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Kein Opfer mehr durch Selbstverteidigung! So stärkst du dein Selbstbewusstsein

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Ich hatte Herzrasen, weiche Knie und zittrige Hände. Ich schaute mich ständig um und wünschte mir, bald am Ziel zu sein. Nicht selten hörte ich von Übergriffen in abgelegenen Straßen, vor allem bei Dunkelheit. Ich hatte Angst und fühlte mich sehr unsicher, als ich damals in meiner Schulzeit einen Zeichenkurs am Stadtrand besuchte. Hätte ich damals gewusst, dass mir ein Selbstverteidigungskurs helfen könnte - hätte ich ihn sofort besucht. Diverses habe ich mir auf dem Weg zum Kurs ausgemalt. Ich wüsste aber auch gar nicht, was ich hätte tun können, wäre mir plötzlich jemand mit weniger guten Absichten über den Weg gelaufen.

Vor einigen Jahren lernte ich Kati Bieselt kennen, eine außergewöhnliche Frau mit einer Stärke, die ich mir damals gewünscht habe. Wenigstens nur eine kleine Scheibe davon! Das hätte bereits gereicht. Kati macht sehr lange Kampfkunst und bietet seit einiger Zeit auch Selbstverteidigungskurse (Raum Hamburg, aber auch bundesweit) an. Über ihre sportliche Mode habe ich ja bereits berichtet, denn sie ist auch Grafik- und Modedesignerin. Ich habe Kati einige Fragen zum Thema Selbstbewusstsein und Selbstverteidigung gestellt. Kati sagte einmal: "Wenn wir Selbstverteidigung erlernen, übernehmen wir nicht nur Verantwortung für unser Leben, sondern sind präsenter im Alltag." Und genau das wollen die Meisten von uns. Wir wollen präsenter im Alltag sein, wir wollen selbstbewusster sein und wir wollen wissen, was wir in einer brenzlichen Situation tun können, um uns selbst zu helfen. Wenn wir die wichtigsten und effektivsten Griffe und Fertigkeiten parat haben, dann gibt uns das viel mehr Sicherheit und Selbstvertrauen. Am Besten starten wir mit dem Interview.

Kati Bieselt Crashkurs-Selfdefence

Liebe Kati, du machst schon seit sehr vielen Jahren Kampfsport. Wie hat eigentlich alles angefangen, warum hast du dich dafür entschieden?

Kati Bieselt: Hallo Lisa! Ja, es waren bei mir letztendlich zwei Komponenten, weshalb ich mich für Kampfkunst entschieden habe. Zum einen hatte ich schon immer eine Affinität zu Kampfkunst, ich finde das schick, wie sich Kampfkünstler bewegen, mich fasziniert die Ruhe, die Kraft und natürlich die Disziplin. Filme wie Kill Bill, Bruce Lee und sogar Rocky haben mich begeistert. Warum ich aber damit angefangen habe, hatte einen anderen Grund. Ich war selber sechs Jahre Opfer häuslicher Gewalt, mit natürlich allen mentalen und körperlichen Demütigungen, die man sich vorstellen kann und da wollte ich raus. Damals bin ich von meinem Freund als ein total seelisches Wrack von Berlin nach Hamburg geflüchtet und war erst unterm Radar. Und statt Psychologen entschied ich mich für Meditation und Shaolin Kung Fu. Meine Alpträume hörten nach ungefähr einem Monat auf und so ist aus mir geworden, was ich jetzt bin.

Wow, ich bewundere deine Stärke, denn nicht jeder kann einfach sagen: "Ich fange neu an" und kann auch tatsächlich die Vergangenheit loslassen. Es ist sehr schwer, aus so einem Zustand rauszukommen. Ich habe vorhin gesagt, dass du Kampfsport machst, du redest aber von Kampfkunst. Was ist da der Unterschied?

