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Interview: Vegan, glutenfrei und zuckerfrei von heute auf morgen - mit großen Überraschungen!

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Ich liebe diese Interview-Reihe. Heute stelle ich euch eine willensstarke Frau vor - Birgit Terletzki - die von heute auf morgen ihre Ernährung radikal umgestellt hat, ohne rückfällig zu werden. Hut ab! Warum sie diese Umstellung gemacht und welche Überraschungen sie dabei erlebt hat, erzählt sie euch am Besten selbst.

Interview mit Birgit Terletzki

Liebe Birgit, stell dich doch mal kurz vor. Wer bist du, was machst du und wie ernähst du dich bzw. wie lange schon?

Ich bin gelernte Gesundheitsökonomin und Pharmareferntin und war irgendwann in dem Hamsterrad Job, Familie und Kind gefangen. Ich merkte, dass ich mich mehr und mehr verlor, der Bezug zu mir und meinem Körper entglitt - ich funktionierte nur noch. Nach langen langen inneren Auseinandersetzungen mit mir, aber auch mit meiner Umgebung und den Erfahrungen, welche ich in meinem Job mache, beschloss ich etwas zu ändern. Ich habe dann eine Ausbildung als ganzheitliche Stressbewältigungstrainerin absolviert und mich durch die unterschiedlichsten Qualifikationen und eigenen Erfahrungen auf die ganzheitliche Rückengesundheit spezialisiert. Heute coache ich Privatpersonen und halte in Unternehmen Seminare im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung. Auch schreibe ich Ratgeber zu besagten Themen. (Anmerkung der Redaktion: Wer Interesse hat, findet Birgits Webseite unter www.birgit-terletzki.de)

Glutenfreier Nudelsalat

Ich habe vor 3 Jahren begonnen, mich vegan, gluten- und zuckerfrei zu ernähren, wobei heute ein immer größerer Anteil an Rohkost meinen Speiseplan dominiert.

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"Zero Waste geht auch an meinen Tagen."
Lisa Albrecht
Meine Lösung

Wie geht es dir gesundheitlich? Vor allem interessiert mich die Frage, ob du nach der Umstellung auf vegane (+ zucker- und glutenfreie) Ernährung einen Unterschied gemerkt hast?

Heute geht es mir sehr gut. Ich habe nach der Ernährungsumstellung quasi zusehen können, wie es mir tagtäglich besser ging. Ich habe mich bereits nach kurzer Zeit sehr viel energiegeladener gefühlt, mein Heuschnupfen ist verschwunden, und auch meine zu diesem Zeitpunkt oft heftigen Hüftgelenkschmerzen waren nach knapp 4 Wochen komplett weg. Heute fühle ich mich viel leistungsfähiger, kann konzentrierter arbeiten, habe einen besseren Schlaf und fühle mich morgens völlig ausgeruht. Ich habe das Gefühl, dass mein Bewusstsein klarer und meine Intuition ausgeprägter als vorher ist. Ich habe durch diese Umstellung, gepaart mit Bewegung an der frischen Luft und bewusste Auszeiten und Entspannungsmomente nur für mich, meine Lebensenergie zurück.

Warum hast du denn deine Ernährung umgestellt? Hast du dich gleich vegan-, zucker- und glutenfrei ernährt?

Ich habe über die Jahre hinweg Heuschnupfen entwickelt, der dann so schlimm war, dass ich vom Frühling bis zum Herbst hinein damit geplagt war. Nicht nur ich war aber davon geplagt, auch meine Mitmenschen fühlten sich durch das ständige Niesen irgendwann gestört. Und als mir meine Schwester das damals so auf den Kopf hinzu gesagt hatte, habe ich den Entschluss gefasst etwas zu ändern. Ich ging zu einer mir bekannten Heilpraktikerin und habe mich testen lassen. Und da kamen einige Dinge zum Vorschein - der Heuschnupfen war nur noch das, was das Fass zum Überlaufen brachte. Und mit diesem Tag musste ich meine komplette Ernährung umstellen. Bis dato habe ich mich typisch westlich industriell ernährt. Zwar wenig Fleisch, aber gerne Fisch, Eier, Käse, Milch, Nudeln und Brot. All das war von heute auf morgen umzustellen.

Ab dem Tag habe ich komplett vegan, gluten- und zuckerfrei gegessen. Innerhalb weniger Wochen merkte ich wie es mir einfach besser ging. Da es aber auf den Winter zuging, konnte ich natürlich bzgl. des Heuschnupfens nicht sagen, ob es hilft. Aber ich hatte keine Verstopfungen mehr, ich war energiegeladener, meine Kopfschmerzen und Migräneanfälle die mich regelmäßig heimsuchten, all das war weg - und zwar komplett.

Und zum Frühjahr hin musste ich auch nicht mehr niesen. Der Heuschnupfen hatte sich also auch verabschiedet.

