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Ätherische Öle: Gefährlich in Pflegeprodukten?

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Ich liebe ätherische Öle und tauche gerne in ihre Düfte ein. Doch ich weiß auch, dass man sie mit Vorsicht genießen sollte. Nicht jedes ätherische Öl ist unbedenklich, nur weil es „natürlich“ ist. Vor jeder Anwendung sollte man sicher gehen, dass das ätherische Öl auch geeignet ist. Aber was ist mit unseren Pflegeprodukten? In den meisten Produkten findet man Duftstoffe - ob ätherische Öle oder Parfum. Ich habe mit Dr. Theresa Friedrich, Pharmazeutin und Inhaberin der Kosmetikmarke Derma ID gesprochen. Sie kennt sich mit kosmetischen Inhaltsstoffen und natürlich auch ätherischen Ölen bestens aus. Am besten starten wir gleich mit dem Interview und meinen Fragen zu den ätherischen Ölen und deren Einsatz in kosmetischen Produkten.

Beinahe jedes Pflegeprodukt, das man in einer Drogerie kauft, beinhaltet Duftstoffe oder ätherische Öle. Ist das einfach nur etwas schönes für die Nase oder können diese Stoffe weitere Wirkungen auf den Körper haben?

Dr. Theresa Friedrich: Unser Geruchssinn ist ein „alter“ Sinn unseres Körpers, ist sehr persönlich und kulturell verschieden. Die meisten Duftstoffe werden verwendet, um einen positiven ersten Eindruck beim Kunden zu hinterlassen. Man kennt es von sich selbst, bei einem neuen Produkt riecht man gerne zunächst an der Flasche, einfach da man mal sicher gehen will, ob es einem überhaupt zusagt. Leider verdecken Duftstoffe auch Fehlgerüche, die uns vor Sachen warnen sollen (ganz besonders wundert mich in diesem Zusammenhang immer die gesamten Lufterfrischer und auch Mittel, die man auf Textilen sprüht, um ihre schlechten Gerüchte zu überdecken. Schlechte Gerüchte haben den Sinn uns vor Schäden (Bakteriellen usw.) zu schützen. Natürlich haben Düfte, insbesondere ätherische Öle, eine Wirkung auf den Körper und die Psyche. Ätherische Öle können nach 10 Minuten im Blut nachgewiesen werden. Diese Wirkungen werden ganz gezielt in der Aromatherapie verwendet und diese Aspekte sind mir bei der Verwendung ätherischer Öle besonders wichtig. Als Beispiel Sandelholz: Dieses Öl zeigt in Studien, dass es positive Wirkungen auf rasierte Haut hat, daher verwende ich es im Deodorant.

Natürliche Öle – wie gut sind sie für uns wirklich?
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Was ist der Unterschied zwischen Duftstoffen bzw. Parfum und ätherischen Ölen?

Dr. Theresa Friedrich: Kurz als Erklärung, wie die Begriffe verwendet werden. Riechstoffe (Engl. „odor“ oder auch Duftstoffe genannt) sind in der Wissenschaft der neutrale Ausdruck für alle Produkte (gut wie schlecht), die einen wahrnehmbaren Geruch entwickeln. Davon sind auch die ätherischen Öle und Parfums ein Teil. Ich denke, du meinst hier Parfumstoffe (als INCI Parfum), die sind oft aus Einzelkomponenten erzeugt. Ätherische Öle haben ja zahlreiche Komponenten (bis zu 200!) und bei manchen Ölen ist ein Stoff „Duftgeber“ und dieser kann dann auch isoliert verwendet werden und wir erkennen immer noch, dass es z. B. Rosenöl ist. Bei Parfummischungen ist immer die exakt gleiche Konzentration von allen Stoffen enthalten, wenn sie aus Einzelkomponenten gemacht werden. Parfums aus ätherischen Ölen riechen bis zu einem gewissen Grad immer leicht anders, da die Pflanze nicht jedes Jahr gleich wächst. Daher sind manche Komponenten manchmal ausgeprägter vorhanden als in einem anderen Jahr. Deswegen gibt es in der Literatur auch Schwankungsbreiten, die erlaubt sind. Weichen sie sehr stark ab, so ist es ein Indikator, dass das Öl verändert wurde oder möglicherweise künstlich erzeugt wurde. Da manche Öle sehr teuer sind (wir sprechen hier von Preisen um 10.000 Euro), gibt es natürlich einen Markt für Fälschungen. Ich gebe ätherischen Ölen insgesamt den Vorzug, da sie für die Haut positive Wirkungen haben.

Ätherische Öle sind ja natürlich – und alles, was natürlich ist, ist gut. Zumindest denkt man das oft. Stimmt das bzw. wie ist deine Erfahrung?

