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Ist eine Menstruationstasse schädlicher als ein Tampon?

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Eine Blog-Leserin hat mich gefragt, ob Menstruationstassen irgendwelche Risiken mit sich bringen. Die Frage fand ich sehr spannend. Ich wollte wissen, ob Menstruationstassen auch das sogenannte TSS (toxisches Schocksyndrom) auslösen könnten. Denn beim Kauf einer Menstruationstasse findet man keinerlei Hinweise darauf - zumindest lag in der Verpackung meiner Menstruationstasse damals kein Zettel mit dem Hinweis bei. Vielleicht ist das heute auch anders, meine ist schon einige Jahre alt. Ich ging früher davon aus, dass Menstruationstassen völlig ungefährlich sind und viele Vorteile mitbringen. Davon bin ich auch heute überzeugt. Sie sind umweltfreundlich und trocknen die Schleimhäute nicht aus. Sie sind bequem und eine tolle Alternative zu Tampons.

Menstruationstasse oder Tampon? Toxic Schocksyndrom? Stoffbinden als Alternative?

Ich kenne Frauen, die die Menstruationstasse sehr lange tragen, viel länger als einen Tampon - über 12 Stunden. Meine aktuelle Recherche weist jedoch darauf hin, dass man bei der Verwendung der Menstruationstasse einige wichtige Punkte beachten sollte, um das Risiko eines TSS nicht zu erhöhen. Die meisten Menstruationstassen sind aus medizinischem Silikon gefertigt, es gibt auch welche aus Naturkautschuk. Für das TSS ist das nicht relevant. Selbstverständlich sollte man auf eine gute Qualität des Produktes achten. Angeblich ist die Luft, die beim Einführen der Menstruationstasse in die Vagina kommt, problematisch. In einem Dokument des Centre National de Référence Staphylocoques, das sich mit diesem Thema beschäftigen, fand ich die Aussage (aus dem französischen frei übersetzt): "Nicht alle Patienten, die TSST-1-produzierenden Staphylococcus aureus tragen, entwickeln einen toxischen Schock. Dies deutet darauf hin, dass andere Faktoren eine Rolle spielen. Wir glauben, dass andere Bakterien in der Vaginalflora die Produktion dieses Giftes und das Auftreten eines toxischen Schocks beeinflussen."

Menstruationstasse: Das Risiko reduzieren

Interessant war auch zu lesen, dass das Toxische Schocksyndrom auch bei Männern und Kindern auftreten kann - nicht nur bei Frauen, die einen Tampon und eine Menstruationstasse tragen. Zitat aus Wikipedia: "Als Ursache der Erkrankung wurden bestimmte Exotoxine (so genannte Superantigene), die von humanpathogenen Stämmen des Staphylococcus aureus und des Streptococcus pyogenes produziert werden, identifiziert. [...] TSS bzw. STSS wird sowohl bei weiblichen als auch männlichen Patienten aller Altersgruppen beobachtet. In der Regel liegt hier der Krankheit eine lokale oder systemische Infektion zugrunde. Bemerkenswert ist, dass TSS bzw. STSS in der Regel überwiegend bei zuvor gesunden Menschen zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr auftritt, obwohl sonst eher Säuglinge, Kleinkinder, Senioren oder immunsupprimierte Personen empfänglich für Staphylokokken- und Streptokokkeninfektionen sind." In Deutschland bekommen ca. 50 bis 70 Menschen pro Jahr die Diagnose TSS gestellt, und es sind öfter Frauen betroffen.

Menstruationstasse oder Tampon? Toxic Schocksyndrom? Stoffbinden als Alternative?

Lieber fließen lassen?

Der Hersteller meiner Menstruationstasse gibt auf seiner Webseite an: "Wie mit jedem Menstruationshygieneprodukt, kann man kein Risiko von Null haben in Bezug auf TSS. Aber eine saubere, richtig verwendete Menstruationstasse reduziert das Risiko." In einem aktuellen Beitrag auf Quarks steht: "Die Wissenschaftler fanden zwar nur fünf Fälle, in denen die Nutzerin einer Menstruationstasse am toxischen Schocksyndrom erkrankte. Das bewerten sie als selten, aber: Derzeit gibt es keine Zahlen darüber, wie viele Frauen weltweit Menstruationstassen verwenden. Daher kann weder eine genaue Angabe über das TSS-Risiko gemacht werden – noch darüber, ob nun Tampons oder Tassen ein geringeres Risiko für TSS mit sich bringen." Die Pressereferentin des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V Dr. med. Susanna Kramarz sagt in Woman's Health: "Die einzige Möglichkeit, die explosionsartige Vermehrung unerwünschter Keime während der Menstruation zu unterbinden, ist es, das Blut herausfließen zu lassen". Ich sehe das so: Auch wenn das TSS selten vorkommt, sollte man nicht leichtsinnig mit Tampons oder Menstruationstassen umgehen. Ich habe neue Empfehlungen gefunden, die Menstruationstasse nicht länger als 6 Stunden am Stück zu verwenden. Anschließend sollte man sie - wenn möglich - mit kochendem Wasser auswaschen. Selbstverständlich sollten die Hände immer beim Einführen sauber sein (auch die Fingernägel). Ich sehe das auch so wie Dr. med. Susanna Kramarz. Hat man die Möglichkeit, das Blut herausfließen zu lassen, sollte man das auch tun. Das Thema ist vermutlich komplizierter als man denkt und sehr individuell.

