Nachhaltig Vegan Fair

Verzweiflung, Tränen und neuer Mut

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Ich starre bereits seit fünf Minuten auf den Bildschirm und weiß nicht, wie ich dir erklären soll, was in mir vorgeht. In mir drin schreit es. Aber ich kann dieses Gefühl nicht in Worte fassen. Immer wieder atme ich tief ein und aus. So geht es mir seit Tagen. Und manchmal erwische ich mich dabei, wie mir die Tränen kommen. Aber das bringt nichts, so komme ich nicht weiter. Ich bin dir sehr dankbar, dass du das hier liest. Denn heute geht es – sehr direkt – um ein wichtiges Thema, das mich seit Jahren mehr als bedrückt. Deswegen gibt es auch diesen Blog. Aber im Blog rede ich nicht so direkt darüber, es war bis jetzt immer im Hintergrund und hübsch verpackt. Aber vielleicht war das falsch. Denn dieses Thema betrifft JEDEN. Es geht um den Klimawandel. Bist du noch da? Ich bin mir sicher, dass du zu den Menschen gehörst, die mutig und bereit sind, etwas zu verändern. Leider weiß ich auch, das dieses sehr wichtige Thema auch viele Menschen abschreckt, sobald es ganz nackt, so ohne Verpackung daher kommt.

Sommer 2017 / Meine Tochter und ich in Eschwege
Sommer 2017 / Meine Tochter und ich in Eschwege

Weinen bringt nichts

Gestern habe ich geweint, ich war verzweifelt und habe mich gefragt, was ich noch tun kann, damit es voran geht. Ich möchte nicht, dass der Meeresspiegel steigt und unser Lebensraum auf diesem Planeten kaputtgeht. Ich glaube, vielen ist gar nicht bewusst, was Klimawandel wirklich bedeutet. „2-3 Grad wärmer in Deutschland, das ist ja prima!“ höre ich oft. „Bald können wir Bananen auch in Deutschland ernten!“ Als ich geweint habe, kam meine fünfjährige Tochter zu mir und sagte: „Mama, du brauchst nicht traurig sein.“ Sie nimmt mein Gesicht in ihre kleinen Kinderhände, schaut mir tief in die Augen und sagt aufmunternd mit einem Lächeln: „Es ist alles in Ordnung. Das war einfach nur ein Film. Das, was dich traurig macht, ist nicht wirklich passiert.“ Ich musste noch mehr weinen, denn leider war es diesmal nicht einfach nur ein blöder Film, bei dem ich weine. Es ist nackte Realität. Ich möchte, dass alle Kinder in einer Welt leben, die intakt ist.

Was Klimawandel konkret für unsere Kinder und die nächsten Generationen bedeutet:

  • Wenn jetzt nichts verändert wird, kann der noch "moderate" Temperaturanstieg von 1,5 °C bis 2040 nicht eingehalten werden.
  • Die nächste Generation hat dann sehr schwer mit dem Klimawandel zu kämpfen.
  • Naturkatastrophen stehen auf dem Programm: Überschwemmungen, Hitzewellen, starke Stürme
  • Nahrungsmittelknappheit durch Veränderung des Wetters
  • Bedrohung der Wasserversorgung
  • Der Meeresspiegel steigt an, weil die Gletscher der Pole schmelzen.
  • Der Lebensraum der Tiere und des Menschen wird deutlich kleiner (einige Arten sind vom Aussterben bedroht).
  • Etwa eine Milliarde Menschen müsste umgesiedelt werden, aber wohin? Große Städte in den Küstenregionen sind betroffen.
  • Weite Teile Afrikas können nicht mehr bewohnt werden
  • Daraus folgt eine Welle an Flüchtlingen, die auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind.

Bitte keine negative Stimmung!

Ich weiß, warum viele Menschen beim Thema Klimawandel auf Durchzug stellen. Sie haben Angst, dass sie nicht mehr so leben können, wie bisher. Außerdem kann man das Thema auch schlecht greifen. Und überhaupt, was können wir überhaupt tun? Die anderen, die sind doch Schuld. Die Politik und große Unternehmen müssen etwas ändern. Ach ja, und natürlich andere Länder! Wir in Deutschland machen doch schon so viel. Jetzt sind auch mal andere dran. In Wirklichkeit ist JEDER dran. JEDER muss etwas ändern. Wir müssen ALLE unsere Gewohnheiten umstellen. Wir müssen ALLE unsere Lebensweise hinterfragen. Und wir ALLE können etwas verändern. Wir tragen Verantwortung, wir bestimmen, wen wir wählen. Wir sind für unsere Kinder verantwortlich. Wir entscheiden, wie wir leben und was wir konsumieren. Wie können wir jetzt ruhig sitzen, obwohl wir wissen, dass die Zukunft unserer Kinder mit so großen Schwierigkeiten verbunden sein wird? Hauptsache jetzt geht es uns gut? Wir müssen endlich aufwachen.

