Der Blick hinter die Kulissen unserer Konsum-Gesellschaft

Paul Albrecht
Paul Albrecht
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Sie schuftet 7 Tage die Woche. Mindestens 8 Stunden pro Tag schleift sie Natursteine ohne jegliche Schutzkleidung. Der Staub wird ihre Lunge nach wenigen Jahren so schädigen, dass sie unheilbar krank wird. Ein früher Tod ist somit vorprogrammiert. Und das alles für einen Lohn von 380 €. Sie wird ausgebeutet und bezahlt am Ende mit ihrem Leben.

Viele chinesische Arbeiter werden nie so alt. (Photo by Vince Russell on Unsplash)
Viele chinesische Arbeiter werden nie so alt. (Photo by Vince Russell on Unsplash)

Doch wer ist so sadistisch und nutzt sie gnadenlos aus? Ein Geschäftsmann, der seine Taschen immer weiter füllen will? Oder ein Staatsoberhaupt, das seine Macht zementieren möchte? Nein! Wir sind es, die chinesische ArbeiterInnen erbarmungslos ausbeuten. Doch wir wissen nichts davon. Wir wollen unsere Terrasse mit schönen neuen Marmor-Platten aus dem Baumarkt erneuern. Da freuen wir uns über die günstige Auswahl aus Fernost und klatschen glücklich in die Hände, wenn wir ein Schnäppchen gemacht haben. Das dafür Menschen am anderen Ende der Welt mit dem Leben bezahlen, steht natürlich nicht im Prospekt. Es wird Zeit, dass wir unseren Konsum hinterfragen und genauer hinschauen. Folgende Fragen müssen wir uns in Zukunft vor jedem Kauf stellen, damit wir uns mit einem guten Gewissen selber im Spiegel noch anschauen können.

  • Wo kommen unsere Produkte eigentlich her?
  • Wie beeinflusst der Abbau der Rohstoffe die Umwelt?
  • Wer stellt die Produkte unter welchen Bedingungen her?
  • Wieviel Energie ist für die Herstellung und den Transport nötig?
  • Wie schädlich sind die Produkte für uns und unsere Umwelt?
Kalb getrennt von seiner Mutter

Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass jedes Produkt Probleme erzeugt, die erst sichtbar werden, wenn man hinter die Fassade schaut. Ein persönliches Beispiel war mein Besuch auf einem Demeter-Hof. Produkte mit dem Demeter-Siegel gelten als die nachhaltigsten in Deutschland. Doch als ich mit eigenen Augen die Kälber sah, die von ihren Müttern getrennt in kleinen Boxen standen, stockte mir der Atem. Sie schrien verzweifelt nach ihren Müttern, die hinter dicken Gitterstäben bestimmt genauso litten, wie ihr Nachwuchs. In dem Moment wurde mir wieder einmal klar, warum ich mich vegan ernähre. Doch selbst der Anbau von Pflanzen hat seine Schattenseiten, denn die industrielle Landwirtschaft zerstört den Lebensraum für Millionen von Tieren und Insekten.

Ich weiss, dass es schwer ist, seine Augen für die Ungerechtigkeiten dieser Welt zu öffnen. Doch es wird Zeit, dass wir Verantwortung übernehmen für unser Handeln. Ich arbeite jeden Tag an alternativen Lösungen, die nicht nur für mich gut sind, sondern auch für meine Umwelt. Gerade heute habe im Garten ein neues Beet angelegt, um meine Nahrungsmittel selbst anzubauen. Ich weiss, dass man nicht alles selbst machen kann. Aber vieles, was für uns heute selbstverständlich ist, braucht man bei genauer Betrachtung überhaupt nicht. Ein minimalistisches Leben mit dem Fokus auf dem Wesentlichen könnte eine Lösung sein.

Wenn wir nichts ändern, ändert sich nichts!

PS: Eine NDR-Dokumentation über die chinesische Natursteinherstellung gibt es bei Youtube.

Beitrag von Paul Albrecht am 16. Juni 2020 veröffentlicht.

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