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Digitale Märchenwelten oder lieber ein Waldspaziergang?

Nanee Seven
Nanee Seven

Die Melodie ist nur eine Sekunden lang und mehrfach am Tag bei uns zu hören. Mit ihr im Zusammenhang steht ein Rathaus, Drache, Barbar, Wallküre, Magier… alle auf irgendwelchen Leveln. Ich kenn mich damit nicht aus. Meine Familienmitglieder schon. Sie können über Handyspiele stundenlange Fachgespräche führen. So lange, bis es mir reicht und ich darum bitte, das Thema zu wechseln. Dabei habe ich gar nichts dagegen, wenn mal eins meiner Kinder kurz „sein Dorf vor Angreifern schützen muss“. Mich stört es enorm, wenn es mal wieder an Alternativen zur digitalen Spiele- und Videowelt mangelt. Die Wände gegen die ich da rede sind mittlerweile größer als unser Reihenhaus. Und mein Gefühl sagt mir, dass andere Familien mit handyfähigen Kindern ebensolche Mauerwerke in ihren Wohnzimmern stehen haben.

Foto: Nanee Seven
Foto: Nanee Seven

Was habe ich mir den Kopf zermartert! Und wie viele Verbote und Regelwerke habe ich aufgestellt und wieder eingerissen. Keine „Elektronik“ vor dem Frühstück und nach dem Abendessen. Doch „der Große“ muss noch was für die erste Schulstunde klären und „der Kleine“ wollte noch den Text seines Lieblingsliedes lernen. Okay, dann tagsüber nur eine halbe Stunde! Doch die dauerte dann von meinem Geschirrspüler ausräumen bis Wäsche wegsortieren, also deutlich länger. Die Handy-Macht ist dunkel und stark! Und wer nicht online ist, der ist nicht IN, der ist nicht dabei! Was für ein Stress das schon für Zwölfjährige ist. Wo sind die Eltern der anderen Kinder, die angeblich immer alles dürfen. Vortreten bitte, wir müssen reden! Lasst uns mal eine WhatsApp-Gruppe „handyfreies Kinderzimmer“ gründen… Egal wie ich die Situation auch betrachte, ich komme immer wieder zu diesem Punkt: Es liegt an uns Eltern den Kindern ein geregeltes Maß im Umgang mit elektronischen Medien vorzugeben und vorzuleben. Wenn ich selbst schlechte Angewohnheiten habe, kann ich von den Kindern verlangen, ihre einzuschränken? Ich bedenke meine Aktivitäten am Handy und versuche mich einzuschränken, wenn die Kids in der Nähe sind. Und auch mein Mann wird ermahnt, sollte sein Mobiltelefon sich mal auf den Esstisch verirren. Wenn die innerfamiliär eingeführten „Elektronik-Regeln“ auch nicht an jedem Tag einzuhalten sind, halten wir an einem Grundmuster fest. Zum Beispiel hat unser älteres Kind mehr Rechte, gepaart mit einigen Pflichten im Haushalt.

Foto: Nanee Seven
Foto: Nanee Seven

Der Wandel zur „Voll-Digitalisierung“ in allen Lebensbereichen lässt sich nicht abstreiten. Ich mache ein Stück weit meinen Frieden damit… und vertraue unserer „Erziehung durch Vorbildfunktion“. Heißt, wenn wir als Eltern unser Leben aktiv gestalten und uns für viele Bereiche interessieren, leben wir den Kindern eine Vielfalt vor, die sie in ihrer „inneren Datenbank“ speichern und hoffentlich wieder ausgraben, wenn Handy, Tablet und Co. an die Ladestation müssen! Und als elterliche Führungskraft darf man Fehler machen! Ich muss gestehen, es ist mir lange schwer gefallen, das tatsächlich zuzugeben. Ich habe befürchtet, dass würde den Respekt vor meiner Person schmälern. Die Erfahrung lehrte mich etwas anders. Wenn ich meinen Kindern sage, dass ich eine falsche Entscheidung getroffen habe, ist das im ersten Moment hart. Zum Beispiel, wenn sie einen Film sehen, der für sie noch nicht geeignet ist. Dann breche ich instinktiv ab. Klare Fehlentscheidung im Vorfeld! So eine Handlung sorgt natürlich für Empörung und schlechte Laune beim Nachwuchs. Doch nach einigen Minuten „durchhalten“ und Alternativen vorschlagen, glätten sich die Wogen. Und alle haben etwas gewonnen: Ich ein gutes Gefühl und die Kinder eine Erfahrung! Und zwar, dass man seinem Gefühl vertrauen sollte.

