Operation am Eierstock - Dermoidzyste entfernen - Erfahrungsbericht

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Für Quereinsteiger: Das ist der zweite Teil. Lese die Geschichte von Anfang an. Hier geht es zu Teil 1.

Mein Kopf kommt gar nicht so richtig mit. Habe ich mich nicht gerade erst in diesem Zimmer für die OP umgezogen? Nun liege ich hier, die Krankenschwestern gehen wieder und ich bin alleine. Auf meinem Tischchen neben dem Bett liegt das Handy, es ist einsatzbereit. Es fällt mir schwer, überhaupt irgendwas zu tun. Alles fühlt sich schwer an. Ich sammel meine ganze Kraft und schreibe meiner Familie: "Ich bin wach." Sofort kommt eine Antwort, sie freuen sich sehr, wieder von mir zu hören. Ich spüre ihre Erleichterung. Mein Mann hat sich schon etwas Sorgen gemacht, es sind bereits einige Stunden vergangen. Ich fühle mich sehr müde und bin kurz vorm Einnicken, da kommt eine Krankenschwester herein. Sie packt alle Sachen meiner Zimmernachbarin in eine Tasche. "Was ist passiert?", frage ich. Die Krankenschwester erklärt mir, dass sie in ein anderes Zimmer verlegt wird. Gerade ist noch was frei, ansonsten müssten die Patienten Tag und Nacht eine FFP2 Maske tragen. Verwundert erwidere ich: "Oh, echt? Aber wir haben doch einen Corona-Test (PCR-Test) gemacht und uns bis zum Krankenhausaufenthalt in Quarantäne begeben?!" Die Krankenschwester ist etwas ratlos, zuckt mit den Schultern und sobald sie gegangen ist, fallen mir auch schon die Augen zu.

Operation am Eierstock - Dermoidzyste entfernen - Laparoskopie - Bauchspiegelung - Erfahrungsbericht

Nach der OP: Schlafen ist eine Herausforderung

So richtig schlafen konnte ich noch nie im Krankenhaus. Auf dem Flur piept es, hin und wieder kommt jemand in mein Zimmer, ständig sind irgendwelche Geräusche zu hören. Während ich liege, geht es mit den Schmerzen. Aber irgendwann muss man ja auch mal aufs Klo. Das ist eine weniger tolle Angelegenheit, denn zum Aufstehen bin ich leider zu schwach. Außerdem ist mir plötzlich ganz übel. Kaum merke ich die Übelkeit, schon greife ich zur Kotztüte und verabschiede mich von meinem Kamillentee. Viel mehr ist in meinem Magen nicht drin. Ich klingel nach einer Krankenschwester, die sich wirklich gut um mich kümmert. Sie bringt mir nicht nur eine neue Kotztüte, sondern auch eine Bettpfanne. Ich würde gerne aufstehen, aber meine Kreislaufprobleme und die Übelkeit lassen es nicht zu. Außerdem reizt die Drainage zusätzlich die frische Wunde, ich habe im Moment keine andere Wahl. Das Pipimachen in die Bettpfanne ist keine einfache Sache. Sowohl körperlich, wenn man frisch operiert ist, als auch psychisch. Das, was man nie machen sollte - und zwar ins Bett pinkeln - muss man jetzt auf Kommando tun. Die Krankenschwester lässt mich zum Glück für eine Minute alleine und es klappt. Ich bin erleichert, im wahrsten Sinne! Auf die Idee, plötzlich nur noch ganz wenig zu trinken, sollte man dabei nicht kommen. Denn das wäre extrem kontraproduktiv für den Kreislauf. Ich verspreche der Krankenschwester, mir viel Mühe zu geben und das nächste Mal bereits aufs Klo gehen zu können.

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Auf und Abs im Krankenhaus nach einer OP (Dermoidzyste)

Ich döse viel, kann leider immer noch nichts essen und muss mich hin und wieder übergeben. Aber es wird gegen Abend besser. Ich wage es, einen kleinen Schluck Apfelsaft zu trinken und beobachte, was passiert. Die Übelkeit lässt nach. Die Tür geht auf und eine Krankenschwester kommt. In der Hand hält sie eine Spritze. Oh Gott, denke ich mir. Sobald ich Spritzen sehe, wird mir schlecht. Ich möchte wissen, was das für eine Spritze ist. Ah, gegen Trombosen. Auch wenn ich keine Spritze haben möchte, bekomme ich das Mittel in meinen Oberschenkel gespritzt. Eine Viertelstunde später bekomme ich Schweißausbrüche und Herzrasen. Was ist denn jetzt los? Ich schwitze, mir ist heiß und ich fühle mich richtig schlecht. Ich klingel nach einer Krankenschwester, da ich etwas Angst habe.

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Was ist mit der Krankenschwester los?