Klimawandel betrifft jeden

Mehr als ein Wort

Klimawandel ist nicht einfach nur so ein Wort. Die wenigsten können sich vorstellen, was auf unsere Kinder wirklich zukommt, wenn wir JETZT nichts tun. Die meisten Wissenschaftler sind sich einig: Wir müssen es gemeinsam schaffen, den Temperaturanstieg auf 1,5 °C zu begrenzen. Wenn wir es nicht schaffen, werden die zukünftigen Generationen einen richtigen Supergau auf diesem Planeten erleben. Haben wir nicht jetzt schon genug Probleme? Es müssen nicht noch mehr dazu kommen. Wir spüren jetzt bereits noch "recht harmlose" Auswirkungen des Klimawandels. Sehr starke Wetterumschwünge, lange Regenpausen, erste größere Ernteausfälle. Aktuelle Ziele der Bundesregierung sind nicht extrem genug, wir haben einfach keine Zeit mehr! Und wenn wir denken, dass wir in Deutschland mehr tun als andere, dann irren wir uns. Die Kohlendioxidemissionen in Deutschland und den USA sind ähnlich hoch. Aus dem Vortrag von Prof. Dr. Volker Quaschning „Klimaschutz in der Sackgasse“ (17. Juni 2019) habe ich sehr viel für mich mitnehmen können. Dieser Vortrag ist nicht negativ, er macht Mut! Prof. Dr. Volker Quaschning erklärt sehr einfach und verständlich, was Klimawandel wirklich bedeutet und was wir aktiv tun können, um die Zukunft zu retten. Bitte schau dir sein Video an, nimm dir die Zeit und teile es! Auf meinem Blog findest du sehr viele Themen für den Alltag, wie man klimafreundlicher leben kann. Zusammengefasst möchte ich einige wichtige Punkte nennen, die deinen Fußabdruck verkleinern:

  • Pflanzenbetonte Ernährung (je weniger Fleisch und Milchprodukte, umso besser)
  • Strom aus erneuerbaren Energien (Sonne, Wind, Wasser)
  • Stelle deine Mobilität infrage (weniger Auto fahren, Flugreisen vermeiden)
  • Konsumiere weniger und sag Nein zu Plastik
  • Überprüfe dein Heizverhalten!
  • Gehe wählen und gestalte die Zukunft aktiv mit, spreche mit anderen über den Klimawandel
  • Bewege mit deinem Kaufverhalten Unternehmen dazu, positive Veränderungen umzusetzen

Daran denken wir gar nicht

Es ist schon krass (Aus dem Vortrag von Prof. Dr. Volker Quaschning "Klimaschutz in der Sackgasse"):

  • Zwei Rindersteaks pro Woche verursachen 300 kg CO2 pro Jahr.
  • 7 mal so viel wie ein Einwohner der DR Kongo pro Jahr verursacht.
  • Ein Flug nach Florida verursacht 4 Tonnen CO2.
  • 13 mal so viel wie ein Kenianer pro Jahr verursacht.
  • 10.000 km Autofahren verursacht 1,5 Tonnen CO2.
  • 3 mal so viel wie ein Einwohner von Bangladesch pro Jahr verursacht.
  • Das Heizen eines unsanierten Einfamilienhauses verursacht 7 Tonnen CO2 pro Jahr.
  • 4 mal so viel wie ein Inder pro Jahr verursacht.

Rechne aus, wie viel CO2 du produzierst

Beim Umweltbundesamt habe ich diesen CO2-Rechner ausprobiert, um meine persönliche CO2-Bilanz auszurechnen. Wir liegen weit unter dem Durchschnitt, haben jedoch ebenfalls Punkte, die wir noch weiter optimieren können. Daran arbeiten wir bereits. Mit einem CO2 Rechner kann man grob schauen, wo man aktuell liegt und welche Maßnahmen noch förderlich wären, um seinen CO2-Fußabdruck zu minimieren.

Wenn du bereits dabei bist, weniger CO2 zu produzieren – auf was konkret achtest du im Moment? Gemeinsam können wir andere Menschen motivieren, ihre Gewohnheiten zu verändern. Liebe Grüße, deine Lisa.