Kati: Zwischen Kampfkunst und Kampfsport gibt es natürlich Unterschiede. Gemeinsam ist bei beiden die Fitness, die Kondition, die Körperbeherrschung und die Bewegung. Kampfkunst hat keine Regeln und keine Gewichtsklassen, auch keine Altersunterschiede. Kampfkünste haben meist eine lange Tradition oder zusätzliche Themen, wie bei dem Shaolin Kung Fu, die Meditation oder die Achtsamkeit. In der Selbstverteidigung benutzt man mehrere Techniken aus beiden - man geht dort aber direkt auf die Primärziele oder man flieht. Letztendlich ist es egal, mit was man startet, um bestimmte Erfahrungen zu machen. Man muss sich einfach leiten lassen, wo man sich hingezogen fühlt. Ich habe damals mit Shaolin Kung Fu begonnen, dort lernte und lerne ich immer noch den Weißen Kranich, Ving Tsun, VT (das ist die Wong Linie), Jeet Kune Do, das kennt man von Bruce Lee und ergänze das Ganze mit Aikido und reiner Selbstverteidigung. Das ist mein Konzept.

Kati Bieselt Crashkurs-Selfdefence

Wir kennen uns eine ganze Weile und damals habe ich dich über eine ganz andere Schiene kennengelernt. Magst du mal erzählen, was du heute beruflich machst, du bietest ja nicht nur Selbstverteidigungskurse an, sondern machst auch noch Mode.

Kati: Genau, ich bin mit drei Bereichen mittlerweile selbstständig. Zum einen, wie du schon sagtest, die Crashkurse für Selbstverteidigung, und zum anderen habe ich eine kleine Grafikagentur (redsundesign in Hamburg), und ich mache natürlich Mode und habe ein kleines Label (Shaolin by leob), wo ich für kampfkunst- oder bewegungsaffine Menschen Mode kreiere. Denn irgendwann lebt man das, was man tut, und man hat Lust auf bequeme Kleidung, die auch ins Büro passt. Und mit diesen drei Bereichen verdiene ich mein Geld. Natürlich mache ich das nicht ganz alleine. Ich habe in allen Bereichen Partner, mit denen ich zusammenarbeite.

Foto: Rüdiger Schestag, Models: Carolyn Hawighorst & Afat Lamed Şahal (Mustafa Kücüksahal), Mode: Shaolin by leob

Ich kann mir auch vorstellen, dass viele Menschen Angst haben, so einen Crashkurs zu besuchen. Was würdest du den Menschen empfehlen?

Kati: In einem Selbstverteidigungskurs von mir - der geht an 1-2 Tagen je 3 Stunden oder an einem Tag ca. 6 Stunden und da wird zum einen Theorie der Selbstverteidigung erläutert, also die Gesetzeslage in Deutschland, der Umgang mit Panik, Distanzen in der Notwehr, auch Waffen des Körpers, die du einsetzen kannst, und dann auch die Primärziele der Notwehr und auch Arten der Gewalt. In der Praxis werden dann alle grundlegenden Griffe und Fertigkeiten für den Ernstfall trainiert wie Angriffe, Würgen (von vorne, hinten oder Seite), Festhalten, Befreiungstechniken (mit Schlagkombination), Fesseln sprengen, Abwehr von Schlägen und Tritten, richtiges Schlagen, Vergewaltigungs- und Bodenabwehr, Kopftritte... sowas wird alles durchgenommen. Verhalten und Befreien in der Menge, bei Panik, diverse Hebel, Verhalten bei zwei Angreifern, generelles Verhalten bei Angriffen mit Waffen. Und das wird permanent wiederholt. Zum Schluss gibt es einen Stresstest, da wird akut geprüft, was hängengeblieben ist und das macht den Meisten am meisten Spaß.