Pfannkuchen vegan und glutenfrei

Was hat dich während der Umstellung inspiriert, an deinem neuen Ernährungskonzept festzuhalten?

Der Erfolg, der sich nach so kurzer Zeit schon einstellte. Und wenn ich mal rückfällig wurde und ein Stück Käse gegessen habe oder glutenhaltige Lebensmittel - dann habe ich sofort gemerkt, dass es mir nicht mehr bekommt. So kann ich heute sagen, sobald ich 2 / 3 Tage glutenhaltige Lebensmittel esse, dann kann ich auf meine Kopfschmerzen regelrecht warten. Und das ist für mich ausreichend, bei meiner heutigen Ernährungsform (vegan, gluten- und zuckerfrei mit einem sehr hohen Anteil an Rohkost, Grün und Wildkräutern) zu bleiben.

So eine Willensstärke bewundere ich. Hast du einen Tipp, wie man diese Zeit durchhält?

Ich glaube, das ist typbezogen und abhängig vom Leidensweg. Bei mir war einfach der Grund, dass ich für die Behandlung bei der Heilpraktikerin (das waren 10 Sitzungen insgesamt) viel Geld bezahlt habe. Das war für mich der erste Grund durchzuhalten. Als ich aber dann bemerkte, wie es mir tagtäglich immer besser ging und sobald ich rückfällig wurde es mir schlagartig schlecht ging - das war und ist für mich mein ganz persönlicher Durchhaltetipp.

Zucchini-Ghanoush

Wie ernährt sich eigentlich deine Familie? Hat sich deine erfolgreiche Umstellung auch auf sie abgefärbt?

Ja auf jeden Fall. Für meinen Mann war das kein Problem. Und meine Tochter macht da auch mit, aber natürlich bekommt sie auch mal ihre Lasagne oder jetzt zu Weihnachten ihren Gänseflügel. Aber eben auch alles in Maßen und dann auch in Bioqualität. Es macht auch keinen Sinn, ihr gegen ihren Willen meine Ernährungsform aufzuzwingen, denn dann würde sie mit Sicherheit heimlich und eventuell auch in größeren Mengen das Ungesunde in sich hineinstopfen. Und dann hat man ja rein gar nichts gewonnen. Sie merkt mittlerweile auch selbst, was ihr gut tut und was nicht. Und außerdem verändert sich der Geschmack und so reagiert man auch sensibler auf das was man isst.

Gesundheitsökonomin und Pharmareferentin - was macht man da genau? Bzw. was hast du früher gemacht und was macht eine Stressbewältigungstrainerin (heute) genau?

Also als Gesundheitsökonomin beschäftigt man sich ja eher mit - aus meiner Sicht trockenen Fakten. Man betrachtet die Gesundheit eher aus wirtschaftlicher Sicht. Zum Beispiel wie Krankenhäuser wirtschaftlicher arbeiten. Im Endeffekt müssen am Ende immer die Zahlen stimmen. Und das finde ich im Gesundheitsbereich oft am Rande des menschlichen. Denn wenn ein Patient oder eine Person als Wirtschaftsfaktor gesehen wird - wo steht dann seine Gesundheit im Vordergrund? Deshalb habe ich diese Tätigkeit nur sehr kurz ausgeübt. Und eine Pharmareferentin berät Ärzte über Medikamente und Diagnosemittel, die bei welchen Indikationen am besten geeignet sind. Klärt über neue Studienergebnisse auf. Sie ist praktisch Schnittstelle zwischen Arzt, Apotheker, Klinik und Pharmahersteller.

Leinsamen-Schnitten

Als Stressbewältigungstrainerin mit Schwerpunkt Rückengesundheit halte ich Seminare in Unternehmen. Hier zeige ich effektive und vor allem praxistaugliche Lösungen, wie man trotz all der Anforderungen eine gute und gesunde Abgrenzung schafft. Wie man sich wieder entspannen kann und vor allem fit und gesund hält. Und all das im Einklang mit Job, Familie und Freizeit. Das ist meine Berufung, vor allem weil ich auch sehe, wie dankbar oft kleine Impulse und Veränderungen übernommen werden und eine sehr große Wirkung zeigen.

Hast du dich eigentlich mal auf Glutenunverträglichkeit richtig testen lassen? Oft wird behauptet, dass dies nur ein Trend ist. Ich merke aber, dass es so vielen Menschen besser geht, wenn sie z.B. auf Gluten verzichten.

Nein, das habe ich nicht. Es gibt meines Wissens nach auch keinen Test der die Unverträglichkeit austesten kann, nur eine Sensibilität. Aber ich spüre, dass es mir ohne Gluten besser geht. Was ich aber vertrage - wenn ich es in Maßen esse - das ist Kamut. Kamut ist ein Urweizen und wohl verträglicher, weil er nicht so hochgezüchtet ist. Zu diesem Thema wird es bei meinem Onlinekongress, welcher am 03.02.2017 startet, einen Interviewgast geben, der zu dem Thema Gluten viel Wissen hat. Ich bin schon sehr gespannt.