Beitrag von Lisa Albrecht am 9. Juli 2019 veröffentlicht.

Miriam 28.10.2019 um 20:33
Liebe Lisa, ich teile vollkommen deine Gefühle. Diesen Artikel könnte ich geschrieben haben. Ich bin 37, Mama einer 3-jährigen Tochter. Manchmal glaube ich fast depressiv zu werden, zumindest fällt es mir in Anbetracht der Entwicklungen schwer noch unbekümmert und fröhlich durch das Leben zu gehen. Weiterlesen Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch, kenne mich etwas mit unserer heimischen Flora und Fauna aus, bin in Umweltschutzverbänden engagiert. In den letzten 10 Jahren hat sich so viel, sooo viel so negativ verändert. Wer sich nicht so gut auskennt, wird viele Dinge nicht wahrnehmen. Auch Stadtmenschen haben wahrscheinlich wenig Möglichkeiten diese Veränderungen in der Natur überhaupt beobachten zu können. Ich lebe in Brandenburg, auf dem Land. Noch nie hatten wir so wenig Niederschläge wie in den letzten Jahren. Vor 10- 15 Jahren waren unsere Wiesen hier am Fluss noch regelmäßig überflutet, hier lebten viele Amphibien, Schmetterlinge, Vögel. Nach den letzten 2 Sommern ist die Amphibienpopulation komplett zusammengebrochen. An unserem kleinen Waldsee zählten wir am Aphibienschutzzaun vor 5 Jahren noch weit über 3000 Erdkröten, im letzten Jahr noch knapp 200. So ist die Entwicklung an allen Zäunen in unserer Gegend. Die Tiere sind schlicht vertrocknet, ebenso wie unsere vielen Weinbergschnecken. Mittlerweile finden wir nur noch leere Häuser. Sie überleben die trockenen Sommer nicht mehr. Störchen und Kraniche finden kaum mehr Futter hier, massenweise sterben die Bäume. Nur die Eichen trotzen der Trockenheit noch, nehmen aber zunehmend Schäden und werden zusätzlich von Schädlingen geschwächt. Baumneupflanzungen haben ohne künstliche Bewässerung keine Chance mehr. Wenn der Boden nicht eine gewisse Restfeuchte hat, können auch die Regenwürmer und andere Erdbewohner nicht mehr für die Umwandlung des Bodens sorgen, er wird unfruchtbar und tot. Schädlinge nehmen massiv zu, die Seen drohen zunehmend zu kippen, weil der Algenwuchs aufgrund der Sonnenstrahlung massiv zunimmt. In diesem Jahr sind so viele Jungvögel, zB Schwalbenjunge verendet, weil sie schlicht unter den glühenden Dächern vertrocknet sind. Die Liste lässt sich unendlich fortsetzen. Manchmal glaube ich tatsächlich, dass Wissen auch eine große Last ist. Ich sehe die schlimmen Folgen des Klimawandels an jeder Ecke und ich sehe gleichzeitig so viele Menschen, die das nicht wahrnehmen oder denen das egal ist. An manchen Tagen spüre ich eine solche Verzweiflung und Hilflosigkeit in mir. Wenn ich höre, dass Freunde eine Kreuzfahrt machen wollen, werde ich innerlich richtig sauer. Ja, das ist nicht fair, das weiß ich, aber es ist ehrlich.das geht eben in mir vor. Ich weiß nicht, wie wir das alles noch retten wollen. Wenn ich mit anderen darüber reden, merke ich selbst, dass es natürlich ein sehr negatives Thema ist und ich will nicht immer negativ sein, aber es ist einfach so wichtig! Schaut man sich Deutschland Mal auf Google Maps an, sieht man wie wenig bewaldet Deutschland noch ist. Es ist wirklich erschreckend. Überallnur noch Schachbrett, also landwirtschaftliche Nutzflächen, die erstmal grün erscheinen, aber es tatsächlich nicht sind. Bäume? Fehlanzeige. Fährt man häufig Autobahn, nimmt man das sehr krass wahr. Ein Acker reiht sich an den nächsten, ohne Hecken drum herum, ohne Wildblumen für Insekten und Wildtiere. Die Straßen zerschneiden ihren Lebensraum, keine Chance für sie die mittlerweile immer breiter werdenden Autobahnen überhaupt noch lebend zu überqueren. Eine Vergewaltigung der Erde.