Nachhaltigkeit während der Periode

Trotz Panikmache, die man an manchen Stellen liest, sollte man mit klarem Kopf die Punkte durchgehen und schauen, ob man sich an die Hygieneregeln hält und was man eventuell noch verbessern könnte. Komplett auf eine Menstruationstasse zu verzichten und stattdessen auf Wegwerfprodukte zu setzen (wobei hier Tampons das gleiche Problem haben), ist keine Lösung. Es wird geraten, sich eine zweite Menstruationstasse zuzulegen und sie im Wechsel zu verwenden, so wird es leichter, die freie Tasse mit kochendem Wasser zu reinigen. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Menstruationstasse gut sitzt und nicht zu groß ist. Ich persönlich habe zwei Menstruationstassen im Badezimmerschrank, verwende sie jedoch nicht mehr. Ich mag nicht so gerne etwas in mir zu haben, deshalb setze ich seit vielen Jahren auf nachhaltige Stoffbinden und Stoffslipeinlagen aus Bio-Baumwolle. Darüber habe ich schon früher viele Beiträge geschrieben, dabei ist es bis heute geblieben und damit fühle ich mich sehr wohl. Trotzdem ist eine Menstruationstasse in meinen Augen sinnvoll und gut, mit der richtigen Anwendung eine tolle nachhaltige Alternative während seiner Periode.

Wie siehst du das Thema? Ich bin sehr gespannt, ob du die Menstruationstasse nutzt oder lieber auf Binden setzt. Bis bald, deine Lisa.

Beitrag von Lisa Albrecht am 23. Februar 2020 veröffentlicht.

Me 24.2.2020 um 9:52
Hallo,
ich nutze seit einigen Jahren eine Tasse und bin da sehr begeistert von. Ich fühle mich seit dem viel freier als noch zu Tampon-Zeiten. Früher mochte ich nie schwimmen gehen in der Zeit oder Sport allgemein fand ich furchtbar, da konnte ich ausprobieren was ich wollte, der Tampon hat immer gestört. Weiterlesen Mit der Tasse ist das gar nicht so und auch wenn man sie nun vielleicht nicht 12h am Stück tragen sollte, ist es trotzdem möglich, wenn es mal sein muss. Auf Reisen z.B. oder ähnliches.
Ehrlicherweise trage ich meine Tasse auch viele Stunden am Stück, ich denke aber, ich werde mir jetzt eine zweite zulegen um etwas gründlicher bei der Zwischenreinigung vorgehen zu können. Danke für den Tipp!
LG
Anonym 23.2.2020 um 21:41
Hallo.
Ich lasse hier mal meinen nachhaltigen Umgang mit der Menstruation da. Das tue ich anonym, da es sonst etwas zu intim ist, wie ich finde.
Unterwegs nutze ich die Menstruationstasse, danke für die Tipps hier, Lisa!
Wenn ich nur kann, dann lasse ich das Blut laufen, dazu trage ich 2 Slips übereinander, und spüle die Vagina nach jedem Toilettengang mit Wasser gründlich aus. Weiterlesen Dadurch blute ich zwischen den Toilettengängen nicht viel an normalen Tagen mit mäßig bis wenig Blutung.
Stoffbinden mag ich garnicht, dann nehme ich lieber - zur Not - einen Waschlappen. Frottee finde ich von der Tragequalität am angenehmsten.
Vielleicht ist das für Jemanden nützlich.
LG
Lanie 11.3.2020 um 20:57
Hallo,
Mit vagina spülen wäre ich vorsichtig, das kann zu bösen Entzündungen und keimbildung führen (ich spreche da aus eigener Erfahrung).hast du mit deinem Gynäkologen über diese Technik gesprochen?
Viki 23.2.2020 um 14:35
Danke für den interessanten Artikel! Ich habe mir vor ein paar Jahren eine Menstruationstasse gekauft und gerne benutzt. Seit meiner letzten Geburt empfinde ich das Tragen als unangenehm und benutze Binden (teilweise Stoff, teilweise Plastik da ich noch nicht genug habe). Weiterlesen Ich finde es interessant, wie sich das mit dwe Zeit ändert, als ich jünger war, hätte ich mir nicht vorstellen können, etwas anderes als Tampons zu benutzen (ihh, Blut ;-)) und jetzt finde ich es seltsam, über mehrere Tage etwas in mich rein zu stecken.
Lisa von ich lebe grün! 23.2.2020 um 18:06
Hallo Viki,
mir geht es auch so. Ich habe früher gerne Tampons benutzt, und die Menstruationstasse. Irgendwann jedoch hat sich das verändert und immer mehr zu Binden entwickelt... ich fühle mich damit viel wohler. Vielleicht ändert sich das ja noch mal, wer weiß. Weiterlesen Und bei mir war das auch nach der Geburt.
Liebe Grüße,
Lisa