Intervallfasten FAQ: Interview mit Dr. med. Petra Bracht

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Meine vier Intervallfasten-Wochen sind zu Ende. Wow, die Zeit ist schneller vorbei gegangen, als ich gedacht habe. Ich bin sehr froh, dass ich mich auf diese Challenge eingelassen habe. Ich habe sehr viel gelernt und meinen Körper neu entdeckt. Ich bin bewusster geworden und esse jetzt ganz anders als noch vor vier Wochen. Ganz kurz, wie es funktioniert: Ich habe an jedem Tag 16 Stunden lang gefastet, im Zeitfenster von 8 Stunden habe ich gegessen. In der Regel waren es drei leckere, rohkostbetonte und vegane Mahlzeiten. Getrunken habe ich hauptsächlich gefiltertes Wasser, manchmal zusätzlich Infused Water oder Kräuter-Tee. Ich hatte die Gelegenheit, Frau Dr. med. Petra Bracht persönlich zum Intervallfasten zu befragen. Denn wenn man sich in die Thematik einarbeitet, tauchen doch einige Fragen auf. Ich hoffe sehr, dass euch das Interview inspiriert, auch das Intervallfasten auszuprobieren.

Liebe Petra, du machst selbst Intervallfasten seit über 30 Jahren. Erinnerst du dich, welche Vorteile du persönlich bei dir gespürt hast, als du damit angefangen hast?

Dr. med. Petra Bracht: Zuerst einmal gab es diesen Namen Intervallfasten damals noch gar nicht. Das kam aus dem Bereich der Fit fürs Leben Bewegung zustande. Schon damals haben die gesagt, dass es wichtig ist, 16 Stunden am Tag nichts zu essen, um die Ausscheidung und Ausleitung des Körpers nicht zu unterbrechen. Es ist zum Beispiel am Besten, von 12 bis 20 Uhr zu essen. Mir hat dieses Konzept unglaublich eingeleuchtet und ich habe es umgesetzt. Dabei habe ich für mich selbst sehr viel erfahren. Übrigens, mein Mann Roland hat auch mitgemacht und es war sensationell. Ich selbst habe einige Kilos verloren (nicht, dass ich besonders kräftig war), aber ohne dass ich etwas zusätzlich tun musste. Ich habe mich unglaublich gut und leistungsfähig gefühlt, was ich vorher nicht hatte. Ich dachte, vielleicht muss ich doch ein bisschen mehr essen, um mehr Leistung zu erbringen. Ich war nie jemand, der gerne Frühstücken mochte, und wenn ich dann doch gefrühstückt habe, weil ich dachte, es ist vielleicht wichtig, dann war ich danach müde und träge. Das war damals schon weg. Was ich auch gemerkt habe: Dass ich viel stabiler war, was leichte Erkältungskrankheiten anbelangt, die ersten zwei-drei Jahre hatte ich überhaupt nichts mehr gemerkt. Bei Roland - er ist ja so ein Sportfreak gewesen - er hatte Kampfkunstschulen und hat sich sehr viel bewegt, er hatte genauso wie ich auf pflanzliche Ernährung umgestellt und auch diese 16 Stunden eingehalten. Was er immer gesagt hat und was ihn so fasziniert hat, dass er plötzlich mehr Kraft hatte, obwohl er zuerst auch etwas an Gewicht verloren hatte. Er war ebenso sehr leistungsfähig. Deswegen sind wir auch dabei geblieben.

Was hast du bei deinen Patienten gemerkt?

Dr. med. Petra Bracht: Das ist wirklich großartig. Ich war am Anfang immer vorsichtig und habe ihnen die Entscheidung offen gelassen - sie könnten das Intervallfasten ja einfach mal ausprobieren. Und es war so spannend! Die Patienten, die mitgemacht haben, bei denen habe ich immer wieder das Gleiche festgestellt. Gerade bei den Allergikern, Neurodermitikern, auch bei denen, die Bluthochdruck hatten - ich hatte zuerst mit leichteren Erkrankungen angefangen - da hat sich das Blatt einfach gewendet. Bei den Allergien ist es viel besser geworden. Ach, im Übrigen, bei mir auch! Ich hatte früher so eine heftige Heuschnupfengeschichte, die ist einfach so viel weniger geworden, Jahr für Jahr. Das habe ich bei meinen Patienten auch festgestellt. Natürlich, was genial war: Patienten, die über Verstopfung geklagt haben, und das sind richtig viele, ist die Verstopfung weggegangen. Dann habe ich mich immer mehr an andere Erkrankungen getraut - Asthma, Bronchiale Colitis, Morbus Crohn, chronische Darmentzündungen - die Ergebnisse waren alle wie ständig fallende Geschenke vom Himmel, weil es den Leuten viel besser ging. Das hat mich natürlich getragen und sehr sicher gemacht, ich wurde dann natürlich auch was Krankheiten anbelangt, immer mutiger und habe dann auch mit ganz anderen Diagnosen gearbeitet. Ich kann einfach nur sagen: Es ist in sehr vielen Fällen eine Besserung eingetreten. Und bei ganz vielen Patienten, die das wirklich durchgezogen haben, die haben den Weg gestartet in Richtung Heilung.

