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Er und Sie und die Mitte dazwischen

Nanee Seven
Nanee Seven

„Du wolltest Gottschalk, ich wollte Sport! Wir guckten Tatort.“ Die Sonne ist fast hinter den Häusern verschwunden. Die Ampel schaltet auf Grün und wir fahren nach rechts Richtung Autobahn. „Du wolltest Hamburg, ich nach Berlin! Es wurde Schwerin.“ Jazzklänge erfüllen den Innenraum. Roger Cicero, der leider dieses Jahr ganz plötzlich verstarb, besingt seine Beziehung… und all die Kompromisse in ihr. Du musst grinsen. Ich weiß warum. Nicht weil wir gerne Tatort gucken, nein. Rogers ironischer Unterton ist nicht zu überhören. Erfüllung durch Verzicht? Wir erreichen die Autobahn und ich sehe nochmal zu dir rüber. Ich kenne dieses Lächeln genau. Wir beide wissen, wovon er da singt. Ein Kompromiss ist ein Schritt in Richtung Mitte. Die Mitte zwischen zwei Personen.

Fotografie: Nanee Seven
Fotografie: Nanee Seven

Als wir noch keine Ringe trugen und die Liebe erst ein paar Monde alt war, da gab es keine Diskussionen über „Entgegenkommen“. Es war schmetterlingleicht… wir waren verliebt. Der Wunsch des Anderen war gleichsam unserer. Doch diese außergewöhnlich-intensive Zeit endet immer irgendwann. Die Kunst ist, sich immer wieder selbst ein Stück aufzugeben, für die gemeinsamen Ziele. Und das viele Jahre lang. Doch wieviel ist ein Stück? Wann wird man sich und seinen eigenen Wünschen untreu? Kann man dem Gefühl vertrauen, dass da innerlich sagt: „Jetzt bin ich wichtig!“ Ich sage ja. Die Maß-Einheit für ein gesundes „für sich selbst einstehen“ darf man ruhig ein bisschen suchen. Bei einer harmonischen Partnerschaft wird diese Suche auch immer wieder neu gestartet. Das konnte ich beobachten. Denn die Gegebenheiten ändern sich. Jobwechsel, eine weiteres Kind, eine Erkrankung… vieles muss so eine Liebe „aushalten“. Ich glaube es geht, wenn die Wechselwirkung aus Geben und Nehmen ausgeglichen ist. Zumindest über weite Strecken.

Fotografie: Nanee Seven
Fotografie: Nanee Seven

Es gab Jahre, da ist es uns nicht gelungen. Da nahm der eine zu viel und der andere gab ungebremst. Oder umgekehrt. Wir waren nicht Feuer und Flamme, sondern Ebbe und Flut. Ich sprach in Worten, du in Zahlen. Mein launisches Leiden widersprach deinem männlichen Stolz. Manchmal krachte es auch… doch viele lange Spaziergänge weiter fanden wir wieder zusammen. Besprachen, was wir gemeinsam brauchen. Immer mit der Motivation das zu erhalten, was uns so wichtig aneinander war. Und wir stellten erneut fest, dass die Gegensätzlichkeiten der beiden Geschlechter so herrlich zusammenpassen… vorausgesetzt er und sie haben den gleichen Abstand zu eben jener Mitte.

Fotografie: Nanee Seven
Fotografie: Nanee Seven

Manchmal ist diese Mitte auch schon zu weit weg. Der Weg verbaut mit Vorwürfen, Zweifeln, Angst und Enttäuschung. Viele Paare trennten sich… Freunde, Bekannte, Nachbarn. Wir haben mitgelitten, zugehört und hatten Verständnis. Die gemeinsame Sprache ging verloren und sie machten sich auf die Suche nach Jemandem, der die Zeichen besser deutet. Auch in der neuen Partnerschaft gilt: Zuhören, entgegenkommen und für sich selbst einstehen. Das haben wir für alle erhofft, die irgendwo von vorn begannen. Du und ich sind noch da… zusammen. So viele Monde lang. Das Radio summt leise vor sich hin. Die Scheinwerfer erhellen den Asphalt der Straße. Ich lächle.

Ich wünsche allen Paaren eine klare Linie zur eigenen Mitte… in sich und zum Gegenüber.

Nanee Seven

Beitrag von Nanee Seven am 16. Dezember 2016 veröffentlicht.

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