Nachhaltig Vegan Fair

Zucker-Wasser Diät? Ein Interview, das dein Leben verändern könnte

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Ich will euch nicht lange auf die Folter spannen. Hier kommt ein tolles Interview mit einer Powerfrau, mit der ich länger befreundet bin: Sandra Schindler. Sie ist Kinderbuchautorin, Mama und eine große Inspiration für viele Menschen - inklusive mich. Sie hat gefühlt immer gute Laune und ihr liebevoller und authentischer Newsletter versorgt mit spannenden Themen rund um eine bewusste Lebensweise. Die Themen sind gemischt und lecker gewürzt! Es ist für jeden etwas dabei. Nun aber geht es los mit dem Interview!

Sandra Schindler im Interview
Anzeige
"Nützliche Helfer, die mein Leben noch grüner machen!"
Lisa
Jetzt anschauen

Liebe Sandra, du hast eine große Ernährungsumstellung gemeistert. Für alle, die es noch nicht wissen: Was hast du konkret gemacht?

Sandra: Ich habe mich 28 Tage lang fettfrei und rohvegan ernährt. Sprich: Nur rohes Obst und Gemüse, aber keine Hülsenfrüchte, keine Nüsse, keine Samen, keine Avocados oder andere offensichtlich fetthaltige Nahrungsmittel. Und kein Salz. Was für mich fast am schlimmsten war. Ich hab das Ganze dann Zucker-Wasser-Diät getauft, denn zum Großteil hab ich wirklich (Frucht-)Zucker zu mir genommen. Und zum vielen Obst gabs Wasser, Gemüse und frische Kräuter.

28 Tage nur Obst und Gemüse

Man könnte meinen, dass mir als langjähriger Veganerin das leicht gefallen wäre, aber nein, es war eine richtig harte Zeit für mich, denn ich liebe warmes Essen. Und so ein Salatdressing ohne Öl ist auch nicht prickelnd. Deshalb hab ich mich den Großteil der Zeit von (selbstgemachtem, industriezuckerfreiem) Eis, Smoothies und frisch gepressten Säften ernährt.

Wie bist du denn auf die Idee gekommen, diese Zucker-Wasser-Diät zu machen?

Sandra: Ich hatte gerade die Bücher von Anthony William verschlungen - und in Band 1 (Mediale Medizin) ist eben dieser Detox-Vorschlag drin. Das hat mich derartig angesprochen, dass ich es wenige Tage später schon durchgezogen habe. Größtenteils aus Neugier, weil ich wissen wollte, ob es so krass ist wie in den Erfahrungsberichten, die ich auf Blogs gelesen hatte. Und natürlich auch, weil ich hoffte, dass es gesundheitlich was bringt.

Warum denkst du, hat Anthony William so einen Tatendrang in dir ausgelöst? Und warum spricht eine Kinderbuchautorin überhaupt über ihre private Ernährungsumstellung?

Sandra: Anthony hat bei mir einen Nerv getroffen, denn er kam zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben. Es hatten sich schon länger gravierende Veränderungen angebahnt - und er hat einige davon mit angestoßen. In Kurzform: In der Vergangenheit ging ich von vegetarisch zu bio zu biovegan. Und kurz vor der Detox hatte ich unseren Haushalt auf zuckerfrei (also ohne Industriezucker) umgestellt. Durch die Detox-Erfahrung hat es plötzlich auch in anderen Lebensbereichen Klick gemacht - und nun bin ich in Richtung (freiwillig) glutenfrei, Minimalismus, plastikfrei bzw. Zero Waste, DIY in Küche und Bad sowie Wildkräutersammeln, Gärtnern und Regrowing unterwegs.

Und warum ich öffentlich darüber spreche? Weil ich gerne über alles rede, was mich begeistert bzw. weitergebracht hat. Denn wenn es mir einen Boost für die Persönlichkeit gegeben hat, geht das dir vielleicht genauso. Ich liebe es, andere Menschen mit meiner Begeisterung für meine Lieblingsthemen anzustecken. Gesunde Ernährung gehört da schon ewig dazu.

28 Tage nur Obst und Gemüse

Kommen wir auf den Punkt: Was hat dir die 28-Tage-Detox gebracht? Was hat sie mit dir gemacht?

Sandra: Während der Challenge habe ich fressfixierte Person mich so umprogrammiert, dass mir Essen nicht mehr wichtig war. Das passierte ganz automatisch, weil ich ja nicht essen durfte. Warum sich dann also den ganzen Tag Gedanken darüber machen?

Ich habe dennoch für meine Familie gekocht, aber nach ein paar Tagen war es auch nicht mehr schlimm, dass ich keinen einzigen Bissen davon abbekam, obwohl es immer so verführerisch roch.

