Meine OP am Eierstock (Dermoid-Zyste) - Bauchspiegelung Erfahrung

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Ich schaue auf die Uhr. Es ist kurz vor sechs. Wie aus heiterem Himmel kriege ich ein Gefühl der Ohnmächtigkeit. Nein, es gibt tatsächlich einen Grund. Heute steht meine Operation am Eierstock an und ich habe Angst. Seit vielen Wochen liegt mir dieses Thema schwer im Magen. Bei mir wurde eine Dermoidzyste am Eierstock diagnostiziert und nach vielen Wochen Bedenkzeit soll sie weg. Heute ist es soweit. Ich stelle meinen Wecker aus und suche bei meiner Familie Halt. Wir kuscheln und gleichzeitig kullern mir die Tränen. Was ist, wenn etwas schief läuft? Unzählige Horrorszenarien jagen im Blitztempo durch meinen Kopf. "Stopp!", sage ich mir. Alles wird gut. Ich habe mich dafür entschieden, es ist okay und ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit. Ich vertraue meinem Arzt, der mich auch operiert und habe mich für diese OP bestmöglich körperlich vorbereitet. Ich schließe meine Augen, atme tief ein und aus und gewinne neue Kraft, um diesen Schritt zu wagen.

OP am Eierstock - Dermoidzyste muss raus - Erfahrungsbericht im Krankenhaus

OP: Ich bin gleich dran

Eine Stunde später stehe ich vor dem Krankenhaus. Ich muss da alleine rein. Besucher sind leider nicht mehr erlaubt. Von meiner Familie habe ich mich nur kurz verabschiedet, um nicht in Tränen auszubrechen. Es ist meine erste Operation, auch eine Narkose hatte ich noch nie. Ich zittere am ganzen Körper und laufe zur Anmeldung. Kurze Zeit später bin ich auf der Station, eine Krankenschwester zeigt mir mein Zimmer und gibt mir alles, was ich für die OP brauche. Ich soll mich gleich umziehen, denn ich bin die Erste. Das tröstet mich. Stundenlang alleine auf eine OP zu warten würde mich völlig wahnsinnig machen.

Meine Zimmernachbarin ist eine ältere Frau, die sehr nett ist. Sie ist nach mir dran. Sie spricht mir Mut zu. Kaum habe ich mich umgezogen, stehen auch schon zwei Krankenschwestern im Zimmer und bitten mich, ins Bett zu steigen. Sie rollen mich in den OP. "Ach, so jung wie sie sind, wird das ein Klacks", sagt eine Krankenschwester und sorgt für eine lockere Stimmung. "Naja, ich bin schon 36, ich mache mir so meine Gedanken", erwidere ich. "Oh!", sagt die andere Krankenschwester und beide gucken verdutzt. "Das hätte ich jetzt nicht gedacht", sagt auch die andere. "Jetzt wollen wir es aber wissen: Was machen Sie, um so jung auszusehen?" Ich finde es wirklich rührend, wie sie sich um mich kümmern. Ich erkläre, dass ich einfach nur Pflanzen esse und sie mir vermutlich ganz gut tun. Sie nicken und erklären mir, dass sie leider nicht so viel Willenstärke besitzen. Plötzlich habe ich ein schlechtes Gewissen und erkläre den Beiden, auch wenn es nur teilweise stimmt, dass mir meine Unverträglichkeiten keine andere Wahl lassen.

OP am Eierstock - Dermoidzyste muss raus - Erfahrungsbericht im Krankenhaus

Was für ein Einsatz vom OP-Team!

Ich bin ganz überrascht, wie locker und witzig das OP-Team ist. "Ach, sie zittern ja am ganzen Körper, das brauchen Sie aber gar nicht", sagt eine sehr liebevolle Anästhesistin und hält meine Hand. "Wir passen gut auf Sie auf", versichert sie mir. Ihr Kollege kommt dazu und fragt mich, was ich beruflich mache. Klar, sie wollen mich ablenken, während alles vorbereitet wird. "Ich bin Journalistin", sage ich und ernte verwunderte Gesichter. "Oh, eine Journalistin auf dem OP-Tisch! Berichten Sie live aus dem OP? Dann müssen wir uns besonders viel Mühe geben, damit ihr Bericht positiv ausfällt!", sagt er und lacht. Auch ich muss etwas lachen, was soll man auch sonst in so einer Situation machen. Ich bin wirklich total beeindruckt, mit wieviel Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit das OP-Team in solch einer Situation agiert. Vor lauter Respekt dieser Arbeit gegenüber bedanke ich mich bei ihnen und versuche, meine Angst mit tiefen Atemzügen abzumildern. "An welchen schönen Ort möchten Sie denken, wenn Sie in die Narkose gehen?", fragt mich die Anästhesistin. "Ans Meer", sage ich und stelle mir ein ruhiges, weites, blaues Meer vor, das mich sofort beruhigt.