In meinen Kursen sind zu 80 bis 90 Prozent eigentlich nur Anfänger und so sind die Kurse auch aufgebaut. Von 0 auf 100 und deshalb nenne ich das auch Crashkurs. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass dieses Wissen etwa ein Jahr zur Verfügung steht und danach sollte man es refreshen wie so ein Erste-Hilfe-Kurs. Die Kurse an sich sind immer sehr lustig, weil man dieses ernste und asoziale Thema der Prügelei nur mit Spaß vermitteln kann. Generell habe ich jetzt vier Kurse, also eine offene Gruppe, wo sich Einzelpersonen anmelden können. Das findet einmal im Monat definitiv in Hamburg statt, das sind 8 Teilnehmer. Ist aber auch deutschlandweit auf Anfrage möglich. Dann habe ich auch Firmenevents - für Mitarbeiter gerade in öffentlichen Einrichtungen - und dann Einzelkurse, alleine oder mit Freunden, wo man sehr gezielt auf die Bedürfnisse eingehen kann. Der vierte Kurs - das sind Opfer von Gewalt - und da muss man natürlich mehr mit Meditation, Gespräch und Körpertherapie arbeiten. Aber das funktioniert auch auf Spendenbasis.

Kati Bieselt Crashkurs-Selfdefence

Was würdest du sagen: Kann man Selbstbewusstsein oder die innere Stärke erlernen? Hilft Kampfsport denn auch wirklich, sich innerlich stark zu fühlen?

Kati: Ja, Selbstbewusstsein und Stärke kann man natürlich erlernen und meiner Meinung gibt es da nichts besseres als Kampfkunst, Kampfsport oder auch Meditation. Das ist im Prinzip absolut gesicherte Nebenwirkung des Trainings. Dieser Vorher-Nachher-Effekt ist selbst bei meinen kleinen Crash-Kursen, die wirklich nur sechs Stunden dauern, deutlich zu spüren und auch von den Teilnehmern mit Feedback bestätigt worden. So sollte man vorgehen, wenn man es braucht. Wenn man Selbstbewusstsein braucht, sollte man sich genau dem widmen.

Musstest du dich eigentlich im Alltag auch mal körperlich verteidigen? Gab es eine Situation, in der du wirklich deine Kampfkünste anwenden musstest?

Kati: Ja, es gab so ein paar kleine Situationen, die aber vorwiegend fremde Personen betroffen haben, wo ich mich dann doch manchmal eingemischt habe. Die habe ich jedoch meist schon durch meine Art verbal wegdiskutiert oder deeskaliert. Hier am Hamburger Kiez bei uns, habe ich peinlicherweise auch zwei kleine Hausverbote bekommen, weil ich dort mich selber messen wollte - das passiert wahrscheinlich jedem Kampfkünstler irgendwann mal. Aber das ist schon Jahre her. Mittlerweise passiert mir das nicht mehr (lacht).

Kati Bieselt Crashkurs-Selfdefence

Kannst du einen Tipp geben, wie man sich wehren könnte, wenn man z.B. aus einer U-Bahn aussteigt und merkt, jemand läuft hinter einem her und man bekommt etwas Angst? Evtl. spricht dann dieser Jemand dich an und du hast ein ungutes Gefühl. Was sollte man in so einer Situation machen?

Kati: Ja, da fragst du schon etwas ganz Entscheidendes. Ich fahre selbst Bahn, auch spät abends, man muss sehr präsent sein. Wenn man Angst hat, dann strahlt man das auch aus. Und solche Menschen suchen natürlich Opfer und keine Gegner. Das heißt, in der Bahn muss man sich so setzen, dass man alles im Überblick hat. Man merkt das schon, wenn man angeglotzt wird und ich schaue dann z.B. dem Menschen direkt ins Gesichts. Sie spüren, dass ich mir ihr Gesicht gemerkt habe. Und wenn jemand mit aussteigt, und wir sind ganz alleine auf dem Bahnhof, und ich habe ein ganz ungutes Gefühl, verlasse ich mich da auch auf mein Instinkt. Ich drehe mich um und suggeriere dem Menschen, dass er hier kein Opfer vor sich hat, sondern einen Gegner. Und da gibt es spezielle Mittel und spezielle Sätze, die man sagen kann, und das ist so das erste, was ich bei meinen Crashkursen beibringe. Wie verhält man sich mit Panik oder wie verhält man sich in dieser Situation. Das muss man direkt üben, das ist nicht so nebenbei einfach erklärt. Aber vom groben her muss man Präsenz ausstrahlen. Und ja, das ist es schon.

