Lisa und Paul im Gespräch über ihre Ernährung und Umstellung

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

LISA: Jemand hat mich neulich gefragt, wie es eigentlich dazu kam, dass wir uns vegan ernähren.

PAUL: Ich habe schon früh angefangen – im Vergleich zu dir – mit der vegetarischen Ernährung, da war ich ungefähr 14. Als wir uns kennengelernt haben mit 17 / 18, da hast du ja auch schnell umgestellt auf vegetarisch…

LISA: Als wir uns kennengelernt haben, dachte ich, warum ich überhaupt noch Fleisch esse. Ich wunderte mich, dass ich absolut kein Bewusstsein für dieses Thema hatte, obwohl ich so tierlieb war. Doch dann war mir klar, dass das genau mein Ding ist. Selbst wenn wir uns wieder getrennt hätten, hätte ich weiter gemacht und kein Fleisch mehr gegessen. Da hast du mir die Augen geöffnet.

Umstellung unserer Ernährung auf vegan

PAUL: Warum hast du das nicht schon früher gemacht?

LISA: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Zum einen bin ich mit Einflüssen groß geworden, die die ganze Sache nicht gerade einfach gemacht haben. Ich kannte keinen einzigen Vegetarier. Ich bin in der Ukraine groß geworden, da ist die Kultur und das Leben etwas anders. In Deutschland tickt die Zeit ein bisschen schneller, in der Ukraine kommt alles verspäteter an, obwohl das heute wieder anders ist. Hört sich alles wie eine Ausrede an, was ich erzähle. Als Kind habe ich eine Schlachtung miterlebt. Bis heute höre ich das arme Schwein schreien. Da war ich aber noch viel zu klein, keine Ahnung, ob ich davon dann was gegessen habe. Einmal hat uns ein Nachbar einen Hasen geschenkt (frisch geschlachtet). Als ich erfuhr, dass das der Hase war, mit dem ich immer wieder gespielt habe, wollte ich nichts mehr essen. Trotzdem habe ich aber weiterhin Fleisch mitgegessen, dass kein Gesicht hatte. Ich konnte diesen Schritt nicht schaffen – das, was auf dem Teller liegt, auf die andere Ebene zu transferieren.

PAUL: Dann war es für uns voll in Ordnung, viele Jahre als Vegetarier zu leben. Da wir ja die Tiere nicht umgebracht haben…

LISA: Ich weiß, dass wir uns teilweise gerechtfertigt haben gegenüber vegan lebenden Menschen, dass wir die Tiere ja nicht umbringen, wenn wir Milch trinken und Eier essen. Uns war damals nicht klar, wie das wirklich zusammenhängt. Zum Beispiel das Thema mit den Eiern, dass die männlichen Küken getötet werden. Wir dachten, die Eier sind doch unbefruchtet, die wir essen, da kann doch kein Küken schlüpfen und die Hühner legen so oder so ein Ei. Weiter haben wir gar nicht gedacht.

PAUL: Bei mir hat es mit den Eiern den Ausschlag gegeben, als ich eine Doku geschaut habe, die die Praktiken der Mastbetriebe zeigt, wie da mit den Küken umgegangen wird. Und da war für mich klar, dass Eier ab sofort von unserem Speiseplan gestrichen werden. Und auf die Problematik mit der Milch sind wir dann auch gekommen.

LISA: Ich glaube, wenn man anfängt, dann kann man nicht mehr zurück.

PAUL: Die Umstellung bei der Kuhmilch war sehr sanft, da wir die Kuhmilch mit der pflanzlichen Milch anfangs gemischt haben.

LISA: Stimmt, wir fanden die Sojamilch zuerst geschmacklich sehr gewöhnungsbedürftig. Deshalb haben wir gemischt. Verrückt, heute schmeckt uns die Sojamilch insgesamt recht gut – je nach Hersteller. Leider kannten wir damals noch keine anderen Milchsorten.

