmende Barriere lässt mich los und ich werde ruhiger. Ich staune und bin unendlich dankbar, weil mich diese Atemübung wieder einmal gerettet hat.

Heute bin ich ganz nah am Wasser gebaut, schnell überfordert und auch frustriert. Obwohl eigentlich alles gut läuft. Eigentlich. In diesem besonderen Zustand der aufkeimenden Ohnmacht gelingt es mir nicht, den wahren Grund zu erkennen. Denn mein Inneres schützt mich davor und schaltet gern auf Autopilot wie in einem Flugzeug. Aber ich will nicht. Ich will der Ursache direkt in die Augen blicken und wenigstens sehen, welche Augenfarbe sie hat und welcher Ausdruck mir entgegenblickt. Also setze ich mich ans Steuer und bin bereit, etwas zu wagen. Ich mobilisiere meine letzten Kräfte. Eins ist klar: Egal wie die Landung sein wird, ich will es versuchen.

Sobald ich diese Entscheidung getroffen habe, fühle ich auch die Kontrolle wieder. Aber auch die Sicherheit und Leichtigkeit gesellen sich dazu. Ich halte das Steuer in den Händen und bin in der Lage, frei zu lenken. Mein Bauch weiß jetzt, was wirklich los ist, warum ich keine Luft bekomme. Ich will die Kontrolle nicht nur über meine Gefühle haben, sondern auch über mein ganzes Leben. Wie es weiter geht. Wie es sich anfühlen wird und überhaupt in der nächsten Zeit entwickelt. Vor allem jetzt, wo meine Gefühlswelt mit dem eigenen Haus und dem bewusst gewählten Wohnort auf dem Kopf steht. Viele neue Entscheidungen stehen Schlange. Da ich nicht weiß, was sie mit sich bringen, macht mir das Angst und nimmt mir, vor allem an einem Abend wie heute, die Luft zum Atmen. Werde ich mit den neuen Entscheidungen glücklich? Werde ich die Kraft haben, sie überhaupt zu treffen? Lohnt es sich denn wirklich? Und was ist, wenn ich mich trotzdem nicht wohlfühle?

Dieses Jahr will ich keine Kompromisse eingehen, die mir nicht guttun, das habe ich meinem Bauch versprochen. Ich will nichts mehr schönreden. Ich lasse mich auf das neue und unbekannte Kapitel ein. Mein Tagebuch möchte ich auf der ersten Seite beginnen, ohne zu wissen, wie das Ende wird. Es ist etwas abenteuerlich und ohne Kontrolle, ich weiß. Aber das ist in Ordnung so. Und ich bekomme eine neue Aufgabe: Vertrauen lernen. Kontrolle abgeben und loslassen. Das ist, für einen Kontrollfreak wie mich, richtig schwer, aber nicht unmöglich. Wenn es jedoch einfach wäre, würde ich meine Fortschritte doch gar nicht bemerken. So wie beim Sport. Erst nach einer großen Anstrengung oder Überwindung ist man richtig stolz. 

Ich möchte stolz auf mich sein, egal was die Zukunft bringt. Der Weg ist das Ziel, mit allen Hürden und positiven Erlebnissen, ansonsten wäre es kein Leben.

Wie siehst du das, hattest du vielleicht auch schon so einen Moment oder ähnliche Gedanken? Ich freue mich, von dir auf Social Media zu hören. Deine Lisa.

Veröffentlicht am 9. Februar 2024.
Lisa Albrecht
Lisa Albrecht
Gründerin & Autorin
Ich bin immer auf der Suche nach ganzheitlichen Lösungen für mehr Gesundheit und Balance im Leben. Ich liebe das Meer, veganes Vanille-Eis und unsere Erdbeeren aus dem Garten.
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