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3000 km zu Fuß! Christof Herrmann ist vegan auf dem Jakobsweg unterwegs

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Seit ich erfahren habe, dass sich Christof von Einfach Bewusst bald auf den Weg nach Santiago de Compostela macht, also auf den berühmten Jakobsweg, musste ich ihn natürlich hier festnageln (bevor er "dann mal weg ist") und ausquetschen. Ich habe großen Respekt vor solch großen Zielen und habe selbst noch nie eine Pilgerreise dieser Art gemacht. Meine Wandertouren waren ziemlich bescheiden. :-) Außenstehenden, die an diesem Thema sehr interessiert sind, schießen sofort tausend Fragen in den Kopf. Übrigens, Christof möchte jeden Tag live berichten, wie er seine Pilgerreise erlebt. Weitere Informationen gibt es im Interview, aber ganz Eilige gehen direkt zum Jakobsweg Live 2016 auf Digistore24 und können die Berichterstattung buchen. Das Schwitzen übernimmt Christof für uns. :-)

Auf dem Camino Aragonés, Andreas Jeitler
Auf dem Camino Aragonés, Andreas Jeitler
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"Zero Waste geht auch an meinen Tagen."
Lisa Albrecht
Meine Lösung

Christof, warum möchtest du denn die Pilgerreise überhaupt machen? Was reizt dich und was erhoffst du dir davon?

Seit ich vor 15 Jahren Auf dem Jakobsweg - Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela von Paulo Coelho gelesen habe, wusste ich, dass ich mich eines Tages ebenfalls auf Pilgerschaft begeben werde. Nachdem ich in den letzten drei Sommern für meinen neuen Wanderführer Alpenüberquerung Salzburg - Triest im Hochgebirge war, ist nun die Zeit reif für den Jakobsweg. Ich bin neugierig auf die Landschaften, auf die Begegnungen mit den Menschen am Wegesrand, auf die Begegnungen mit anderen Pilgern und auf die Atmosphäre in den Herbergen. Auch möchte ich herausfinden, wie der Jakobsweg mich verändert. Oft hört und liest man ja, dass er nicht nur eine Fernwanderung, sondern auch eine spirituelle Reise und eine Reise zu sich selbst ist.

Auf der Herzog-Ernst-Spitze auf der Alpebüberquerung Salzburg - Triest, Katharina Ott
Auf der Herzog-Ernst-Spitze auf der Alpebüberquerung Salzburg - Triest, Katharina Ott

Gleich denke ich auch an religiöse Beweggründe. Bist du religiös?

Nein, zumindest nicht im christlichen Sinne mit Gott, Bibel, Gebet und all dem Firlefanz. Ich bin vor über einem Jahrzehnt aus der Kirche ausgetreten. An Spiritualität bin ich aber sehr interessiert - an Erkenntnis, Bewusstsein, Achtsamkeit, Dankbarkeit, Meditation, Transzendenz und solchen Aspekten.

Wann geht deine Reise endlich los und wie hast du die Route geplant?

Ende Juni, spätestens Anfang Juli. Ich starte von meiner Haustüre in Nürnberg aus. Über Ulm geht es an den Bodensee. Dann durch die Schweiz nach Genf. Von dort weiter auf der Via Gebennensis und der Via Podiensis durch Frankreich. Schließlich werde ich auf dem berühmten Camino Frances oder dem ruhigeren Küstenweg bis nach Santiago de Compostela pilgern.

Alleine beim Zuhören komme ich schon ins Schwitzen. :-) Wie viele Kilometer sind das denn?

Ich werde wohl auf 3.000 km kommen. Auf einem Wegweiser unweit meiner Wohnung steht zwar „Santiago de Compostela 2750 km“. Ich möchte aber jeden Meter gehen und nehme z. B. nicht die Fähren über den Bodensee und den Vierwaldstättersee, sondern umgehe die Gewässer.