Außerdem sind tatsächlich einige spannende gesundheitliche Sachen passiert: Ich habe Falten verschwinden sehen, war (noch) energiegeladener als sonst (zumindest nach den ersten harten Tagen) und meine Nachtblindheit und sogar die angeblich unheilbare Gesichtsblindheit gingen weg bzw. wurden spürbar besser.

Wie sieht deine heutige Ernährung aus, hat sich etwas verändert oder bist du zu deiner alten Ernährungsweise zurückgekehrt?

Sandra: Tja, so wie alles besser wurde, wurde danach auch alles wieder schlechter, weil ich eben nicht dabei bleiben konnte bzw. wollte. Warmes Essen ist mir nach wie vor wahnsinnig wichtig und ich bin leider all die Jahre ein fürchterlicher Horte-Hamster gewesen und hatte noch ganz viele Dinge im Haus, die man laut Anthony William nicht essen sollte, weil sie Krankheiten begünstigen. Und das, obwohl die schlimmsten Übeltäter durch meine vegane Ernährung schon weggefallen sind. Dennoch waren genug übrig. (Die vollständige Liste dessen, was man besser nicht essen sollte, findest du in meinem Erfahrungsbericht über die Detox.)

Wegwerfen kommt nicht in Frage, deshalb bin ich noch immer am Aufbrauchen. Aber es tut sich trotzdem ganz viel in meiner Küche. Wir essen viel bewusster und fettärmer und ich mache so gut wie alles selbst. Pflanzenmilch, Margarine, Bärlauchsalz, Gemüsebrühe, Puddingpulver, Semmelbrösel. Mir war vorher gar nicht bewusst, wie leicht manche Dinge selbst herzustellen sind.

Obst und Gemüse zum Reseten

Wie fühlst du dich jetzt, wie ist deine Langzeiterfahrung? Wie findet dein Körper dein neues Ich?

Sandra: Mein Körper sehnt sich nach der Detox zurück und ist jedes Mal not amused, wenn ich doch mal wieder über die Stränge schlage. Aber da die Süßigkeiten selbstgemacht und industriezuckerfrei sind, ist das auch keine Tragödie.

Wenn die Erdnuss-Schoko-Kugeln im Kühlschrank sind, lachen sie mich an. Mit einem reduzierten Vorratsschrank ist vieles einfacher, denn ein guter Wille und die Verfügbarkeit von Verlockungen geht nicht zusammen. Ich weiß schon, warum ich nicht einmal für Gäste echten Zucker im Haus habe. Aber Alternativen gibt es ja genügend: Dattelzucker, Kokosblütenzucker, Xylit, Ahornsirup und Apfelsüße.

Wenn es nach mir ginge, bräuchte ich kaum noch etwas im Haus, da ich am allerliebsten die Sachen frisch mache. Gerne auch die Hälfte der Nahrung komplett roh (das geht mit Eis, Säften und Smoothies nach wie vor schnell). Ich bräuchte zum Beispiel auch keine Nudeln mehr, nicht mal glutenfreie. Und ich habe schon ewig weder Brot noch Brötchen gegessen. Mein Körper ist total happy mit Zucchinispaghetti oder sowas. Mein Mann übrigens zum Glück auch.

Und wie machst du das mit den Kindern? Ziehen die mit bzw. vermissen die nichts?

Sandra: Schon bei der Detox hab ich mal wieder festgestellt, wie ansteckend doch das ist, was wir den Kindern vorleben: Wir haben noch nie so viel Obst und Gemüse verbraten - pardon, verspeist, wie während der Detox, denn nicht nur ich habe Unmengen davon verbraucht, sondern auch die Kinder und der Mann aßen plötzlich viel mehr davon.

Jetzt gibt es viele Dinge, die ich nicht mehr möchte, andere hier in der Familie aber schon. Die werden nach wie vor von mir besorgt, aber nicht mehr in Monsterrationen gegen die nächste potenzielle Hungersnot. Und wenn es was ist, was ich genauso gut selber machen kann, dann mach ich das auch, das ist mir am allerliebsten.

Die Kinder essen nach wie vor genug Sachen, die ich nicht so toll finde. Das wissen sie auch, aber ich lasse sie, denn mit Verboten sind die Menschen selten besonders weit gekommen. Toleranz frei von Erwartungen und Werturteilen führt zu Frieden. Schon so oft erlebt. :-)

Gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse

Welche Fehler hast du während der 28-Tage-Detox gemacht, auf die du andere aufmerksam machen möchtest?

