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Hashimoto-Thyreoiditis und der Zusammenhang mit Gluten / Schilddrüsenunterfunktion

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Vor einiger Zeit hatte ich ein sehr spannendes Gespräch mit der Heilpraktikerin Jen Fuchs über vegane Ernährung, Hashimoto und grüne Smoothies. Dabei erzählte sie mir, dass ihre Hashimoto-Schilddrüsenerkrankung u.a. durch das Weglassen von Gluten wieder zurück ging. Jen ist heute symptomfrei und ihre Werte sind ganz normal. Das hat mich sehr interessiert und ich lud sie zu einem weiteren Gespräch ein. Diesmal sprachen wir nur über das Thema: Hashimoto und Gluten. Viel Vergnügen beim Lesen!

Du hattest Hashimoto und bist nun symptomfrei. Kennst du als Heilpraktikerin auch andere Fälle, die zu dir mit Hashimoto in die Praxis kamen und sich die Schilddrüse nach der Therapie oder Ernährungsumstellung wieder regeneriert hat? Schließlich gilt Hashimoto in der Regel als nicht therapierbar.

Jen Fuchs: In der Schulmedizin wird Hashimoto ganz klassisch einfach sehr oft mit Schilddrüsenhormonen "behandelt". Dabei haben die Hormone keinen positiven Einfluss auf die Autoinmmunreaktion (meine persönliche Erfahrung war eher negativ... ich habe einen meiner schwersten Schübe gehabt, als ich damals mit L-Thyroxin angefangen habe). Bei anderen Autoimmunerkrankungen kommen oft Cortison und noch viel stärkere Medikamente zum Einsatz, die aber meist nur den Zweck erfüllen, das Immunsystem zu drücken. Ein funktionierendes, gutes Immunsystem ist aber nun mal unerlässlich für unsere Gesundheit und deshalb sollte man auch da ansetzen. Aber um nochmal auf die Frage zurück zu kommen: Ja, ich kenne auch andere Menschen mit Hashimoto, denen es inzwischen wieder richtig gut geht (die sind auch meist den Weg gegangen, den ich gegangen bin).

Gluten und Hashimoto
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Dein Weg bestand im Endeffekt aus grünen Smoothies, viel Rohkost und dem Verzicht auf Gluten. Kannst du mir genau erklären, warum ausgerechnet Gluten hier eine Rolle spielt? Und was bietet Rohkost unserem Körper?

Jen Fuchs: Zum einen hängen Hashimoto und die andere Autoimmunerkrankung Zöliakie zusammen bzw. treten oft gemeinsam im Doppelpack auf. Bei Zöliakie werden nicht mal Spuren von Gluten vertragen. Das es aber noch eine allgemeine Glutenunverträglichkeit gibt, bzw. das Gluten belastend für den Darm und damit für unser Immunsystem ist (80% des Immunsystems sind im Darm lokalisiert), wurde erst später bekannt. Gluten ist ein Klebereiweiss, welches, wenn es sich mit Wasser verbindet, auch so eine "klebende" Konsistenz bekommt. Für Brote mag das eine tolle Eigenschaft sein, für unseren Darm hingegen nicht. Je schlechter die Beschaffenheit des Darmes, so gibt es mehr gesundheitliche Probleme, allem voran Autoimmunerkrankungen und auch Allergien oder Hauterkrankungen.

Rohkost bietet unveränderte Nährstoffe, während beim Kochen meist viele Nährstoffe verloren gehen oder sich verändern. Zum Beispiel: Über 42 Grad denaturiert Eiweiß und wertvolle, für unsere Gesundheit und besonders für die Verdauung wichtige Enzyme gehen kaputt. In der Rohkost achtet man für gewöhnlich auch darauf, genug GREENS in Form von Salaten, Säften oder Smoothies zu sich zu nehmen. Diese versorgen den Mensch mit wertvollen Mineralien, Vitaminen, Spurenelementen, sekundären Pflanzenstoffen und viel mehr. Die ideale Basis für unseren Körper.