Am Roten Main bei Bayreuth, Andreas Sauter
Am Roten Main bei Bayreuth, Andreas Sauter

Du bist also ehrlich zu dir selbst. Das finde ich toll! Was meinst du, wie lange dauert der Weg bis zum Ziel?

Rund vier Monate. Das wären durchschnittlich 25 km pro Tag. Das müsste zu schaffen sein, selbst wenn manche Etappen in der Schweiz und in Frankreich überraschend bergig sind. Ich will sicher nicht hetzen. Auf solch einer langen Tour kann auch viel passieren. Aber der Herbst in Nordspanien kann recht regnerisch sein, so dass ich lieber vor der „Regenzeit“ am Ziel bin.

So eine lange Strecke ist nicht ohne. Bereitest du dich physisch darauf vor?

Ich wandere regelmäßig. Das sollte reichen. Nach meiner Erfahrung, kommt die Fitness – zumindest im Flachland und Mittelgebirge – recht rasch beim Gehen. Man sollte es an den ersten Tagen nur nicht übertreiben und auf seinen Körper hören.

Gehst du eigentlich alleine?

Zwei, drei Freunde wollen mich ein paar Etappen begleiten. Prinzipiell starte und gehe ich aber alleine. Spätestens in Frankreich wird die Anzahl der Pilger zunehmen. Wahrscheinlich werde ich dann nette Begleitung finden oder zumindest in den Herbergen auf bekannte Gesichter treffen.

Ich bin gespannt, wie dein minimalistischer Rucksack so aussehen wird. Was nimmst du alles mit, hast du schon eine Vorstellung?

Möglichst wenig. Alles, was ich in den vier Monaten benötige, passt locker in meinen 32-Liter-Rucksack, den ich auch auf meinen Alpenüberquerungen dabei habe. Falls mir etwas fehlt oder ich etwas ersetzen muss, geh ich unterwegs shoppen. Der Jakobsweg führt mich auch durch größere Städte wie Konstanz oder Genf, wo es alle Arten von Geschäften gibt. Besonders gespannt bin ich, ob meine Wanderschuhe 3.000 km halten.

Schöne Fernsicht auf dem Fränkischen Gebirgsweg, Christof Herrmann
Schöne Fernsicht auf dem Fränkischen Gebirgsweg, Christof Herrmann

Sag mir gerne Bescheid, ob sich die Schuhe bewährt haben! Was meinst du, welche Schwierigkeiten könnten auf dich persönlich während der Pilgerreise zukommen? Ich hoffe, du hast dich bereits gut informiert?

Gefahren wie auf meinen Alpenüberquerungen in den letzten vier Sommern sind nicht zu erwarten. Eine dumme Verletzung kann aber auch auf dem einfachsten Weg passieren. Die größte Schwierigkeit könnte sein, sich vier Monate lang Tag für Tag zu motivieren. Aber ich bin sehr neugierig auf die Tour, auf die Begegnungen, auf das, was der Jakobsweg mit mir macht.

Eine Motivation ist ja auch, dass man quasi live dabei sein kann. :-) Du wirst direkt vor Ort berichten, wie du immer näher zum Ziel kommst. Wie kann man dir denn online folgen?

Richtig. Ich werde jeden Tag einen Bericht schreiben und ein paar Fotos online stellen. Wer daran interssiert ist, erfährt hier, wie man mir „live“ folgen kann. Das Schwitzen übernehme ich. ;-) Für 25 € inkl. MwSt. bekommst Du über 100 Tagesberichte und 400 Fotos.

Auf der Platte im Fichtelgebirge, Christof Herrmann
Auf der Platte im Fichtelgebirge, Christof Herrmann

Das ist ja jede Menge Information! Sehr gut und wirklich fair. Ich bin schon gespannt auf deine Berichterstattung. Kannst du dich dann überhaupt noch auf dich selbst konzentrieren?

