Das Leben ist wie ein Boxkampf

Paul Albrecht
Paul Albrecht

Am letzten Samstag gab es einen historischen Boxkampf im Schwergewicht. Der amtierende britische Boxchampion Anthony Joshua trat gegen den Ukrainer Oleksandr Usyk an, der zuvor in einer niedrigeren Gewichtsklasse geboxt hatte. Die meisten Menschen hielten den Herausforderer für zu leicht und schwach, um es mit einem 1,98 m großen Adonis wie Joshua aufzunehmen.

Das Leben ist wie ein Boxkampf

Auch unser Leben ist manchmal wie ein Boxkampf. Es stellt uns vor Herausforderungen, deren Lösungswege nicht immer eindeutig sind. Die Umstellung auf eine gesunde pflanzenbasierte Ernährung ist ein gutes Beispiel. Man könnte es mit einem Kampf gegen den eigenen Körper beschreiben. Der eigene Körper verlangt nach den Lebensmitteln, die er kennt und reagiert mit unterschiedlichen Abwehrreaktionen auf die neue Nahrung.

Die Holzhammermethode wird bei solchen Probleme gerne angewendet. Von heute auf morgen stellt man seine Ernährung radikal um und versetzt somit ungewollt seinen Körper in einen Schockzustand. Der Körper schaltet in den Überlebensmodus. Stellen wir uns vor, der Herausforderer Oleksandr Usyk hatte sich für diese Methode entschieden, z. B. indem er in den offenen Schlagabtausch mit dem Champion gegangen wäre. Vermutlich wäre er nach wenigen Runden zu Boden gegangen und sein großes Ziel den Schwergewichtstitel zu gewinnen, wäre gescheitert.

Die Holzhammer-Methode

Variante zwei ist genau das Gegenteil. Den Kopf in den Sand stecken und das Problem verdrängen, ist eine äußerst beliebte Methode. Am Beispiel der Ernährungsumstellung würde das bedeuten, dass man Ausreden findet, um den neuen Weg gar nicht erst beschreiten zu müssen. Sätze wie „Ich könnte nie ohne … leben.“ fallen dann sehr oft. Gerne werden auch die Mitmenschen als Grund genannt. „Ich würde ja, aber meine Familie macht da nie mit.“ Wäre der Boxer Usyk mit einer solchen Einstellung die große Herausforderung angegangen, dann wäre er sang- und klanglos gescheitert. Wie soll man einen stärkeren Gegner ohne Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten besiegen?

Mandelmilch

Die letzte Methode würde ich als schlau bezeichnen. Am Anfang steht die Analyse des Problems. Erscheint es einem unlösbar, muss man damit beginnen es in Teilprobleme zu zerlegen. Diese sind deutlich überschaubarer und vor allem machbarer. Will man bei der Ernährung beispielsweise statt Kuhmilch zukünftig Pflanzenmilch trinken, dann wäre es schlau, Schritt für Schritt die Milch zu ersetzen. Am ersten Tag reichen schon 10 %, die durch die pflanzliche Alternative ersetzt werden. In den folgenden Tagen kann diese Dosis in kleinen Schritten gesteigert werden. Das verhindert den Schockzustand des Körpers und lässt ihn entspannt mit den neuen Lebensmitteln umgehen. Nach und nach können dann andere Nahrungsmittel durch Alternativen ersetzt werden. Auch Oleksandr Usyk hat diesen schlauen Weg gewählt. Er hat sich auf seine Beweglichkeit, Ausdauer und boxerischen Fähigkeiten konzentriert. So konnte er 12 Runden lang den starken Schlägen des Champions ausweichen und ihn Schritt für Schritt so schwächen, dass dieser am Ende des Kampfes kraftlos in den Seilen hing. Nachdem das Urteil der Punktrichter verkündet wurde, vergoss der Ukrainer einige Tränen, denn er gewann an diesem Abend den Schwergewichttitel. Seine emotionale Reaktion zeigte, dass ihm die ganze Sache wirklich wichtig war und er viel Herzblut investiert hatte. Er hat weder den Kopf in den Sand gesteckt, noch hat er sich für die Holzhammermethode entschieden. Er hat einen schlauen Weg gewählt. Und wenn er das kann, warum sollten wir das nicht auch in unserem Leben schaffen?

Beitrag von Paul Albrecht am 3. Oktober 2021 veröffentlicht.