Für das neue Jahr nehme ich mir vor noch mehr mit dem Nachwuchs zu unternehmen: Fotowettbewerb im Wald (dafür kann ein Handy auch gut sein), Wasserball in der Schwimmhalle, eigene Mandalas malen, zusammen kochen und dabei Gewürze raten, nach den neusten Hip Hop-Songs tanzen. Oder mal Monopoly spielen und zwar nicht digital.

Ich wünsche allen Kindern und Eltern ein gutes Zusammenspiel… bei den vielen Herausforderungen der heutigen hochmedialen Welt.

Nanee Seven

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Dieser Beitrag wurde von Nanee Seven am 4. Januar 2017 veröffentlicht.

Kastanie 30.1.2017 um 18:44
Hallo, Nanee,
ich stimme Dir voll und ganz zu - aus eigener Erfahrung v.a. mit meinem Sohn (13). Ich war als Kind aufm Dorf viel draußen mit den anderen - heutzutage wird es so zumindest nicht mehr oder seltener gelebt. Aber, da wir zum Glück seit 2 Jahren eine Hündin haben - wir haben uns gemeinsam für sie entschieden und erleben sie als Bereicherung - sind wir auch gemeinsam für ihr Wohl verantwortlich. Weiterlesen Daher machen wir zumindest am Wochenende längere Wanderungen mit ihr und gehen innerhalb der Woche kürzere Strecken. Auch haben wir die Regelung, dass meine Kinder ihre Medienzeit erhöhen können. Wenn sie das Doppelte an Zeit draußen waren, d.h. ne Stunde draußen in Bewegung ermöglicht ne halbe Stunde länger Medienzeit zusätzlich zu der halben Stunde ohnehin. Tasten uns weiter voran und wachsen weiter mit unseren Kindern :-)
Nanee Seven 30.1.2017 um 21:47
Hallo Kastanie,
ich bin "ganz bei dir", wie man so schön sagt. Auch ich wuchs in ländlicher Idylle auf und erinnere mich noch an das Gefühl, mit der Natur und den Jahreszeiten verwurzelt zu sein. Und auch wir haben seit zwei Monaten einen Hund, was die Kinder erfreulicherweise immer wieder aus dem Hause treibt. Weiterlesen Die ewige Suche nach der richtigen Balance zwischen Medien-Konsum und Blätterrascheln im Park wird uns wohl noch ein paar Jahre begleiten. Die Idee sich Handy- & Tabletzeit quasi "erwandern" zu können, finde ich super! Vielen Dank für deinen tollen Kommentar zu meinem Artikel... ganz liebe Grüße... Nanee Seven
Ralf L 6.1.2017 um 7:08
Hallo Nanee,
manchmal komme ich mir vor wie meine eigenen Eltern wenn ich unserem Nachwuchs mal wieder sage sie sollen doch auch mal rausgehen...
So wie ich mich damals zuerst in der Musik vergraben habe und mit dem Plattencover in der Hand, Liedtexte lesend, bei ohrenbetäubendem Lärm in meinem Zimmer hockte, später dann auch vorm Commodore 64 saß, so sind die unsrigen von Playstation und Handy begeistert....
Damals wie heute ist es für die Eltern schwer dafür Verständnis aufzubringen und nicht nur "rumzunerven".
Wie du schon schreibst bleibt uns als einzige Möglichkeit, Alternativen anzubieten, in der Hoffnung, den Kids dadurch was mitzugeben.
Ich bin heute jedenfalls kein Stubenhocker mehr, sondern viel in der Natur und der Welt unterwegs...
Ab und zu trifft man auf Reisen dann auch ganz besondere Menschen und weiß, unsere Eltern haben irgendwas richtig gemacht!
Nanee Seven 30.1.2017 um 21:50
Hallo Ralf,
vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, hier ein paar Worte zu schreiben. Ja, schön war die Zeit der analogen Musik-Epoche... ;-) Viel Freude weiterhin... Gruß Nanee Seven