Sandra: Schlimm waren meine Salatsoßen-Experimente, aber da kann ich wohl niemanden davor bewahren, denn die Erfahrung, wie ein Dressing ohne die üblichen Verdächtigen (Salz, Zucker, Essig, Öl) gut schmeckt, muss jeder selber machen.

Etwas schwierig fand ich das mit dem Essengehen während der Detox: In deiner liebsten Pizzeria zuzusehen, wie sich alle vollfressen - und du sitzt da mit deinem soßenlosen, ungewürzten Salat ohne Brot. Das muss nicht sein! Wenn ihr den Restaurantbesuch nicht vermeiden könnt, nehmt euch wenigstens ein selbstgemachtes Dressing mit.

Am besten entfernt ihr euch grundsätzlich, aber vor allem in den ersten Tagen nicht allzu weit von der Küche, denn der Hunger kommt ständig. Wenn ihr doch weg müsst, dann vorher den Bauch vollschlagen, sonst ist die Versuchung zu groß.

Und ihr solltet immer ganz viel Notfall-Futter dabei haben, denn wer sich nur von Obst und Gemüse ohne Fett ernährt, muss ganz schön oft nachlegen. Ich hab wirklich ununterbrochen gefuttert - wenn ich wach war so alle 1-2 Stunden. Berge von Zeug, wirklich. Trotzdem habe ich abgenommen. Obwohl das jetzt schon paar Monate her ist, hab ich das Gewicht von nach der Detox halten können. Zumindest fast. ;)

Gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse

Es gibt ja ständig neue Ernährungstrends, Diäten oder Detox-Arten. Was lässt dich glauben, dass sich dieser Trend durchsetzen wird?

Sandra: Bauchgefühl. Manche Sachen sind einfach gut und man kann das am eigenen Leib spüren, wenn man sich damit beschäftigt. Ich hatte damals auch den Vegan-Trend kommen sehen, als wir Veganer noch ständig verlacht wurden.

Ich hab noch nie eine andere Diät oder Detox-Weise ausprobiert, weil mich das nie angesprochen, sondern regelrecht abgeschreckt hat. Die von Anthony William hingegen hat mich magisch angezogen. Das wird seinen Grund haben.

Das bedeutungsschwere Gefühl hatte ich schon beim Lesen seiner Bücher, aber ich bin nicht der Mensch, der blind irgendwas übernimmt, sondern ich möchte experimentieren und die Dinge für mich selbst ausprobieren. Und meine Erfahrungen sprachen absolut für sich.

Ja, absolut. Aber sag mal, ist so eine Ernährung nicht auch irgendwie schwierig?

Sandra: Klar, aber war vor unserer Umstellung nicht auch vegan für uns schwer und kompliziert? Je mehr man sich mit den Dingen beschäftigt, Routine entwickelt und dabei seine Neophobie verliert, desto leichter wird alles.

Ich träume übrigens von einer Welt, in der es nicht nur selbstverständlich ist, dass es überall bio und vegane Sachen zu essen gibt, sondern ich hoffe auf Restaurants, in denen man einfach sagen kann: „AW-konform, was haben Sie da im Angebot?“ Und dann weiß jeder: Aha, die will jetzt mehr als vegan und bio - die will auch noch die ganzen fiesen Trigger vermeiden, die in so vielen fertigen wie auch selbstgemachten Lebensmitteln drinstecken.

Frische Säfte mit vielen Vitaminen für den Körper

Momentan ist es leider noch so, dass ich in den meisten Restaurants irgendwelche Kompromisse machen muss - oder versehentlich dann doch mindestens ein Trigger im Essen ist. Weil die Leute es gut meinen, aber natürlich überhaupt kein Schema hinter dem erkennen können, was ich meide und was nicht. Zumal ich auch nicht immer alles aufzähle, sondern nur das, was ich im jeweiligen Essen erwarte. Meist ist dann leider überraschenderweise doch wieder was drin, womit ich nie gerechnet hätte.

Ein typischer Vorfall wäre, dass ich frage: „Ist in der fruchtigen Salatsoße Zucker drin?“ Bedienung: „Ja!“

Ich: „Gut, dann bitte einmal ohne das Dressing. Stellen Sie mir einfach etwas Olivenöl auf den Tisch, dann bin ich mehr als happy!“

Und dann kommt kurz darauf die Bedienung mit dem Salat und sagt: „Herzlichen Glückwunsch, die Köchin hat Ihnen extra eine vegane Soße ohne Zucker zubereitet!“ Leider bestand die dann aus Rapsöl und Essig, was ich ja beides freiwillig nicht essen würde. Na ja. So lernt man dann eben jedes Mal dazu.

Gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse

Wie reagieren denn die Leute auf deine Sonderwünsche?