Gluten und das Schilddrüsengewebe - ein interessanter Zusammenhang

Lisa Albrecht: Ich fand bei meiner Recherche die Information, dass Gluten zur Hashimoto-Erkrankung stark beiträgt. Wenn der Darm nicht in Ordnung ist und zum Beispiel etwas durchlässiger wird, kann auch Gluten (bzw. Glutenprotein Gliadin) in unseren Blutkreislauf gelangen. Unser Immunsystem reagiert darauf mit Antikörpern - nur leider wird nicht nur Gliadin abgewehrt, sondern auch die Schilddrüse oder besser gesagt, das Schilddrüsengewebe - da es eine ähnliche Struktur aufweist. Laut Wikipedia und wie du Jen es bereits bestätigst, wird ein gehäuftes Auftreten einer entzündlichen Erkrankung der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis) und Zöliakie beschrieben. Spannend finde ich auch auf Wikipedia den Hinweis, dass nur 10 Prozent der Menschen die typischen Magen-Darm-Probleme als Zeichen von Zöliakie (oder auch Glutenunverträglichkeit) haben. Eine richtige Zöliakie kann aber andererseits auch sehr schwache Symptome mit sich bringen, wie zum Beispiel Unwohlsein und Verstopfung. Das Krankheitsbild ist bei jedem sehr individuell. Übrigens, Jen Fuchs hat ein eBook Natürlich gesund - ganzheitlich deine Entgiftungsorgane stärken und unterstützen geschrieben, das auf die wichtigsten Organe wie Darm, Leber, Nieren, Lympfsystem und Lunge eingeht. Es hilft, sich wieder deutlich fitter zu machen! Ich habe es bereits gelesen und fand es sehr gelungen.

Gluten und Hashimoto

Hast du eine Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie? Hast du direkt oder nach einer Zeit nach dem Weglassen von Gluten etwas gemerkt?

Jen Fuchs: Ganz ehrlich. Das weiß ich nicht. Ich vermute aber stark, dass ich Zöliakie habe. Ein Test auf Zöliakie (Blut oder Dünndarmbiopsie) kann das anzeigen, den muss man allerdings machen, wenn man noch Gluten isst und da ich einfach erst ein 4-Wochen-Glutenfrei-Test machen wollte und es mir sooo unglaublich gut damit ging, war es für mich keine Option, wieder anzufangen Gluten zu essen, nur um herauszufinden, ob ich Zöliakie oder "nur" eine Glutenunverträglichkeit habe. Schon ein paar Tage nach dem Weglassen des Glutens war meine Dauerübelkeit, die ich fast 30 Jahre mit mir rum geschleppt hatte, verschwunden und da war für mich klar: Nie wieder Gluten!

Echt, Dauerübelkeit? Ich weiß im Grunde auch nicht zu 100%, was ich hatte, aber als Kind hatte ich eine furchtbare Verdauung und meine Haut auf den Handflächen schälte sich regelmäßig, so dass man fast Fleisch sehen konnte. Seit ich kein Gluten esse, habe ich eine tolle Verdauung und habe das Gefühl, dass ich ohne Grauschleier im Kopf lebe. Ganz komisch!

Jen Fuchs: Da Gluten allgemein Autoimmunkrankheiten anheizt, ist mein erster Rat (auch an meine Patienten), das Gluten zu streichen und das möglichst umgehend. Damit meine ich nicht langsam -wie bei einer Umstellung auf vegane oder rohköstliche Ernährung.

Meinst du, eine rohköstliche Ernährung ist für die Hashimoto-Erkrankung und den gesamten Körper eher ein zusätzlicher gesundheitlicher Bonus, aber das Weglassen von Gluten von großer Wichtigkeit?

Jen Fuchs: Ich glaube, die Rohkost ist ein absoluter Bonus-Punkt: Sie ist vorrangig hoch basisch (das ist extrem wichtig, besonders wenn man schon krank und damit auch total übersäuert ist, denn jeder Erkrankung liegt auch eine Übersäuerung zu Grunde), zudem wie schon erwähnt, bietet sie eine unverfälschte Nährstoffvielfalt und unterstützt den Körper beim Entgiften, was bei Hashimoto ebenfalls sehr wichtig ist. Nochmal zurück zur Dauerübelkeit... das war mein persönlicher Alptraum. Um so wundervoller ist es jetzt, denn zu dem Zeitpunkt hatte ich schon gar nicht mehr damit gerechnet, die Übelkeit loszuwerden. Das Glutenfrei-Projekt hatte ich ja nur wegen dem Hashimoto gestartet, dass die Übelkeit plötzlich verschwand, war der totale Bonus- und Überraschungseffekt!

Übrigens, genau das, was du mit dem Kopfgefühl beschreibst, höre ich auch ganz viel von Patienten, die anfangen, auf Gluten zu verzichten. Genau wie sich bei den meisten die Verdauung reguliert.