Ich hoffe, wir können unseren Kindern den Wert unserer Erde, unserer Wurzeln, begreiflich machen, sie zu viel mehr Mitgefühl erziehen und ich bete dafür, dass es dann nicht schon zu spät ist.
Menschen wie du lassen mich die Hoffnung nicht verlieren.
Lisa von ich lebe grün! 18.11.2019 um 10:59
Liebe Miriam,
vielen Dank für deine Gedanken und Erfahrungen! Ich glaube, dazu muss man nicht viel sagen. Ich versuche mein bestes zu geben, ein Beispiel zu sein und mein Umfeld zu inspirieren. Traurig sein gehört definitiv dazu, trotzdem ist es wichtig, nach vorne zu schauen. Weiterlesen <3
Viele liebe Grüße,
Lisa
Sinéad Jeannette Keenoa 13.7.2019 um 9:36
Danke für diesen schönen Beitrag. Viele gute Denkanstöße, sodass für jeden was dabei ist. Vegan leben und pflanzenbasierte Vollwertkost essen und möglichst Zero waste umsetzen, ist anspruchsvoll aber kein Hexenwerk. Man lernt so viel Neues kennen! Weiterlesen Eure Generation (die meiner Kinder) ist super, weiter so. In meiner galt und gilt man heute noch als merkwürdig und fern der Norm.
Eines behalte ich bei und zwar meine Reisen, so grün wie möglich aber auch fern der Heimat. Mir gefällt es, persönlich internationale Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen. Denn auf Äußerungen wie „es bringe nichts, in Deutschland was zu tun“ kann ich dadurch gut widerlegen. Es ist fantastisch selbst zu erleben, wie es in anderen Ländern bereits umgesetzt wird.
Lisa von ich lebe grün! 10.8.2019 um 12:43
Liebe Sinéad Jeannette Keenoa,
so sehe ich das aus, es ist vielleicht manchmal umständlich und man muss sich "reinfuchsen", aber es ist möglich und mit der Zeit gar nicht mehr kompliziert sondern normal. :-)
Liebe Grüße,
Lisa
Katrin 10.7.2019 um 9:22
Ich kenne das nur zu gut! Wut und Trauer über unsere kaputte Erde, die Menschen denen das egal ist und meine Kinder die darin ihr Leben verbringen sollen bwz. müssen. Solche absout negativen Gedanken habe ich immer wieder und da ist wirklich alles negativ. Weiterlesen Und eigentlich weiß ich auch das unsere Erde ohne uns Menschen besser dran ist, wir sind nur eine Phase auf ihr. Aber ich möchte das nicht. Ich möchte das wir hier auf unserer Erde friedvoll und schadlos leben können. Das ist mein Wunsch! Wenn die Traurigkeitsspirale bei mir wieder beginnt, versuche ich einfach mich sofort abzulenken. Und sei es ein nachhaltiges Projekt, das tut mir dann richtig gut. Und ich glaube Du hast mich jetzt wirklich drauf gebracht meine nachhaltigen Tipps aus dem Leben in einer wöchentlichen Rubrik auf meinem Blog zu teilen. Es gibt sooo viele Möglichkeiten.
Herzliche kämpferische Grüße
Katrin
Lisa von ich lebe grün! 10.8.2019 um 12:38
Liebe Katrin,
gute Projekte sind wirklich super und helfen, Sorgen loszulassen. Und super, das freut mich sehr! :-)
Liebe Grüße,
Lisa
Isabell Riedl 9.7.2019 um 17:45
Danke für diesen wunderschönen Beitrag!! Du sprichst mir aus der Seele. Was mir derzeit viel Mut macht, ist die Beteiligung an Streiks von Fridays for Future, wann immer ich kann. Dieses Gemeinsamsein nimmt mir ein wenig Verzweiflung.
Zuhause haben wir eine Wurmkiste, so verwerte ich den Bio-Abfall sinnvoll. Weiterlesen Und wir haben jetzt eine Parzelle, dadurch vermindere ich den Verpackungsmüll bei Gemüse und lehre meinem Kind Achtsamkeit gegenüber Lebensmitteln, auch wenn er das mit seinen 3 Jahren noch nicht ganz verstehen will manchmal :P
Du bist nicht allein! Wir ziehen an einem Strang! :* <3
Lisa von ich lebe grün! 10.8.2019 um 12:34
Liebe Isabell,
super, dass ihr schon so viel macht. Und so toll, dass du deinem Kind das alles bereits vorlebst. Das ist das Beste, was man machen kann.
Liebe Grüße,
Lisa