PAUL: Den Käse und andere Produkte wegzulassen, fand ich nicht problematisch. Da es so viele leckere vegane Aufstriche gibt, fiel mir das gar nicht schwer.

LISA: Ich überlege, ob es mir schwergefallen ist… Vielleicht hatte ich am Anfang Angst, dass ich auf so leckere, cremige, milchige und reichhaltigere Dinge verzichten muss. Aber schnell haben wir herausgefunden, dass das Mandelmus ein absoluter Allrounder ist. Als wir die Alternativen nach und nach kennengelernt haben, fiel auch mir die Umstellung nicht schwer.

PAUL: Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann ziehe ich es auch durch. Deshalb war weder Vegetarier noch Veganer zu werden ein Problem für mich. Und auch was irgendwelche Rückschläge oder Versuchungen angeht, da habe ich persönlich nichts zu berichten.

LISA: Das stimmt, ich weiß genau, dass du nie „gesündigt“ hast. Dafür kann ich die Hand ins Feuer legen. Ich habe zwei „Sünden“ begannen. Eine „Sünde“ war zu der Zeit, als ich noch vegetarisch aß. Ich habe mir eine Pizza Margherita am Frankfurter Hauptbahnhof gekauft und als ich sie gegessen habe, schmeckte ich ein Stück Salami heraus. Mir ist etwas schlecht geworden. Okay, das war keine beabsichtigte Sache, aber trotzdem unangenehm. Die zweite „Sünde“, die ich begannen habe, war in meiner Schwangerschaft.

Umstellung unserer Ernährung auf vegan

PAUL: Und ich war der Mittäter. Denn dir ging es so schlecht, dir war so übel, du konntest nichts essen, wie man das so kennt von Schwangerschaften. Dann hattest du Lust auf eine Pizza. Damals hatten wir aber noch keine Ahnung, wie man eine leckere vegane Pizza macht.

LISA: Dazu muss man vielleicht sagen, dass wir kurz vor meiner Schwangerschaft vegan geworden sind.

PAUL: Wir waren also noch blutige Anfänger und ich habe dann Käse gekauft – das war sicherlich bio Käse – um dir diese Pizza zu backen. Die Krönung war, dass die ganze Pizza auch wieder raus kam.

LISA: Das war auch das einzige, was ich an diesem Tag essen wollte. Es war schon hart am Anfang der Schwangerschaft, da gab es eine Zeit, da war mir einfach dauerübel, und wenn man plötzlich Hunger auf nur eine ganz bestimmte Sache bekommt, überlegt man nicht lange. Da freut man sich, wenn man überhaupt etwas essen kann. Zum Glück war das keine sehr lange Zeit. Das Problem ist ja noch in einer Schwangerschaft, dabei ist es egal, ob man vegan lebt oder nicht, dass man sich Sorgen macht, ob man genug Nährstoffe aufnimmt, wenn man so schlecht essen kann. Man möchte ja nicht, dass dem Baby etwas fehlt, man hat Angst, dass man vielleicht nicht alle Aspekte der veganen Ernährung kennt. Trotzdem, wir haben uns eingelesen, meine Umstellung war nicht nur aus ethischen, sondern auch aus gesundheitlichen Gründen. Ziemlich schnell war mir klar, dass das für mich der richtige Weg ist, auch in der Schwangerschaft, weil ich gut darauf geachtet habe, dass insgesamt gesehen genug in mich reinkommt, was das Baby und ich braucht.

PAUL: Bei mir war das eine rein ethische Geschichte, ich habe das nicht wegen der Gesundheit gemacht und besonders viel informiert habe ich mich auch nicht. Ich habe mich da einfach auf dich verlassen, weil du dich sehr für diese Materie interessiert hast. Du hast mir dann alles erzählt, wir haben zusammen abgewogen, was gut für uns ist.