Vorher wusste ich gar nicht, dass diese Klarheit im Kopf überhaupt existieren kann. Erschreckend finde ich auch die Aussage, dass Stuhlgang 1 Mal pro Woche noch im normalen Rahmen ist.

Jen Fuchs: Ja, das finde ich ebenso erschreckend. Ich hatte übrigens früher auch Verdauungsprobleme und habe damit meine Eigenvergiftung nur gefördert. Ich finde, mind. ein täglicher Toilettengang sollte sein. Das ist aber sicher bei vielen Menschen nicht so.

Zum Schluss würde ich gerne folgendes wissen: Wenn dich jetzt ein Arzt untersuchen würde, merkt er, dass du an Hashimoto erkrankt warst?

Jen Fuchs: Nein, ich denke nicht. Meine Schilddrüse sieht ja wieder normal aus und meine Schilddrüsenhormone sind auch im Rahmen.

INTERVIEW ENDE

Herzlichen Dank, liebe Jen, für die Tipps und vielen Informationen. Ich hoffe sehr, dass dieses Interview andere Menschen inspiriert. Hier geht es zum eBook von Jen Fuchs: Natürlich gesund - ganzheitlich deine Entgiftungsorgane stärken und unterstützen.

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Dieser Beitrag wurde von Lisa Albrecht am 9. Januar 2017 veröffentlicht.