Danach entscheidet sich ob ich in den Kampf gehen muss (wenn nichts anders übrig bleibt) oder ich fliehen kann - das ist von Einzelfall zu Einzelfall natürlich unterschiedlich. Aber das ist ja eine Frage der Entscheidung. Wenn ich mich für den Kampf entscheide, kann ich nicht schlagen und dabei noch wegrennen, sondern da gehe ich rein, dann will ich dahin, wo der Gegner steht. Und wenn ich mich für die Flucht entscheide, dann suche ich mir andere Hilfsmittel, schmeiße irgendwas und renne weg.

Kati Bieselt Crashkurs-Selfdefence

Mich würde sehr interessieren, ob so ein Selbstverteidigungskurs auch für Leute geeignet ist, die körperlich nicht so stark sind, die z.B. weniger Sport treiben und ihre Muskelkraft nicht so trainiert ist?

Kati: Bei diesen Selbstverteidigungskursen geht es nur um reine Techniken. Gar nicht um Kraft. Und Kondition, Alter oder Behinderung spielen dabei keine Rolle. Das kann jeder erlernen und ich habe da sowohl 70-jährige als auch 14-jährige, kräftige wie auch komplett Leute, die schon ganz ganz lange keinen Sport mehr gemacht haben, und das hat damit nichts zu tun.

Was würdest du sagen: Lieber ein Pfefferspray dabei haben oder einen Selbstverteidigungskurs besuchen? Wobei ich gar nicht genau weiß, ob man ein Pfefferspray einsetzen darf bzw. dabei haben darf...

Kati: Ganz klar, lieber einen Selbstverteidigungskurs besuchen, weil jede Waffe, die du dabei hast, die kann man dir auch wieder wegnehmen. Und am Besten ist nachher sogar beides, von mir aus. Aber der Selbstverteidigungskurs hat klar 100% von mir (lacht). Pfefferspray ist in Deutschland erlaubt, aber es muss als Tierabwehrspray gekennzeichnet sein.

Für all diejenigen, die mehr über dich erfahren möchten, wo können sie dich finden?

Kati: Wer noch mehr Interesse hat, der kann auf meine Webseite www.crashkurs-selfdefence.de gehen und dort kann man sich Informationen holen. Man kann mich auch anrufen, mir eine Email schreiben - ansonsten bin ich auch unter meinem Namen Kati Bieselt bei facebook oder bei XING zu finden. Und ab Juli natürlich unter meinem neuen Namen - da ich heirate - unter dem Namen Kati Johannsen, aber ich glaube, wer unter Kati Bieselt googelt, der findet mich sowieso.

Das Thema "Heiraten" ist sowieso total spannend - sag mal, wirst du dein Kleid, falls du überhaupt ein Kleid tragen möchtest, selbst entwerfen?

Kati: Ja, das Kleid habe ich natürlich selbst entworfen, ich bin aber sehr dankbar, dass meine Kollegin und Freundin das für mich näht. Darauf habe ich so gar keine Lust. Und bis zum 17. Juni ist ja noch richtig Zeit. Das wird noch eine Weile dauern.

Interview mit Kati Bieselt - Ende

Ich hoffe sehr, dass euch das Interview gefallen hat und dass ihr ein paar Inspirationen mitnehmen konntet. Vielleicht fällt es euch einfacher, eine Entscheidung zu treffen, ob ein Selbstverteidigungskurs für euch in Frage kommt oder nicht. Ich persönlich würde sehr gerne einen Selbstverteidigungskurs mal besuchen und bei der nächsten Gelegenheit werde ich das auch tun.

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Dieser Beitrag wurde von Lisa Albrecht am 7. Mai 2017 veröffentlicht.

Lisa Albrecht

Lisa Albrecht

Gründerin & Autorin

Auf meinem Blog teile ich mit dir meine Erfahrungen und Gedanken, wie man ein Stück "grüner" Leben kann. Gesünder, leichter, harmonischer, bewusster und einfach glücklicher. Ich bin verheiratet, habe eine Tochter und mit zwei Hunden ist unsere Familie aktuell komplett. Ich liebe das Meer und mit Erdbeeren kann man mich leicht bestechen.

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