Schreiben und Fotografieren ist ja meine Passion. Ich würde das auch nur für mich tun, wenn ich mich nicht als Autor und Blogger selbstständig gemacht hätte. Deswegen sehe ich kein Problem, mich täglich ein Stündchen hinzusetzen und etwas „zu Papier“ zu bringen. Es muss ja nicht unbedingt während des geselligen Zusammenseins am Abend in der Pilgerunterkunft sein.

Ich bin ziemlich neidisch auf die Landschaften, die ich mir bereits ausmale. Was wird, deiner Meinung nach, diese Pilgerreise mit deinem Körper tun?

Der Körper wird auf jeden Fall vom allerletzten Fettpölsterchen befreit. Diese Erfahrung habe ich zumindest auf meinen bisherigen Fernwanderungen gemacht. So viele Kalorien kann man kaum zuführen, wie man unterwegs verbrennt. Zudem bin ich jemand, der bei größeren Anstrengungen eher keinen großen Hunger hat.

Christof Herrmann auf der Alpenüberquerung Salzburg - Triest, Stephanie Spörl
Christof Herrmann auf der Alpenüberquerung Salzburg - Triest, Stephanie Spörl

Du ernährst dich vegan. Wird das in Frankreich und Spanien nicht schwierig bis unmöglich werden?

In den Restaurants und Bars am Weg soll es tatsächlich nur selten etwas Veganes geben. Und wenn ich mich nur von Baguette - das ist übrigens in Frankreich i. d. R. vegan – und Oliven ernähre, schaffe ich es wohl kaum bis nach Santiago de Compostela. Ich werde mir also oft etwas selber machen. Einen Couscoussalat kann man auch mit kaltem Wasser zubereiten. Und in vielen Herbergen gibt es Küchen, in denen man abends kochen kann. Frisches Gemüse, Kräuter, Hülsenfrüchte usw. aufzutreiben, sollte in den Ortschaften kein Problem sein.

Neben dem Wandern, dem Minimalismus und der veganen Ernährung schreibst du auf deinem Blog auch über Nachhaltigkeit. Du wirst am Ziel in Spanien doch nicht etwa mit dem Flugzeug nach Hause fliegen?

Ich bin seit Jahren nicht mehr geflogen und habe es auch diesmal nicht vor. Noch vor 20 Jahren war es ganz normal, weite Strecken mit der Bahn zurückzulegen. Ich verstehe nicht, warum das heute so verpönt ist. Wo ist nur all unsere Zeit und Geduld geblieben? Gerade nach einer Fernwanderung genieße ich die langsame Rückreise mit der Bahn, auch wenn sie zuweilen beschwerlich ist. Ich kann dabei die vorausgegangenen Wochen wunderbar Revue passieren lassen und passiere im Zug tatsächlich oft Gegenden, die ich zuvor unter die Füße genommen habe. Apropos Zug, da habe ich eine Idee, wie ich in Zukunft einmal meinen Sommer verbringen könnte. Mit dem InterRail-Ticket, wie vor 20 Jahren als Student, kreuz und quer durch Europa.

Das klingt alles sehr romantisch. Ich finde auch, Zug-Fahren bringt nach wie vor etwas Nostalgie und Atmosphäre mit sich. Wir fahren gerne Zug, jetzt macht es mit meiner Tochter noch viel mehr Spaß. Ich danke dir, lieber Christof, für die vielen Informationen. Ich glaube, es ist Zeit, ein wenig in die Sonne zu gehen - bei diesem schönen Wetter ist es fast eine Sünde, Interviews zu machen. :-)

Genau das hatte ich jetzt auch vor. Vielen Dank und bis bald!

INTERVIEW ENDE

Ich hoffe, ihr seid jetzt ordentlich inspiriert, motiviert und animiert, auch mal eine Fernwanderung zu unternehmen - es muss ja nicht gleich der Jakobsweg sein. Aber der Gedanke, so eine große Tour zu schaffen, ist sehr verlockend, muss ich zugeben. :-) Ich halte euch gerne auf dem Laufenden, wenn Christof gestartet ist.