Sandra: Ich bin da sehr empathisch bzw. passe auf, wo ich mich oute und wo nicht. In einem guten veganen Restaurant mit glutenfreien Optionen kann ich schon mal meinen ganzen Vermeidungskatalog loslassen und dann erwarten, trotzdem etwas Gutes zu essen zu kriegen. In einem gewöhnlichen Restaurant kann ich nach wie vor froh sein, wenn ich überhaupt was Veganes bekomme. Und werde dafür schon schief angeschaut. Da beschränke ich mich in der Regel darauf, zu versuchen, wenigstens ein veganes, zuckerfreies Essen zu bekommen.

Da bekommt man dann im schlimmsten Fall im Sternerestaurant trockenen Spargel mit gedämpftem, ungewürzten Gemüse. Ein Trauerspiel, aber aller Anfang ist schwer.

Gerade neulich hab ich auch darüber nachgedacht, dass ich wahnsinnig gern mal wieder eine Maracujaschorle trinken möchte, wenn ich unterwegs bin, aber man kommt eben schnell spleenig rüber, wenn man fragt, was denn eigentlich in der Schorle drin ist. Oft möchte ich weder bei der Bedienung noch bei meinen Begleitern negativ auffallen - und da ist dann die einfachste Variante, dass ich mich auf stilles Wasser beschränke, denn damit kann man nichts verkehrt machen.

Wenn jemand nämlich mitbekommt, wie ich esse, kommt ganz oft die Reaktion: „Könntest du nicht einfach mal eine Ausnahme machen?“ Sich immer wieder rechtfertigen zu müssen, ist auf Dauer anstrengend. Aber um die Frage zu beantworten: Bei manchen Sachen, zum Beispiel einem Esslöffel Essig oder einem Teelöffel Agavendicksaft wäre eine Ausnahme okay, ja. Aber bei so ziemlich allem anderen muss ich das später oder auch gleich ausbaden. Von verstecktem Industriezucker bekomme ich Kopfweh. Da schlägt mein Körper sofort Alarm, um mich zu schützen, wofür ich sehr dankbar bin. ;-)

Krass. Welche anderen besonderen Dinge hast du aus deiner spannenden Erfahrung für die Zukunft mitgenommen?

Sandra: Ich verbringe jetzt noch viel mehr Zeit in der Küche als vorher. Wenn du alles frisch zubereitest, dauert es einfach länger. Neulich hab ich zum Beispiel Giersch gepflückt, während meine Gäste es sich auf der Terrasse bequem machten. Und dann ab in die Küche und Lasagne draus machen. Mit Tiefkühl-Spinat wäre es schneller gegangen.

Und auch wenn die Kinder jetzt sofort Hunger auf Schokolade haben, kann ich damit nicht dienen. Oder wenn der Mann sich gerade einen Kaffee gemacht hat und Milch braucht. Da müssen sie alle halt mal bisschen warten. Oder sie bestellen frühzeitig, dann kann ich mich vorab drum kümmern.

Wenn Gäste kommen, kauf ich schon ein paar Dinge mehr und mache weniger selbst, denn man will ja niemanden verschrecken.

Was ich sonst noch besonders spannend fand: Wie bewusstseinsverändernd die 28-Tage-Detox war, denn ich esse nun ganz anders: Nicht mehr nebenbei was reingestopft, sondern entweder esse ich - oder ich mache was anderes. Multitasking liegt mir nicht. Das habe ich dadurch rausgefunden.

Du bist also überzeugt, dass die 28-Tage-Detox mehr als nur eine Zucker-Wasser-Diät ist?

Wer sich nicht nur für Ernährung, sondern auch für Bewusstsein / Spiritualität / Persönlichkeitsentwicklung interessiert, dem kann ich die Detox nur empfehlen, denn sie macht so vieles mit einem, was sich gar nicht in Worte fassen lässt. Du lebst bewusster, in jeder Hinsicht, und lernst Demut und Dankbarkeit. Und das wiederum öffnet dir ganz neue Wege. Jeder Weg ist individuell, aber trotzdem unglaublich spannend und bereichernd. Solltet ihr auch durch die Pforte der bewussten Ernährung auf euren ganz eigenen Weg voller Magie und Zauber gelangen, wünsche ich euch viel Spaß dabei.

Vielen Dank für deine Offenheit und die vielen Informationen, liebe Sandra! Und wenn du nicht genug von der 28-Tage-Detox bekommen kannst, gibt es noch einen weiteren Beitrag auf Sandras Blog zu diesem Thema! Lass dich inspirieren.

Liebe Grüße, Lisa.

Das könnte euch auch interessieren:

Dieser Beitrag wurde von Lisa Albrecht am 16. Mai 2019 veröffentlicht.