Eine Krankenschwester stürmt in mein Zimmer rein und kocht regelrecht vor Wut. Ich schaffe es gar nicht, etwas zu sagen, sie fällt mir bereits ins Wort: "Ich habe den Eindruck, Sie möchten gar nicht gesund werden! Sie verweigern das Schmerzmittel. Und auch gegen die Übelkeit gibt es Medikamente! Und auch Schlafmittel haben wir da." Ich bin einfach nur sprachlos und mir ist nach Heulen zumute. Was ist denn mit dieser Frau los? Ich habe doch gar nicht um diese Dinge gebeten und mich auch nie darüber beschwert. Sie ist zum ersten Mal in meinem Zimmer. Wie sie darauf kommt, ist mir ein Rätsel. Wie ist das nur möglich? Nur, weil ich einmal wegen meiner Übelkeit und meines empfindlichen Magens das Schmerzmittel später einnehmen wollte, möchte ich nicht gesund werden? Ich hätte es sowieso ausgekotzt. Bis jetzt hat mir auch niemand etwas gegen die Übelkeit angeboten. Außerdem hieß es doch, dass das Erbrechen den Körper reinigt. Das Schmerzmittel habe ich einmal ganz bewusst nicht eingenommen, um weniger in die Kotztüte schauen zu müssen. Außerdem hatte ich keine großen Schmerzen, zumindest nicht im Liegen. Aufstehen konnte ich wegen dem Kreislauf eh nicht. Ich fand das ziemlich unfair.

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Patient mit Sonderwunsch ist nicht erwünscht

Ich habe das Gefühl, sobald man nur wenige Millimeter vom Standard-Weg abweicht, landet man in einer Schublade mit der Aufschrift "Patient mit Sonderwünschen". Was habe ich anders gemacht? Beim Schmerzmittel wollte ich einen für mich besser verträglichen Wirkstoff haben. Das ist auch kein Problem, denn sie haben es da. Einmal wollte ich eine Schmerztablette halbiert bekommen, die Schwester musste nicht extra wieder zurück und die Tablette halbieren. Ich frage mich auch, ob wirklich jeder Patient ohne mit der Wimper zu zucken ganze Tabletten schluckt? Es gibt doch jede Menge Menschen, die keine Tabletten schlucken können. Wie machen sie das nur im Krankenhaus? Lassen sie einfach die Tabletten verschwinden oder schlucken sie sie auf gut Glück? Ich wollte mich definitiv nicht verschlucken, auch nicht husten, denn mit mehreren Schnitten am Bauch ist das nicht besonders lustig. Nach dem die Krankenschwester ihren Dampf abgelassen hat, wollte ich nun definitiv nicht einknicken. Ich bleibe mir treu, lasse mir nicht alles aufdrücken, wenn es mir nicht gut tut und werde mir Mühe geben, ganz schnell auf die Beine zu kommen. Ihre Art hat mich motiviert, aus der Situation so schnell wie möglich zu fliehen. Ich sagte nichts mehr, nach dieser Attacke ging es mir noch schlechter als zuvor. "Warum haben Sie mich denn überhaupt gerufen, wenn Sie keine Schmerzmittel möchten?", giftet mich die Krankenschwester weiter an. "Mir ging es nicht gut und ich wollte wissen, ob die Trombosespritze Herzrasen und Schweißausbrüche auslösen kann.", sagte ich. "Nein, sie hat keine Nebenwirkungen.", schoss sie zurück. "Ich möchte gerne aufstehen", sage ich. Denn alleine darf ich nicht aufstehen. Aber genau in diesem Moment dreht sich die Krankenschwester um und knallt die Tür zu. Sie lässt mich völlig alleine.

Wie wichtig die Familie ist

Mir kullern die Tränen, ich fühle mich ohnmächtig. Ich rufe meinen Mann an. Völlig aufgelöst erzähle ich ihm, dass ich nicht mehr weiter weiß und er baut mich auf. Es ist alleine ein Trost, seine Stimme zu hören. Auch meine Tochter schickt mir durch die Telefonleitung viele aufbauende Worte. Du musst hier raus, sagt mir meine innere Stimme. Mein Stresspegel ist den ganzen Tag über dem Limit, wie soll man so gesund werden? Ich bekomme einen Energieschub und wage es zum ersten Mal, etwas zu essen. Mit Mühe komme ich an meine Maiswaffeln. Ich esse eine Hälfte und hoffe, dass mein Magen nicht wieder rebelliert. Eine halbe Stunde später kommt eine andere Krankenschwester. Sie möchte Blutdruck und Fieber messen. Ich erzähle ihr, was passiert ist und in ihren Augen sehe ich, dass... Lese hier den 3. Teil meiner Geschichte. Bis gleich, deine Lisa.

Beitrag von Lisa Albrecht am 30. April 2021 veröffentlicht.