Dr. Theresa Friedrich: Ich habe eine abweichende Meinung. Ich bin ein großer Fan von ätherischen Ölen, da sie wundervolle Wirkungen haben für sehr viele Bereiche. Was ich aber sehr kritisch sehe, ist ihre, gerade auch auf den sozialen Medien durch einige Firmen, propagierte harmlose Wirkung. Dem möchte ich sehr entschieden entgehen treten. Es ist sehr wichtig, zu wissen, welche Öle in welchen Bereichen in welchen Konzentrationen verwendet werden können. Gerade bei Babys und Kleinkindern gibt es Öle, die zu einer Atemdepression führen können und auch bei älteren Leuten, Schwangeren und Stillenden ist nicht jedes Öl geeignet. Mich stört besonders, die von manchen Firmen praktizierte Aussage, dass ihre Öle vollkommen harmlos sind und daher verzichten sie auf jede gesetzliche Kennzeichnung. Das ist einfach nur fahrlässig und nicht korrekt, da jedes Öl gleich eingestuft werden muss, egal welche Firma es produziert. Insgesamt sollte man wissen, dass ätherische Öle reizend, hautreizend, photosensibilisierend und sensibilisierend sein können!

Natürliche Öle – wie gut sind sie für uns wirklich?

Welche ätherischen Öle könnten sogar in kleinen Mengen gefährlich sein?

Dr. Theresa Friedrich: Hier kommt es sehr stark auf die Personengruppe an, bei der das Öl angewendet wird. Wintergrünöl ist so ein Beispiel. Es hat eine sehr gute schmerzlindernde Wirkung aufgrund seiner Inhaltsstoffe, dennoch würde ich nicht empfehlen, das Öl ohne Ausbildung anzuwenden. Bei diesem Öl hat es auch schon Nebenwirkungen gegeben, da es Saliclysäuremethylester enthält. Stark mentholhaltige Öle sind für Babys und Kleinkinder ungeeignet. Ätherische Öle mit hohem Ketongehalt z. B. Beifuß, Schopflavendel, Thuja und Ysop sollten gar nicht verwendet werden und sind daher auch in machen Shops nicht erhältlich. Für Ysop gibt es eine Beschränkung für die Verwendung bei kosmetischen Mitteln. Dies wird bei der Erstellung der Produktinformationsdatei berücksichtigt.

Wie kann ich mir sicher sein, dass mein Pflegeprodukt, das gut riecht, auch für den Körper gut ist? Gibt es etwas, auf was ich achten sollte?

Dr. Theresa Friedrich: Das ist leider sehr schwer zu erkennen, da oft als Inhaltsstoff nur „Parfum“ angegeben wird und somit nicht beurteilt werden kann, was verwendet wurde. Wichtig zu wissen ist, dass das kosmetische Mittel vor dem Verkauf durch einen sogenannten „Sicherheitsbewerter“ beurteilt werden muss und dieser hat die Aufgabe zu beurteilen, ob alle Richtlinien eingehalten werden. In der EU gibt es die Pflicht, Allergene (26) auf der Verpackung auszuweisen – bei Produkten, die auf der Haut verbleiben („Leave On“-Produkte) ab einem Gehalt von 0,001 Prozent, und für jene, die wieder abgewaschen werden („Rinse Off“-Produkte) ab 0,01 % Prozent. Sicherheitsbewerter müssen auch beurteilen, ob das ätherische Öl in dieser Konzentration verwendet werden darf. Also kann man beim Kauf schon sehr sicher sein, dass das Kosmetikum sicher ist. Unberührt davon bleibt, dass es individuelle Allergien gibt, die auch nicht durch die 26 Allergene abgedeckt sein können.

Ein paar wichtige Punkte, die ich noch mitgeben möchte:

  • Ätherische Öle nie unverdünnt verwenden!
  • Ätherische Öle nicht ohne Ausbildung innerlich anwenden!
  • Bei ätherischen Ölen auf Qualität und seriöse Firmen setzen!
  • Vorsicht bei ätherischen Ölen bei Kindern unter 2 Jahren!
  • Nicht bei Schwangeren, Babys, Kleinkindern und Schwerkranken ohne Ausbildung anwenden!

Ich bedanke mich bei Dr. Theresa Friedrich für diesen spannenden Einblick in die Welt der ätherischen Öle und dessen Einsatz in Kosmetik. Ich habe einiges für mich mitnehmen können und hoffe sehr, dass dir das Interview ebenfalls gefallen hat. Bis bald, deine Lisa.

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Dieser Beitrag wurde von Lisa Albrecht am 1. Juni 2019 veröffentlicht.

Elli 2.6.2019 um 15:19
Guter Bericht. Ich bin froh, dass die ätherischen Öle nicht gleich verteufelt werden und alles korrekt aufgeführt wird. Keine Panikmache. Allerdings sehe ich den Kommentar über Wintergrün anders. Es gibt nämlich einen großen Unterschied zwischen natürlichen Salycylaten und künstlichen. Weiterlesen Das wurde in Studien bewiesen. Ich bin übrigens ausgebildete Aromaexpertin und ärgere mich über eine amerikanische Firma,die ihre Kunden dazu aufruft, ihre ätherischen Öle konzentriert anzuwenden, auch Öle, die sehr hautreizend sind. Sie nennen sie dann heiße Öle. Ausserdem kennt diese Firma keine Deklaration. Hier sollte man den Verbraucher vor dieser Firma warnen.
Lisa von ich lebe grün! 6.6.2019 um 10:43
Hallo Elli,
dankeschön! Und danke für den Hinweis mit dem Wintergrün - da fehlt mir persönlich leider das Wissen. Der Beitrag sollte auch auf die Gefahren hinweisen, da sonst Menschen ätherische Öle pur bzw. konzentriert direkt anwenden könnten, weil - wie du sagst - die Hinweise fehlen. Weiterlesen
Liebe Grüße,
Lisa