Narkose soll ein schöner Ort sein

Nach dem ich an alles angeschlossen bin, legt mir die Anästhesistin ihre Hand auf die Schulter und sagt, dass das Meer nun dran ist. Das war unser Codewort für Narkose. Kaum hat sie das gesagt, fühle ich eine merkwürdige Schwere in meinem Körper, auch das Sprechen ist so gar nicht mehr möglich. Eine Sekunde später bin ich weg.

OP am Eierstock - Dermoidzyste muss raus - Erfahrungsbericht im Krankenhaus

Wo bin ich? Aufwachen aus der Narkose

Ich merke, dass ich geschlafen habe. Ich hole tief Luft und merke, dass etwas anders ist. Ich denke noch mal kurz an meinen Traum... oh ja, ich habe geträumt! Irgendwie warm und bunt. Mehr weiß ich gar nicht. Ich öffne meine Augen und stelle fest, dass ich gar nicht zu Hause bin. Ich bin im Krankenhaus, im Aufwachraum. Ich möchte noch einmal tief Luft holen und verstehe, was anders ist: Die FFP2-Maske stört. Sofort denke ich an die OP, mein Kopf ist wieder klar. Leider ist mir furchtbar schwindelig. Ich schließe meine Augen wieder. Im gleichen Moment fange ich an, stark zu zittern. So stark, dass mir die Zähne klappern. Ein Krankenpfleger kümmert sich um mich. Er erklärt mir, dass die OP nun vorbei ist und ich nicht weinen brauche. Tatsächlich kullern mir wieder Tränen die Wangen herunter, der Druck muss wohl abgebaut werden. Er deckt mich warm zu und ich versuche, ein wenig zu dösen und mich zu beruhigen. Echt, die OP ist vorbei? Noch bin ich total komisch drauf. Etwas später lässt auch der Schwindel nach. Meine Anästhesistin schaut nach mir und auch etwas später mein Frauenarzt (er ist auch mein Chirurg). Ich erfahre, dass die OP gut verlaufen ist und mein Eierstock erhalten werden konnte. Das ist doch eine gute Nachricht! Ich danke ihnen für ihren Einsatz.

OP am Eierstock - Dermoidzyste muss raus - Erfahrungsbericht im Krankenhaus

Wie soll ich Tabletten schlucken?

Mein Hals tut weh und meine Lippe ist geschwollen. Ich kann kaum schlucken und kaum sprechen. Ein wenig Wasser soll Erleichterung bringen, aber es hilft kaum. Der Pfleger kommt mit einer Schmerztablette zu mir und bittet mich, sie zu nehmen. Ich habe schon im Normalzustand Probleme, Tabletten zu schlucken. Wie soll das jetzt gehen? Mit so einem geschwollenen Hals? Ich frage, was das für ein Schmerzmittel ist. Daraufhin bitte ich ihn, auf einen mir bekannten Wirkstoff auszuweichen, den ich gut vertrage. Das ist kein Problem, haben sie da. Die Tablette muss ich trotzdem nehmen, darauf wird ausdrücklich bestanden. Ich erkläre mit krächzender Stimme, dass ich sie nicht gleich nehmen kann, ich würde mich einfach verschlucken. Wir einigen uns, die Tablette zu halbieren. Und ich breche dann die Hälften in noch kleinere Stückchen und schaffe so, sie zu schlucken. (Nachtrag: An dieser Stelle frage ich mich, warum nicht einfach eine Infusion gemacht werden kann? Ein Zugang im Handrücken steht doch zur Verfügung. Aber auf solche Fragen kommt man erst zu Hause, wenn man alles Revue passieren lässt.)

Gleich im Zimmer angekommen

Die OP fing um 8 Uhr an und dauerte ca. 40 Minuten, in der Narkose war ich eine Stunde. Aufgewacht bin ich um 10 Uhr, ich habe also eine gute Stunde geschlafen. Bis mein Schwindel, Schüttelfrost und später auch die Schweißausbrüche weg waren und ich mich einigermaßen okay fühlte, war es 12 Uhr. Zwei Krankenschwestern kommen und holen mich ab. Sie bringen mich zurück in mein Zimmer, meine Nachbarin ist nicht mehr da. Sie ist bereits im OP oder vielleicht sogar schon fertig operiert...

Morgen kommt die Fortsetzung (Teil 2 - jetzt lesen) meiner Geschichte. Ich arbeite bereits dran. Freue mich schon! Entweder schau direkt hier auf dem Blog vorbei oder auf Social Media (Telegram / facebook / Instagram). Auch im Newsletter gibt es dann später alle Teile verlinkt. Bis bald, deine Lisa.

Beitrag von Lisa Albrecht am 29. April 2021 veröffentlicht.

Tipp
Nachhaltige
Lösungen für deinen Alltag!
✔ Kostenloser Newsletter max. 1x pro Woche.
✔ Jederzeit abbestellbar über einen Link.
✔ Ich habe die Hinweise zum Datenschutz zur Kenntnis genommen und stimme ihnen zu.
Newsletter abonnieren