Food-Minimalismus in der aufgeräumten Küche

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Immer wieder stelle ich fest - weniger ist wirklich mehr. Wenn ich mir unsere alten Familien-Videos anschaue, fällt mir auf, wie anders doch unser Konsumverhalten war. Wir haben uns deutlich weniger Gedanken über die Qualität der Nahrungsmittel und dessen Herkunft gemacht. Wir haben auch ganz anders gegessen. Unsere Küche war voll mit diversen Geräten und gefühlt tausend Gegenständen. Unser Alltag heute sieht ganz anders aus.

Minimalismus beim Essen

Minimalistisch bzw. bewusst beim Essen

Über die Jahre beschäftigten wir uns immer mehr mit dem Thema Minimalismus. Auch in die Küche schlichen sich automatisch verschiedene Impulse mit ein, die wir nach und nach umsetzten. Einfach aus dem Bauch heraus. Es ist spannend zu beobachten, wie schnell man sich an etwas gewöhnt, das vor einigen Wochen noch undenkbar war.

Minimalismus beim Essen

Weniger exotisches, mehr regionales

Zum Beispiel kaufen wir schon seit sehr vielen Monaten keine Bananen mehr. Vielleicht gab es die eine oder andere Ausnahme, aber die meiste Zeit sind wir "bananenfrei". Früher völlig undenkbar! Bananen gehörten schon fast zu meinen Grundnahrungsmitteln, ich habe sie regelmäßig gegessen. Wie du vielleicht weißt, bin ich in der Ukraine geboren und dort 11 Jahre aufgewachsen. Bananen gab es in meinem Heimatland meistens keine und ich habe auch nichts vermisst. Auch heute sind sie für mich wieder etwas ganz besonderes!

Eigener Garten mit frischem Gemüse

Wir bauen viel im Garten an und versuchen, möglichst regional und saisonal zu essen. Das klappt mal besser und mal weniger gut. Aber wir versuchen unser Bestes. Bananen kommen nun mal von ganz weit her und wir haben uns entschieden, sie nur ausnahmsweise zu kaufen. Die letzten Monate gab es bei uns auch kaum bis gar keine Nudeln. Hätte ich mir niemals vorstellen können - ich liebe Nudeln! Spaghetti, Spirelli, Farfalle... egal welche Form, ich bin dabei. Zum Glück gibt es sie ja auch in der glutenfreien Variante. Irgendwann - vielleicht hing das auch mit dem Corona-Anfang zusammen - hörten wir auf, Nudeln zu kaufen. Sie schmeckten uns nicht mehr. Sogar unsere Tochter wollte keine mehr. Und es geht aktuell sehr gut ohne! Wunderbar sogar. Eine Pause tut uns gut, so freuen wir uns später vielleicht wieder richtig auf ein Nudelgericht.

Minimalismus beim Essen

Verzicht ist oft ein Gewinn

Stattdessen essen wir viele andere Lebensmittel. Kartoffeln, Buchweizen, Hirse, Amaranth, Reis... Wusstest du, dass Amaranth früher auch in Deutschland angebaut wurde? Wir hatten sogar letztes Jahr mehrere schöne Amaranthpflanzen im Garten, die leider nicht mehr richtig reifen konnten. Reis wird auch in Italien angebaut, es gibt regionale Sorten. Wenn ich früher dachte, dass das Weglassen bestimmter Dinge ein Verzicht darstellt, ist es für mich heute ein Gewinn. Denn stattdessen kommt etwas anderes zu mir, das mich sehr bereichert.

Einfach und unkompliziert kochen

Ich koche sehr simpel und verwende gar nicht viele Gewürze. Wenn, dann sehr ausgewählte und sie sind wieder eine Besonderheit. Wir setzen auf natürliche Geschmacksgeber und da wir einfach essen, haben sich unsere Geschmacksknospen vermutlich verändert. Alles schmeckt intensiver. Haushaltszucker ist uns viel zu süß, Gemüsebrühe (als Pulver) viel zu stark und salzig (auch ohne Geschmacksverstärker). Wir würzen gerne mit Knoblauch und Zwiebeln, arbeiten mit viel Gemüse und kochen unsere Hülsenfrüchte immer selbst. Das Essen ist so viel natürlicher und frischer geworden. Brauche ich etwas Grün, gehe ich in den Garten und schaue, was gerade wächst. Auch jetzt haben wir noch Grün- und Palmkohl da. So lecker!

Minimalismus beim Essen

Regionale Superfoods

Chiasamen haben wir gegen Leinsamen ausgetauscht, wir essen auch viele Sonnenblumen- und Kürbiskerne. Unser Brot ist selbstgemacht, da ich glutenfreies Brot nur ungerne kaufe. Immer wieder pflücke ich frische Hagebutten, die man einfach naschen kann. Im Keller haben wir noch einen Vorrat an Äpfeln, großen Zucchinis und Kürbissen. Immer mehr stelle ich fest, dass ich nicht mehr nach Rezept kochen kann. Ich habe die benötigten Zutaten gar nicht mehr hier. Oft sind mir diese Zutaten zu exotisch, zu weit weg. Aber nicht alles ist bei uns regional und saisonal. Ein paar Dinge sind nach wie vor in Benutzung, obwohl sie nicht von hier sind. Erst heute wieder habe ich Kurkumapulver gekauft, ebenso Zimtpulver und ein Gläschen Sesammus. Wir verwenden auch Kakao. Aber mein Blick auf diese Lebensmittel hat sich verändert. Ich konsumiere viel bewusster und das tut gut.

Minimalismus beim Essen

Keine Staubfänger in der Küche

Unsere Küche ist viel minimalistischer geworden. Wir haben nur das, was wir täglich nutzen und würden plötzlich Gäste vor der Tür stehen, hätte ich tatsächlich nicht genug Teller oder Tassen da. Ich müsste sie wieder aus dem Keller holen. Bei unserer Ausmistaktion habe ich nur die Gegenstände da gelassen, die wir mögen und wirklich verwenden. Es gibt deutlich weniger Chaos und macht alles irgendwie einfacher. Das Gleiche ist mit dem Essen passiert, ganz automatisch und schleichend. Wir essen einfach das, was da ist. Wir kochen nach Gefühl, essen immer sehr frisch und investieren Zeit in unser Essen. Die Auswahl an Lebensmitteln ist vielleicht ein bisschen kleiner geworden, aber dadurch schätzt man die besonderen Dinge eben mehr. Dieses "Weniger" fühlt sich gerade wirklich nach "Mehr" an. Gibt es Lebensmittel, die du nicht mehr kaufst und auch nicht mehr vermisst? Ich würde mich auch freuen, wenn du meinen Newsletter abonnierst - er ist kostenlos und versorgt dich regelmäßig mit neuen Beiträgen direkt aus dem Blog. Hast du Fragen? Schreib mir doch einfach eine Email. Bis bald, deine Lisa.

Beitrag von Lisa Albrecht am 22. Januar 2021 veröffentlicht.