Minimalismus, Selbstversorgung, Ausmisten - Antworten auf Leserfragen

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Ich kommuniziere intensiv mit meinen Lesern per Email. Deshalb hatte ich die Idee, allgemeine Fragen, die mir gestellt werden, auf dem Blog zu veröffentlichen, damit auch andere Leser möglicherweise für sich etwas daraus mitnehmen können. Heute ist es soweit und ich lege mit den ersten Fragen los.

Minimalismus, Selbstversorgung und Ausmisten - Leserfragen

Was ist für Dich Minimalismus, knausern/Frugalismus und einfach-leben? Wo sind ggf. Schnittmengen, wo die Unterschiede für Dich?

Lisa: Spontan kommt mir dazu ein anderer Vergleich. Wer vegan lebt, lebt nicht automatisch gesund. Vegan lässt sich auch nur mit Pommes, Cola und Pudding auf Sojamilchbasis leben. Aber vegan ist ja viel mehr. Eine vegane Lebensweise kann sehr viele Aspekte beinhalten. Das gleiche gilt auch für Minimalismus, Frugalismus und einfach-leben. Wobei ich nicht ganz verstehe, was mit dem Ausdruck "einfach-leben" gemeint ist. Einfach nur leben, ohne sich Gedanken zu machen? Oder möglichst einfach leben? Minimalismus kann sehr teuer sein, wenn man nur auf sehr besondere und super hochwertige oder teure Einzelstücke Wert legt. Lieber nur eine Regenjacke, dafür eine sehr hochwertige, fair hergestellte und langlebige. Diese ist sicher teuer. Natürlich kann man auch minimalistisch günstig und zugleich einfach leben. Diese drei Begriffe, können durchaus viele Gemeinsamkeit haben, aber das ist sicher je nach Individuum unterschiedlich. Ich sehe das so: Mich macht es glücklich, einfach zu leben. Also das Leben möchst einfach zu gestalten, Ballast abzuwerfen und auch auf gute, bewährte Lösungen zu setzen. Gleichzeitig merke ich, dass Minimalismus sehr viel dazu beiträgt, einfach zu leben. Trotzdem legen wir viel Wert auf hochwertige Dinge, die lange halten. Der Aspekt der Nachhaltigkeit spielt hier eine große Rolle. Das, was teuer ist, muss nicht unbedingt auch nachhaltig sein. Es gilt also die Kombination zu finden aus Nachhaltigkeit, Einfachheit und Funktionalität. Ganz wichtig ist mir noch der flexible Umgang mit diesen Themen. Ich entscheide gerne bei jedem Problem individuell und schaue, was am besten passt. Dogmatismus oder sogar Zwänge finde ich hier falsch, sie tun nicht gut und sorgen eher dafür, dass man an manchen Stellen gegen die Wand fährt.

Minimalismus, Selbstversorgung und Ausmisten - Leserfragen

Thema Urlaub: Wie definierst Du denn minimalistischen Urlaub? Ist das nur das puristische Wandern oder Pilgern per Fuss oder Rad? Oder könnte das auch (überspitzt) die Reise mit dem Cabrio durch Südfrankreich mit leichtem Gepäck und Checkkarte sein? Ich bin mir unsicher, ob ein minimalistischer Urlaub auch "teuer" sein darf? Ist das finanzielle hier mit dem minimalistischen verknüpft...?

Lisa: Hier lese ich das Wörtchen "darf" heraus. Was man darf und was man nicht darf, hängt doch von der persönlichen Einstellung zusammen. Ich habe mich auch zwischendurch gefragt, ob ich denn meinen Führerschein machen darf (ich stehe kurz vor der Führerschein-Fahrprüfung). Autofahren zu lernen und dabei irgendwie "sinnlos bzw. ohne Ziel" in der Gegend herumzufahren - okay, ich lerne, aber trotzdem - ist alles andere als nachhaltig. Das ruft ein ungutes Gefühl in mir hervor. Gleichzeitig darf ich das - und ich weiß, dass ich mit dem Erwerb des Führerscheins keinen Freifahrtschein in die Hände bekomme, das Auto für jeden noch so kleinen Grund nutzen zu müssen. Ich will diese Möglichkeit grundsätzlich haben und somit habe ich die Entscheidung, Auto zu fahren, mit JA beantwortet. Wenn man jedes Wochenende mit einem Cabrio durch Südfrankreich düst, könnte man sich schon fragen, ob das wirklich sein muss. Macht man das nur einmal im Jahr oder seltener, ist das aus der Sicht der Nachhaltigkeit anders. Es ist alles die Frage der Sichtweise - von welcher Seite möchte man die Sache beleuchten. Wir bevorzugen Urlaube, die einen möglichst kleinen Fußabdruck hinterlassen. Sicher, das Wandern mit leichtem Gepäck ist in dieser Hinsicht eine tolle Sache. Auch gegen eine seltene Spritzfahrt spricht nichts. Dagegen sehe ich persönlich minimalistische - aber umweltbelastende - Urlaube mit Flugzeug mehrmals im Jahr sehr kritisch.