Interview: Intervallfasten nach Dr. med. Petra Bracht

Kann jeder sofort mit Intervallfasten beginnen oder gibt es Situationen, die besonders sind und man auf bestimmte Dinge achten sollte?

Dr. med. Petra Bracht: Im Prinzip ja, allerdings - Achtung bei Anorexiepatienten - weil sie solche Formen auch dafür benutzen könnten, um ein Deckmäntelchen für ihre Magersucht zu haben. Hier muss sehr aufgepasst werden, an dieser Stelle würde ich eine Einschränkung machen. Bei Schwangeren und Stillenden: Wenn sie vorher schon mit Intervallfasten angefangen haben, können sie genauso weiter machen. Das ist das Beste was sie tun können. Im Übrigen, diejenigen, die vorher schon sehr gesund gelebt haben, sprich vollwertig pflanzen-basiert mit einem hohen Rohkostanteil, die können sowohl während der Schwangerschaft als auch während der Stillzeit mit Intervallfasten anfangen. Das geht auf jeden Fall gut. Allerdings diejenigen, die ganz normal gegessen haben, und von heute auf morgen dann umschalten wollen, die sollten besser in der Schwangerschaft und in der Stillzeit auf das Intervallfasten verzichten. Was sie aber tun könnten: So langsam aber sicher viel bewusster zu leben, dann vielleicht nicht mehr die Zwischenmahlzeiten zu essen - das wäre ein Anfang.

In deinem aktuellen Video zum Thema Frühstück hast du eine ganz klare Meinung. Magst du mir kurz erklären, warum man lieber nicht frühstücken sollte?

Dr. med. Petra Bracht: Das Thema ist sehr umfassend, aber die Erklärung ist ganz einfach. Man lernt (auch ich damals als Kind und junge Frau), dass das Frühstück doch so wichtig ist. Aber das ist absoluter Unsinn! Wir wissen heute, dass es möglicherweise sogar sein kann, dass gerade das viele Frühstücken am Morgen dazu beiträgt, einen Diabetes Mellitus Typ 2 zu bekommen. Was ich selbst beobachte und was mir meine Patienten sagen, ist, dass sie unglaublich froh sind, dass sie sich nichts mehr morgens reinzwängen müssen. Sie können einfach dann essen, wenn sie Hunger bekommen. Das ist meist gegen 12-13 Uhr der Fall. Dann essen sie zum ersten Mal. Immer wieder wird mir gesagt, dass sie sich dann viel klarer im Kopf fühlen und leistungsfähiger sind. Je nach dem, was man dann Mittags isst, hat man nicht diese "Schwere" im Körper, das kennen ja viele Menschen. Mir ist bewusst, dass das ein Thema ist, mit dem man sehr sensibel umgehen muss, weil sehr viele Menschen daran extrem festhalten. Viele haben das so gelernt und ich kann nur vorschlagen, das einfach für z.B. zwei Wochen auszuprobieren. Bei meinen Patienten ist es so: Ca. 30% sagen, dass sie ohne Frühstück nicht in den Tag starten können. Ich sage ihnen dann: "Wissen Sie, ich kann Ihnen das alles erzählen, aber spüren müssen Sie selbst." Ich denke, probieren geht über studieren.

Wenn man die erste Mahlzeit um ca. 12 Uhr zu sich nimmt, wie könnte sie ausfallen? Ich frage deshalb, weil bei vielen Menschen um diese Zeit ein Mittagessen (auf der Arbeit, zu Hause mit den Kindern, etc.) ansteht und sie aber noch gar nicht “gefrühstückt” haben.