Welche Fehler hast du deiner Meinung nach gemacht in der Umstellungszeit auf vegan?

Ich kann nicht sagen, dass ich einen Fehler gemacht habe, da es sich für mich richtig angefühlt hat, alles komplett umzustellen und dabei zu bleiben. Natürlich habe ich mich aber auch informiert, ob und was ich supplementieren muss und habe dann Vitamin B12 regelmäßig genommen. Heute würde ich sagen, dass man auch die Sojaprodukten sehr mäßig zu sich nehmen sollte. Doch mir haben sie geholfen, von Milch und Fleisch wegzukommen und nach knapp 1 Jahr hatte ich eh keinen Appetit mehr darauf. Es hat sich also bei mir alles gefügt und wie gesagt, ich lernte auch mehr und mehr auf meinen Körper zu hören.

Wie gehst du mit dem Thema B12 um?

Ich supplementiere regelmäßig Vitamin B12 und Vitamin D. Alle anderen Mineralstoffe und Spurenelemente nehme ich genügend durch den großen Anteil an Rohkost und grünen Smoothies auf.

Smoothie-Bowl

Gibt es etwas, was du heute aus deiner Ex-Ernährung richtig vermisst?

Ja, manchmal habe ich Lust auf ein Stück Ziegen- oder Schafskäse. Das ist auch ok, wenn ich mir dieses dann mal gönne. Aber auch das tut mir dann nicht wirklich gut, so dass das wirklich äußerst selten vorkommt. Und es wird auch immer weniger.

Was ißt du aktuell am Liebsten?

Nun jetzt in der kalten Jahreszeit Tomatensuppe im Hochleistungsmixer warm gemacht. Oder Karotten-Kartoffelsuppe mit einem Stück Ingwer und viel Majoran. Grüner Smoothie mit Papaya, Limette, etwas Ingwer, Zimt und Kardamon. Und ansonsten immer wieder Buchweizennudeln mit Tomatensauce. Ach ja, Tomate-Mozarella und zwar den Mozarella aus Cashewkernen und Flohsamenschalen gemacht und Balsamicodressing aus Apfelessig und Kokosblütenzucker hergestellt. Lecker :-)

Was würdest du meinen Lesern raten, die sich noch nicht trauen, vegan mal auszuprobieren?

Sich zu fragen, WARUM sie sich nicht trauen. Was sind hier die größten Bedenken? Man kann ja auch einfach mal mit einer Mahlzeit anfangen. Zum Beispiel die Milch weglassen und durch einen Pflanzendrink ersetzen. Wichtig ist aber, und das gilt eigentlich bei allen Ernährungsformen, möglichst naturbelassene Lebensmittel zu sich zu nehmen. Sprich darauf zu achten, dass keine Zusatzstoffe und Ersatzstoffe drin sind - und da sind die veganen Fertiglebensmittel auch Spitzenreiter. Da muss man schon aufpassen, denn sonst ist diese Ernährungsweise genauso schädlich. Und nicht alles so verbissen sehen. Einfach offen und neugierig bleiben, ausprobieren und beobachten.

Möchtest du ein Teil dieser Interview-Reihe werden?

Du hast auch eine spannende Geschichte im Bezug auf vegane Ernährung oder Gesundheit erlebt und möchtest unseren Lesern von deiner Erfahrung berichten? Schreibe mir eine Email! Ich freue mich, von dir zu lesen.

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Dieser Beitrag wurde von Lisa Albrecht am 9. Dezember 2016 veröffentlicht.

Sarah 31.5.2019 um 11:38
Das klingt alles sehr positiv.
Ich ernähre mich größtenteils zuckerfrei, ohne gluten und kaum Fleisch oder Fisch.
Ich bin immer auf der Suche nach guten Rezepten, wo hast du dich da orientiert wenn ich fragen darf`? In dem Bericht war ein Pancake Bild, es sah so gut aus:))
Lisa von ich lebe grün! 6.6.2019 um 10:40
Liebe Sarah,
dankeschön! Schau mal, hier sind einige Pfannkuchen-Rezepte - die meisten sind gluten- und zuckerfrei.
https://www.ichlebegruen.de/Suche/pfannkuchen
Auch das, was du suchst, ist dabei.
Liebe Grüße,
Lisa
Birgit Terletzki 12.12.2016 um 14:23
Liebe Lisa,
vielen Dank, dass dich meine Geschichte interessiert hat und du mich interviewt hast.
Lieben Gruß
Birgit
Lisa von ich lebe grün! 15.12.2016 um 19:08
Liebe Birgit,
aber gerne doch! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht!
Alles Liebe,
Lisa