Minimalismus, Selbstversorgung und Ausmisten - Leserfragen

Thema Selbstversorung: Das passt für mich in die Rubrik "einfach-leben", autark. Landleben. Aber auch urban gardening Projekte....das ist zwar alles sauviel Arbeit, man braucht viele Dinge - aber ist das Minimalismus? Bzw. siehst Du eine Schnittmenge?

Lisa: Das stimmt, wenn man sich selbst versorgt, braucht man viele Dinge vor Ort, die man dafür verwendet. Aber: Immer mehr merke ich, dass vieles unnötig ist oder anders umgesetzt werden kann. Es ist also eine Sache der Organisation oder auch der Anbaumöglichkeiten oder der Technik. Auch, was man später mit seiner Ernte macht. Ich habe im Keller so einige Gartengeräte stehen. Interessant ist, dass ich meistens nur ein einziges täglich verwende. Klar, einige Sachen sind essentiell und lassen sich nicht so schnell austauschen. Aber die Selbstversorgung ist doch relativ überschaubar.

Minimalismus, Selbstversorgung und Ausmisten - Leserfragen

Thema Ausmisten: Hier habe ich ein echtes Problem - vielleicht weisst Du Rat?

Das Problem: "Im neuen Jahr steht bei mir mal wieder eine große Ausmistaktion an. Das gestaltet sich schwierig. Ich bin ja mittlerweile ein großer Minimalismus Fan...aber oft bricht bei mir der Knauserer wieder durch. Z.B. so Ansätze wie "...alles unter einem Wert von 10€ wird verschenkt oder weggeworfen." Damit habe ich echt Probleme. Ich habe mich schon dabei ertappt, wie ich Gegenstände repariert habe (also nocheinmal Geld investiert habe) um einen höheren Verkaufspreis zu erzielen bzw. überhaupt verkaufen oder verschenken zu können. Mir tut das Wegschmeißen von guten Sachen einfach zu weh."

Minimalismus, Selbstversorgung und Ausmisten - Leserfragen

Lisa: Ich kenne das Problem nur zu gut. Auch mir fällt das Wegschmeißen sehr schwer. Auch wir versuchen, alles zu reparieren. Ich habe neulich wieder Socken gestopft, zum Glück gibt es sehr nützliche Videos dazu, wie man das gut und ansehnlich macht. Früher hätte ich solche Socken einfach weggeworfen. Aktuell machen wir es so: Alles, was länger nicht verwendet wurde und noch gut ist, kommt in einen Karton. Ich schreibe ein Datum auf den Karton. Wenn diese Dinge also länger so stehen und ich gar nicht mehr genau weiß, was drin ist, wird der Karton inklusive Inhalt verschenkt. Ich habe gemerkt, dass der Verkauf nur bei wirklich größeren (teuereren) Dingen Sinn macht. Es gibt zwar das Sprichwort "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Groschen nicht Wert", aber meine Zeit ist mir ebenfalls viel Wert. Dieses hin- und her sortieren der alten Sachen kostet viel Zeit und wühlt mich auf. Außerdem macht das Schenken glücklich. Neulich kam ein älterer Mann zu uns und hat alte Deckenlampen abgeholt. Er war sehr glücklich, dass wir sie einfach verschenkt haben. Er konnte mit ein bisschen Geschick seine neue Wohnung mit Licht versorgen. Ich hätte die Lampen sicher für 10 Euro verkaufen können, aber so wurde ich sie schnell los, hatte keinen Aufwand mit dem Versand und machte einen Menschen glücklich. So machen sich die angeblich verlorenen 10 Euro doch wieder wett. Findest du nicht?

Hast du ebenfalls Fragen? Dann zögere nicht und stelle sie mir einfach per Email. Ich freue mich! Um keine neuen Beiträge zu verpassen, abonniere einfach unseren kostenlosen Newsletter. Hab noch eine schöne Zeit und bis bald, Lisa.

Beitrag von Lisa Albrecht am 21. März 2021 veröffentlicht.

Tipp
Nachhaltige
Lösungen für deinen Alltag!
✔ Kostenloser Newsletter max. 1x pro Woche.
✔ Jederzeit abbestellbar über einen Link.
✔ Ich habe die Hinweise zum Datenschutz zur Kenntnis genommen und stimme ihnen zu.
Newsletter abonnieren