Hier gehts zum Jakobsweg Live 2016 auf Digistore24.

Eure Lisa.

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Dieser Beitrag wurde von Lisa Albrecht am 24. Mai 2016 veröffentlicht.

Lisa von ich lebe grün! 17.6.2016 um 10:15
Liebe Moni,
ich verstehe, was du meinst. Jeder hat seinen eigenen Weg. Ich sehe das entspannter. Wenn Christof sich mit dem, was er macht, wohlfühlt, ist doch alles in Ordnung. Es kann auch sein, dass gerade das Feedback der Community und die Neugierigen, die sein Life-Angebot gekauft haben, ansport, das Ziel durchzuziehen. Weiterlesen Ich denke, wenn man nicht den ganzen Tag nur mit dem Bloggen und Dokumentieren der Reise beschäftigt ist, kann das ebenso für einen achtsam sein. Man darf nur seine Grenze nicht überschreiten. Ich würde auf einer Pilgerreise auch vermutlich viel Dokumentieren und Schreiben. Ich könnte es einfach nicht lassen. Deswegen sind wir ja alle auch Blogger. :-)
Liebe Grüße von
Lisa
Mini.Me. - Minimalismus & Lifestyle 14.6.2016 um 12:26
Hi Lisa,
ich habe ebenfalls verfolgt, dass sich Christof auf den Jakobsweg machen will und ich muss sagen, ich hab bei seinem Projekt ein bisschen Bauchschmerzen. Umso mehr er seine "Wanderung" vermarktet, umso mehr bekomme ich das Gefühl, er macht das Ganze nicht aus persönlichen, sondern aus finanziellen Gründen. Weiterlesen Ich gehe selbst im September auf den Jakobsweg und mir persönlich ist es sehr wichtig, diesen Weg für mich zu gehen. Ich werde während meiner Zeit auf dem Weg meinen Blog komplett ruhen lassen und nur bei mir selbst sein. Menschen, die aus denselben oder ähnlichen Gründen wie Christopf auf den Weg gehen, sind meiner Meinung nach genau die, die mitverantwortlich dafür sind, dass der Ruf der Pilger so in Verruch gerät. Ich werde Christofs Weg auf jeden Fall nicht verfolgen. Ich bin nämlich nicht bereit, dafür Geld auszugeben, sondern mache meine Erfahrung lieber ganz für mich alleine. Dieses Kapital schlagen hat in meinen Augen nichts mit einer minimalistischen und achtsamen Lebensweise zu tun, wie sie Christof gerne mal propagiert.
Liebe Grüße
Moni
Christof 21.6.2016 um 16:17
Hallo Moni,
ich sehe das so entspannt wie Lisa.
Wenn Du Dich mit meinem Angebot nicht wohl fühlst, solltest Du es natürlich nicht buchen ;-)
Schmunzeln musste ich, als ich gelesen habe, dass ich Deiner Meinung nach "mitverantwortlich dafür" bin, "dass der Ruf der Pilger so in Verruch gerät".
Wer meine Blog Einfach bewusst kennt, weiß das ich seit über 3 Jahre unentgeltlich blogge und dafür etwa 2 Tage pro Woche investiere. Weiterlesen Da ich als freier Autor trotz minimalistischer Lebensweise auch die eine oder andere Rechnung zu zahlen habe, sieht kaum einer meiner Leser ein Problem darin, dass ich diesmal für meine Berichte und Fotos (die ich ja sowieso für mich schreiben und machen würde) etwas verlange. Es ist doch niemand gezwungen diese zu buchen. Mein Blog bleibt übrigens kostenlos.
Viele Grüße und Dir im September viel Spaß auf Deinem Camino (sag jetzt nicht, dass Du nach Spanien fliegst, das wäre nicht grün und dem ursprünglichen Pilgergedanken fern ("Der Jakobsweg beginnt vor der eigenen Haustüre."))