LISA: Du hast mir die ethischen Aspekte vor Augen geführt und ich hab dann im Detail nachgeschaut, ob das auch für die Gesundheit okay ist. Das war ein „Gemeinschaftsverbrechen“. Es ist schön, wenn man sich zusammen entwickelt, somit hat es auch sehr gut funktioniert.

PAUL: Und wir leben auch bis heute vegan – das sind jetzt insgesamt 5 Jahre – mittlerweile als ganze Familie, wir fühlen uns wohl damit, irgendwann haben wir noch weitere Ernährungsformen ausprobiert – wie glutenfrei und zuckerfrei.

LISA: Genau, meine gesamte Schwangerschaft war zuckerfrei, also ohne Haushaltszucker, wobei ich zugeben muss, dass ich am Anfang der Schwangerschaft noch nicht ganz auf Zucker verzichtet habe. Ich habe mal ein Fruchtsafteis gegessen, da war sicher noch Zucker drin. Du bist noch extra in den nächsten Supermarkt gegangen, um mir das Eis zu kaufen. Das war wieder so eine konkrete Lust auf etwas. Aber die meiste Zeit habe ich sehr clean gegessen, ich wollte gerne auf Zucker verzichten, das war jetzt nichts, was ich mir aufgezwungen habe – das hat mir sehr gutgetan. Ich ließ den Zucker langsam ausschleichen. Und irgendwann kam er auch schleichend wieder zu mir… Wobei wir gerade wieder eine Woche zuckerfrei hinter uns haben. Und insgesamt essen wir – im Vergleich zu früher – kaum Haushaltszucker.

Umstellung unserer Ernährung auf vegan

PAUL: Glutenfrei zu essen haben wir vor allem wegen unserer Tochter ausprobiert. Sie hatte Ausschlag und als wir glutenhaltige Sachen wegließen, ging er wieder weg. Dann haben wir einfach gesagt: Wir essen einfach als Familie kein Gluten mehr und das hat gut geklappt.

LISA: Interessant war auch der Nebeneffekt, dass ich für mich herausgefunden habe, dass es mir nach der Umstellung viel besser ging. Hätte meine Tochter dieses Problem nicht, hätte vermutlich auch ich nicht erfahren, dass ich auf Gluten reagiere. Ich bin ganz froh, dass wir umgestellt haben, weil sowohl bei meiner Tochter jetzt alles in Ordnung ist als auch bei mir. Und dein Heuschnupfen ist auch deutlich zurückgegangen im Vergleich zur vegetarischen Zeit.

PAUL: Ich bin gespannt, was wir in Zukunft noch alles ausprobieren und entdecken werden. Denn die Welt dreht sich weiter und es gibt immer etwas Neues, was einem guttut. Ich denke, da muss man ganz offen bleiben.

LISA: Wir haben auch immer wieder verschiedene Phasen in unserer Ernährung. Mal essen wir sehr rohkostbetont, dann backen wir mehr, dann achten wir stärker auf saubere Zutaten oder wie jetzt – wir kaufen sehr viel regional ein. Insgesamt kaufen wir fast immer nur bio ein, achten auf kurze Zutatenlisten und bereiten unser Essen immer frisch zu. Es ist einfach wichtig, auf seinen Körper zu hören und seine Ernährung anzupassen, nach Gefühl und Jahreszeit.

PAUL: So ist das. Apropos Essen. Ich habe Hunger. Wollen wir in die Küche gehen und uns etwas machen?

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Dieser Beitrag wurde von Lisa Albrecht am 2. September 2018 veröffentlicht.

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Lisa Albrecht

Lisa Albrecht

Gründerin & Autorin

Auf meinem Blog teile ich mit dir meine Erfahrungen und Gedanken, wie man ein Stück "grüner" Leben kann. Gesünder, leichter, harmonischer, bewusster und einfach glücklicher. Ich bin Mama einer Tochter und wir haben auch einen Familienhund. Ich liebe das Meer und mit Erdbeeren kann man mich leicht bestechen.

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