Wurzelentzündung und toter Zahn: Alternative Rettung vor dem Zahn-Ziehen

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Der Zahnschmerz ist unerträglich. Ich finde keine Ruhe. Vielleicht hilft ja irgendwas kaltes. Ich nehme einen Schluck Wasser in den Mund und spüre, wie der Schmerz ein wenig nachlässt. Als sich das Wasser erwärmt, kommt auch der Schmerz wieder. Zum Glück hat der Zahnarzt in einer halben Stunde Zeit, sich die Sache anzuschauen.

Wurzelbehandlung mit Depotphorese - Implantat Alternative

Gefühlt zwei Stunden später: Ich habe einen wurzelbehandelten Zahn. Eigentlich war er ganz in Ordnung, total unauffällig. Warum er sich jetzt plötzlich entzündet hat, konnte mein Zahnarzt mir nicht erklären. Der Schmerz ist zum Glück weg und ich kann wieder klar denken. Genau drei Wochen später wache ich nachts auf und spüre einen pochenden Schmerz wieder an der gleichen Stelle. Das ist eindeutig mein wurzelbehandelter Zahn. Ist das möglich? Ist er nicht schon längst tot? Kann er noch wehtun? Ziemlich bald sitze ich wieder beim Zahnarzt und er rät mir, eine Wurzelspitzenresektion durchführen zu lassen. Das macht er jedoch nicht selbst, sondern übernimmt ein Kollege. "Eine Wurzelspitzenresektion?" ich verstehe nicht ganz. Er erklärt: "Bei der Wurzelspitzenresektion wird die Spitze einer Zahnwurzel entfernt, so kann möglicherweise das Ziehen des Zahnes verhindert werden." Ich verstehe. Das ist also die letzte Chance, meinen Zahn zu retten.

Wurzelbehandlung mit Depotphorese - Implantat Alternative

Termin beim Arzt: Wurzelspitzenresektion

Ich habe Glück im Unglück. Bis zum nächsten Termin bessert sich der Schmerz ein wenig, aber der Zahn macht sich trotzdem permanent bemerkbar. Auf der Seite kann ich kaum essen. Ich suche den Kollegen meines Zahnarztes auf, der übrigens bereits einen meiner Weißheitszähne gezogen hat. Wir kennen uns also - trotzdem würde ich lieber kehrt machen. Eine Wurzelspitzenresektion ist sein täglich Brot. Er schaut sich kurz die Sache an und klärt mich auf, dass eine Wurzelspitzenresektion keine Garantie dafür ist, dass der Zahn später auch wirklich Ruhe gibt. Das ist einfach so. Möglicherweise muss der Zahn trotzdem gezogen werden, dies würde er dann ebenfalls übernehmen. Und zum Glück gibt es ja heute Implantate. Er gibt mir einige Flyer mit, mit vielen glücklichen Menschen und wunderschönen Zähnen - natürlich mit einem Implantat. Alternativ kann ich auch eine Brücke bekommen, aber dann müssen die zwei gesunden Zähne links und rechts dran glauben. Klingt für mich natürlich nicht besonders prickelnd.

Was soll ich bloß mit meinem wurzelentzündeten Zahn tun?

Ich möchte mich auf keinen Fall sofort entscheiden. Ich verspreche, mich zu melden und einen Termin auszumachen. Ich gehe nach Hause und bin ziemlich bedrückt. Ich fand ja schon die Weißheitszahn-OP nicht schön. Alles hat zwar geklappt, aber eine Wurzelspitzenresektion klingt alles andere als verlockend. Und dann noch nicht mal eine Garantie? Es ist eine OP und wenn sie nicht klappt, sollte danach wieder eine OP gemacht werden. Und dann - wer hätte es gedacht - wieder eine! Um das Implantat zu setzen. Ich habe ein ganz blödes Bauchgefühl und traue der Sache nicht. Drei OPs, wenn alles schief läuft. Und dass alles klappt, ist wirklich nicht sicher. Nicht mal ansatzweise. Denn wenn ich richtig verstehe, entzünden sich gerne die seitlichen feinen Zahnwurzeln, die bei einer Wurzelbehandlung gar nicht erreicht werden können. Was bringt es dann, die Spitze des Zahnes zu entfernen? Hmmm.... es muss doch irgendwas geben, eine Alternative, die diese ganzen OPs ersetzt... Ich beginne zu suchen.

Wurzelbehandlung mit Depotphorese - Implantat Alternative

Depotphorese: Ist das eine Alternative zu einer Wurzelspitzenresektion?