Dr. med. Petra Bracht: Wir haben in unserem Interfallfasten-Programm für die erste Mahlzeit schon eher ein typisches Frühstücksessen genommen, damit Menschen weiterhin ihre grüne Smoothie-Bowl oder Overnight-Oats mit Früchten haben können. Wenn man aber um 12 Uhr mit Kollegen Mittagessen möchte - das macht überhaupt nichts - man muss flexibel bleiben! Das ist absolut in Ordnung. Freiheiten im Leben sind wichtig und mit Freiheiten kann man das Leben auch richtig genießen. Man muss ausprobieren! Man isst einfach das, worauf man gegen 12 Uhr Lust hat oder was bei einer Einladung zum Essen auf dem Tisch steht.

Genießt man die Vorteile des Intervallfastens, wenn man sich einen Tag mal nicht an die Regel 16/8 gehalten hat?

Dr. med. Petra Bracht: Natürlich genießt man die Vorteile vom Intervallfasten, wenn man 1-2 Tage nicht durchhält! Wenn man vielleicht nicht nur rein vegan isst, dann genießt man auch die Vorteile des Intervallfastens. Natürlich ist es besser, die 100% des Intervallfastens zu erreichen, aber ich bin so stolz, wenn z.B. meine Patienten ab und an 80% erreichen, die vorher bei gefühlten 10% waren. Je mehr eingehalten werden kann, umso besser ist es für den Körper und für denjenigen, der das durchführt. Es tut übrigens nicht nur dem Körper gut, sondern auch unserer Seele.

Wenn man morgens - während man Intervallfasten macht - z.B. zusammen mit dem Trinken auch Supplements nimmt wie Vitamin D oder B12, unterbricht man damit nicht die Ausscheidungsphase?

Dr. med. Petra Bracht: Nahrungsergänzungsmittel könnten in der Regel immer während des Essens eingenommen werden. Die morgendliche Einnahme verschiebt sich dann auf mittags und die zweite auf das Abendessen (in der Regel muss man ja zwei Mal täglich etwas einnehmen). Und die Menschen, die z.B. Medikamente einnehmen müssen (und wenn sie sie nüchtern einnehmen müssen), denen empfehle ich, sie vor der ersten Mahlzeit am Mittag einzunehmen. Das geht richtig gut.

Intervallfasten in Kombination mit veganer Ernährung

Das Gleiche würde mich bei Getränken interessieren. Einige möchten gerne morgens warmes Wasser mit Zitrone oder Apfelessig mit Zimt, Ingwer, Kurkuma etc. zur Stärkung des Immunsystems trinken. Was ist erlaubt?

Dr. med. Petra Bracht: Ganz klar. Alle Getränke, die keine Kalorien haben, kann man zu sich nehmen. Zitrone zum Beispiel enthält pro 100g - 3g Zucker. Wir wissen noch nicht genau, ab welcher Menge an Kalorien tatsächlich der Reparaturprozess im Körper unterbrochen wird. Um sicher zu sein, dass er weiter läuft, würde ich morgens absolut nur kalorienfreie Getränke zu mir nehmen.

Darf man beim Intervallfasten denn auch ganz früh am Morgen frühstücken? Kann man die Zeiten individuell gestalten?

Dr. med. Petra Bracht: Natürlich. Gerade die Menschen, die in Schichten arbeiten, oder ganz früh raus müssen, für die ist das ja eine Qual, tatsächlich bis 12 Uhr zu warten, wenn sie schon um 4 Uhr aufstehen müssen. Sie können einfach früher anfangen, zum Beispiel um 8-9 Uhr mit dem Frühstück und hören dann dem entsprechend früher am Nachmittag mit dem Essen auf. Dann hat man auch seine 16 Stunden und es geht total gut. Die Zeiten sind anpassbar und variabel.

Warum gibt es in deinem Buch zum Intervallfasten ein extra entwickeltes, zusätzliches Übungsprogramm?

Dr. med. Petra Bracht: Es ist immer so gewesen, auch in der ganzen Zeit unserer Evolution, dass wir uns bewegt haben. Natürlich müssen wir uns auch im heutigen Alltag bewegen, damit das ganze Programm auch dort wirken kann, wo unser Körper ist. Wenn man weiß, dass wir uns heute leider so wenig bewegen, das wir maximal 10% unserer gesamten Bewegungsmöglichkeiten pro Tag absolvieren, dann ist es klar, warum es wichtig ist, dass wir so ein Fasten-Turbo-Übungsprogramm mit eingebaut haben. Wir wollen, dass zum einen Menschen sich spüren lernen, dass sie wirklich in die verborgensten Winkel und Ecken kommen, und das ist nochmal ganz spannend, weil nur dann, wenn du das tust, ist dein Körper in der Lage, die sog. Myokine zu produzieren, das sind anti-entzündliche Botenstoffe (das ist ein ganz spannendes Thema, das im Moment erforscht wird). Das passiert, wenn man sich in Bewegung befindet, und besonders dann, wenn man in Ecken und Kanten kommt, also in Winkeln von der Bewegung her, die man vorher nicht kannte. Das ist ein anti-entzündliches Programm zusätzlich, aber zum anderen möchten wir auch, dass Fette noch mehr verbrannt werden und dass der Reparaturmechanismus tatsächlich greift und dort repariert wird, wo kleine Unfälle im Körper bereits vorhanden sind. Und das funktioniert nur dann, wenn diese ganzen Informationen dort hinkommen. Das spannende dabei ist: Man baut keine Muskeln ab, sondern man baut sich einen noch schöneren Körper auf.

