Ich, der inkompetente Roboter

Paul Albrecht
Paul Albrecht

Ich bin auf ganzer Linie inkompetent, zumindest wird mir das täglich eingeredet. Ich kann mich nicht mehr selbst ernähren, wie es die Menschen früher mit ihrer eigenen Landwirtschaft getan haben. Ich kriege es einfach nicht hin, dass jeder geerntete Apfel den genormten Durchmesser hat. Und meine Behausung kann ich natürlich nicht mehr selbst bauen, denn das ist ja eine Fähigkeit, die nur Fachfirmen besitzen. Ich bin einfach zu blöd, mich an die unzähligen Vorschriften des Baurechts zu halten. Als Vater sollte ich auch besser die Finger von der Erziehung meiner Kinder lassen, denn nur pädagogisch geschulte Betreuer sind dazu kompetent in der Lage. Wie gut, dass es Ganztagskindergärten und Schulen gibt. Und meinen eigenen Körper kann ich doch gar nicht so gut kennen, wie ein studierter Arzt. Wenn ich vor dem Gott in weiß stehe, ist es somit nur gut, dass ich alles abnicke und jede Therapie über mich ergehen lasse. Verhält sich der beste Freund des Menschen mal nicht, wie es von ihm erwartet wird, dann sollte ich bloß nicht auf die Idee kommen, das Problem selbst zu lösen. Also ab in die Hundeschule, denn was kann ich schon über einen Hund wissen, mit dem ich zusammen lebe.

Wir sind Roboter

Quadratischer Kopf

Das Wichtigste ist, jeden Tag den Gang zu meinem Job anzutreten, dort die Zeit abzusitzen, um dann mit ausgebrannter Birne wie ein Zombie nach Hause zu trotten. Am Wochende noch den Rasen auf die Normhöhe stutzen und die Kutsche auf Hochglanz polieren. Aber ich sollte bloß nicht auf den Gedanken kommen anzuecken. Wenn meine Kinder nicht ruhig und brav den Lehrern lauschen, dann sollte ich sie schnellst möglich mit Medikamenten ruhig stellen. Journalisten, die unbequem werden, wandern direkt in den Knast. Und wer versucht, andere Menschen vor dem Ertrinken zu retten, landet vor Gericht.

Die seelenlose Masse

Unternehmen brauchen Arbeitnehmer, die brav ihre täglichen Aufgaben erledigen. Aber ich sollte nicht auf die Idee kommen nachzudenken, etwas zu hinterfragen oder die Entscheidungen meines Chefs in Frage zu stellen. Für das Stillhalten, werde ich seelenloser Arbeiter natürlich bezahlt, aber nur, um dann brav das Geld wieder für unnütze Konsumgüter auszugeben. Ein Kreislauf entsteht, der nur Wenigen nützt.

Ich werde als Elektroschrott enden

Dass ich nach meinem Roboter-Leben als Elektroschrott ende ist wohl unausweichlich. Oder doch nicht? Wenn ich keine Lust darauf habe, dann wäre die erste Maßnahme, meinen Kopf einzuschalten. Ich sollte mich trauen, eigene Entscheidungen zu treffen, auch wenn diese nicht dem Standard entsprechen. Es steckt mehr in mir, als ich bisher dachte und deshalb sollte ich auf meine Kompetenzen vertrauen. Ich werde meinen eindimensionalen Job an den Nagel hängen, den ich nur mache, um mir ein Leben voller Schrott zu leisten, der kurz nach der Gewährleistungszeit auseinander fällt. Mein Leben ist zu kurz, um es zu verschwenden. Es wird Zeit etwas zu verändern. Jetzt!

Auszug aus dem Leben eines menschlichen Roboters im 21. Jahrhundert.

Das könnte euch auch interessieren:

Dieser Beitrag wurde von Paul Albrecht am 22. Juli 2018 veröffentlicht.

Deine Meinung

Hinweis: Wir werden deinen Kommentar nach einer Prüfung freischalten. Beleidigende, werbelastige oder markenrechtsverletzende Kommentare werden von uns nicht veröffentlicht.

Paul Albrecht

Paul Albrecht

Gründer & Programmierer

Ich kümmere mich um alle technischen Aspekte und habe unter anderem das Blogsystem programmiert. Außerdem schreibe ich gerne Artikel, die zum Nachdenken anregen. Wenn ich die Tastatur ruhen lasse, genieße ich Streifzüge durch die Natur mit meiner Familie.

E-Mail an mich / Kooperationen

Folge uns auf facebook!