Im Internet lese ich schließlich von einer Methode, wurzelbehandelte oder entzündete Zähne alternativ zu behandeln. Diese Methode heißt Depotphorese. Da bei mir die Entzündung an einem seitlichen Zahnwurzelkanal liegt, lässt sie sich kaum mit konventionellen Methoden erreichen. Bei der Depotphorese ist das anders. Mit antibakteriellem Kupferkalziumhydroxid und einem schwachen elektrischen Feld wird die Zahnwurzel behandelt. Der Stromfluss sorgt dafür, dass auch die Seitenärmchen der Wurzel erreicht werden. Entweder lege ich mich nun unters Messer, lasse den Zahn endgültig ruinieren und möglicherweise anschließend ziehen. Oder ich probiere zuerst die Depotphorese aus - wenn die nicht klappt, kann man ja immer noch unters Messer.

Die Suche nach einem Zahnarzt mit Depotphorese

Mein Zahnarzt kannte diese Methode nicht. Ich suchte also nach einem Zahnarzt in meiner Nähe, der mit Depotphorese bereits Erfahrungen hat. Hier ein Tipp: In größeren Städten wird man eher fündig. Die Behandlung (es sind mehrere Sitzungen) muss man selbst bezahlen, aber... es lohnt sich! Nach einigen Sitzungen hat sich mein Zahn vollständig beruhigt! Die Sache mit dem Strom war gar nicht so wild, ich habe kaum etwas gespürt. Vom Gefühl her kann man diese Methode gar nicht mit der herkömmlichen Zahnwurzelbehandlung vergleichen. Und sie ist nicht so kompliziert. Der Zahnarzt erzählte mir während der Behandlung begeistert, dass er damit die schwierigsten Zähne retten könne. Er ist davon mehr als überzeugt. Mein Zahn hat sich etwas Zeit gelassen, aber wir haben ihn gerettet. Das kann ich so sicher sagen, weil diese ganze Geschichte vor mehr als 10 Jahren passiert ist. Leider hat sich mein Zahn ganz schön verfärbt von der ganzen Sache. Ich habe mich bis heute geweigert, eine Krone drauf setzen zu lassen. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass jeder Eingriff für diesen Zahn zu viel ist. Bin ich erklältet, spüre ich den Zahn. Er muss also sehr behutsam angefasst werden.

Wurzelbehandlung mit Depotphorese - Implantat Alternative

Nach über 10 Jahren mit dem Zahn zum Zahnarzt

Zu diesem Artikel gibt es bald einen zweiten Teil. Da der Zahn ganz schön viel mitgemacht hat, ist er sehr porös und zerbrechlich. Nach über 10 Jahren ist nun ein Stückchen abgebrochen. Ich habe bald einen Zahnarzt-Termin und möchte mich informieren, was wir nun tun können. Eine Krone? Oder geht vielleicht noch eine Füllung? Mir geht es nicht um die Optik, er ist nicht wirklich sichtbar. Ich möchte ihn nur so lange wie möglich erhalten. Übrigens, ein Implantat kommt für mich persönlich nicht in Frage. Ich habe zu diesem Thema viel gelesen und irgendwie ist das nichts für mich. Lieber dann völlig ohne einen Zahn sein.

Es ist schon spannend: Die Prognose für diesen Zahn war wirklich immer sehr schlecht. Viele Zahnärzte in späteren Kontrolluntersuchungen haben mir die schlimmsten Dinge prophezeit. Ich hatte aber bis jetzt Ruhe und freue mich, wenn ich den Zahn weiterhin unkompliziert erhalten kann. Ich kann dir nur empfehlen, dich umzuschauen, eine zweite oder dritte Meinung einzuholen, zu lesen und auf dein Bauchgefühl zu hören, bevor du dich operieren lässt. Denn eine OP lässt sich nicht rückgängig machen. Wenn du wissen möchtest, wie es weiter geht, abonniere meinen kostenlosen Newsletter. Dann wirst du keinen Artikel mehr verpassen. Kennst du schon meinen Artikel darüber, wie mein Zahnarzt sich wundert und fragt: "Junge Frau, Sie haben ja weder Zahnstein noch Karies - essen Sie keinen Zucker?" Das war wirklich köstlich! Dort erzähle ich dir auch, wie meine Zahnputzroutine aussieht. Viele liebe Grüße und bis bald, Lisa.

Beitrag von Lisa Albrecht am 22. Oktober 2020 veröffentlicht.

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