Liebe Petra, ich danke dir für deine Zeit und die ausführlichen Antworten auf meine Fragen.

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Dieser Beitrag wurde von Lisa Albrecht am 12. März 2018 veröffentlicht.

moppel61 01.6.2018 um 11:45
ich mache das Intervallfasten seit 3 Monaten und habe kein Gramm abgenommen,,, jetzt weis ich warum:) ab morgen lasse ich die Milch aus dem Kaffee.. man lernt immer wieder dazu, soll ich meine Medikamente ( Blutdruck + Schilddrüse ) auch erst mittags nehmen?
Antworten
Lisa von ich lebe grün! 03.6.2018 um 12:53
Hi Moppel61,
schön, dass du eine Lösung gefunden hast! Damit du dir ganz sicher bist, ob du deine Medikamente vor deiner ersten Mahlzeit einnehmen darfst - z.B. gegen 11-12 Uhr, frage bei deinem Hausarzt nach. Er wird dir sagen können, ob das in Ordnung ist.
Liebe Grüße,
Lisa
Antworten
Tauberella 17.3.2018 um 11:47
Der Bericht hört sich vielversprechend an. Habe schon davon gehört, aber noch nicht probiere. Ich probier mein Glück, drum spiel ich einfach mit.
Antworten
Heike Bergsiek 17.3.2018 um 11:29
Ja, schon ganz viel über Interwallfasten gelesen .
Ein für mich sehr spannendes
Thema, wo ich auf jedenfall denke da brauche ich wirklich noch ganz viel Infos!
Finde Dr Petra Bracht als sehr komptent, intressante Frau .
Mein Gedanke diese tolle Buch , so brannt neu in meinen Händen halten zu können finde ich sehr gut .Deshalb wäre dieses Buch sehr gut bei mir aufgehoben und würde für mich und meinem Umfeld eine sehr große Bereicherung sein! Heike
Antworten
Chrissy Schiefer 17.3.2018 um 10:30
Ich lebe seit über einem Jahr Paleo und da ist intermittierendes Fasten ja auch ein großes Thema. Über ein qualifieziertes Buch würde ich mich sehr freuen.
Antworten
Juliane Reichrath 15.3.2018 um 12:28
Hallo,
ich würde gerne gewinnen, weil dich Frau Dr. Bracht für sehr kompetent halte und gehört habe (in einem Interview mit Dr. Dahlke), dass Intervallfasten auch dem Immunsystem hilft und man seltener krank werden sollte. Das wäre großartig!
Antworten
Nati 14.3.2018 um 10:10
Da ich morgen schon gegen 7 Uhr im Büro bin - frühstücke ich gegen 9. Wie schafft man das bis 12 Uhr nichts zu essen? Mein Magen würde rebellieren.
Antworten
Anne 13.3.2018 um 18:35
Oh ja!!! Endlich mal jemand der nicht immer mit dem "Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages" Zeug kommt. Mir geht es ohne Frühstück so viel besser. Vorallem halte ich dann mein Gewicht besser, weil ich nicht den ganzen Tag von Heißhunger geplagt bin. Klar esse ich Frühstück wenn ich wirklich Hunger habe, aber das ist selten. Somit danke für das Interview und das Buch kommt auf meine Wunschliste. Sind sicherlich noch einge andere gute Hinweise enthalten.
Antworten
Kerstin 12.3.2018 um 15:17
Toller Artikel ???? ich weiß schon gar nicht mehr wie oft ich mich rechtfertigen musste, wenn ich erwähnte das ich mich ohne Frühstück wohler fühle und mit müde und richtig faul. Intervallfasten habe ich noch nicht bewusst versucht, passt aber zu meiner Wahrnehmung und ist für mich einen Versuch wert
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Lisa Albrecht

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