Ortmann 10.8.2019 um 0:28
Hallo vielen Dank für die tollen Informationen, ich bin auch in der Schule und der Patient verzichte seit circa vier Wochen auf Gluten und bin total begeistert dass die Verdauung besser funktioniert nehme aber immer noch die gleiche Dosis an Hormonen ab wann muss man die reduzieren Beziehungsweise wie lange braucht die Schilddrüse ist die arbeitet
Lisa von ich lebe grün! 3.9.2019 um 11:32
Hallo!
Das freut mich sehr, dass du erste Erfolge spürst. Wann man Medikamente absetzen kann, ist eine sehr individuelle Sache und muss mit dem Arzt besprochen werden. Ich kann dir an dieser Stelle leider nicht helfen. Alles Liebe!
Liebe Grüße,
Lisa
Verena 18.4.2017 um 16:17
Danke für den interessanten Artikel! Da mir nun auch zwei (Schul-)mediziner dazu geraten haben, mich wegen meiner Hashimoto einmal für mindestens 6 Wochen glutenfrei zu ernähren, habe ich dieses Experiment nun begonnen.
Eine Frage die mir auf der Seele brennt ist, wie "streng" man nun vorgehen muss. Weiterlesen Ich habe zwar keinerlei Probleme, mich mit glutenfreien Produkten zu ernähren. Aber Kreuzkontaminationen zu vermeiden fällt mir sehr schwer, da sich meine Familie "normal" ernährt. Muss ich nun wie jemand der Zöliakie hat, extra einen neuen Toaster, Handrührgerät, Backformen, Schneidebretter & co kaufen und bei jedem Restaurantbesuch Angst vor Kreuzkontaminationen haben? Oder sind solch geringe Spuren von Gluten für Hashimotopatienten irrelevant?
Danke und LG
Verena
Lisa von ich lebe grün! 19.4.2017 um 18:15
Liebe Verena,
super, dass du die glutenfreie Ernährung mal ausprobierst. Berichte bitte, wie es bei dir klappt! Ich denke, man muss nicht so streng leben wie ein Zöliakie-Erkrankte. Das ist meine Meinung, am Besten frag noch mal deinen Arzt. Aber ich denke es geht einfach darum, den Konsum sehr stark einzuschränken bzw. Weiterlesen erstmal wegzulassen.
Ich drück dir die Daumen!
Liebe Grüße,
Lisa
Raketenmaedchen 15.2.2017 um 13:13
Herzlichen Dank für dieses interessante Interview - es entspricht auch meinen Beobachtungen / Erfahrungen als Betroffene. Auch bei mir ist die Kombi Hashimoto & Glutenunverträglichkeit diagnostiziert. Leider fällt mir der Umstieg auf die Rohkostküche schwer. Weiterlesen Deshalb werde ich mir nun das EBOOK von Frau Fuchs durchlesen. Fakt ist: Gluten & Zucker machen mich dauerhaft krank. Eine Gesundung und Regeneration wäre für mich das absolute Ziel :-)
Lisa von ich lebe grün! 21.2.2017 um 9:17
Liebes Raketenmaedchen,
ich persönlich habe zwar nichts (mehr) mit der Schilddrüse, aber nach der Ernährungsumstellung auf glutenfrei (eigentlich wegen meiner Tochter) fühlte mich wie neugeboren. Ich wusste gar nicht, dass ich eine Unverträglichkeit hatte! Weiterlesen Erst dann einige Monate nach der Umstellung merkte ich, wie anders das Leben sein kann - ohne tägliche Probleme, die man vorher als Normal angenommen hat.
Alles Liebe!
Liebe Grüße von Lisa
Raketenmädchen 21.2.2017 um 10:16
Liebe Lisa,
seit ca. 6 Jahren lebe ich nun glutenfrei und mein Hashimoto ist immerhin zum Stillstand gekommen. Regeneriert hat sich die Schilddrüse noch nicht.
Deshalb stelle ich meine Ernährung gerade auf hauptsächlich vegan um und integriere immer mehr Rohkost in meinen Speiseplan. Weiterlesen Auch meinen Kaffeekonsum habe ich stark eingeschränkt, da der übermäßige Koffeeingenuß den Darm weiterhin schädigt.
Ich denke, daß es noch eine ganze Weile dauern wird, bis der Darm soweit gesundet ist, um Hashi-frei & Schmerzfrei leben zu können.
Deine Seite finde ich jedenfalls super & ich hole mir ständig Informationen, Tipps & Anregungen von Dir! Herzlichen Dank dafür !! Herzliche Grüße, Raketenmädchen
Lisa von ich lebe grün! 25.2.2017 um 15:26
Liebes Raketenmädchen,
ich hoffe sehr, dass deine Schilddrüse sich noch stärker regeneriert. Manchmal dauert so etwas sehr lange. Und es gibt immer Verbesserungspotential. :-) Ich bin mir sicher, dass du auf dem richtigen Weg bist! Die Ergebnisse sind ja jetzt schon total klasse.
Liebe Grüße,
Lisa
Mary 10.1.2017 um 8:39
Interessantes Interview, die genauen Ursachen vieler Autoimmunerkrankungen sind ja leider immer noch nicht geklärt.
Eine Aussage, die ich allerdings verwunderlich finde, dass uns "für die Verdauung wichtige Enzyme" durch Erhitzung von Speisen fehlen sollen. Weiterlesen Rohkost in eine ausgewogene Ernährung zu integrieren gehört für mich absolut dazu, aber wenn man bei der Physiologie des Menschen bleibt: unser Körper stellt diese für die Verdauung wichtigen Enzyme selber her. Angefangen vom Speichel, der bereits beginnt die Nahrung vorzuverdauen bis hin zu den Pankreasenzymen, die im Dünndarm hinzukommen und dort aktiviert werden. Diese Enzyme verdauen unsere Nahrung, und sind speziell dafür gedacht. Auch extreme pH-Werte verändern und denaturieren Proteine, sodass auch sollten solche Enzyme in Rohkost enthalten sein, ein Großteil den Magen (pH 1-2) wohl nicht funktionsfähig überstehen würden.
Das soll kein Plädoyer gegen rohköstliche Ernährung sein, ich befürworte die regelmäßige Integration in die tägliche Ernährung auf jeden Fall (wenn auch nicht auschliesslich) und halte es für einen Teil von gesunder Ernährung. Ich denke nur, dass das Argument mit den Verdauungsenzymen nicht ganz schlüssig ist, unser Körper hat da schon ein ziemlich cleveres System entwickelt :)
Jen 11.1.2017 um 10:22
Hallo liebe Mary, ja ich glaube bzgl der Ursachen bei Autoimmunerkrankungen das es da nicht nur eine gibt. Ich glaube es komm einiges zusammen, bei Hashimoto würde ich sagen spielt z.B. die Seele auch eine sehr große Rolle (oft Traumata in der Kindheit), kommen dann noch Impfungen, falsche/nährstofflose Ernährung, Medikamente etc... Weiterlesen dazu , kann sich leider so etwas daraus entwickeln. Der Darm spielt meist da (körperlich gesehen) die größte Rolle.
Ich persönlich glaube es macht ein unterschied ob die Eiweiße in der Nahrung bereits vor dem Verzehr denaturiert sind oder es erst im Magen passiert, weil durch den Magensaft werden die Eiweiße ja umgebaut bzw. kommen in ihre aktive Form und werden so im Dünndarm dann in Aminosäuren zerlegt, diese werden dann vom Darm aufgenommen.
Ich selbst habe gemerkt das ich durch Kochkost Probleme mit der Verdauung hatte (Oberbauchkrämpfe, aber nicht der Magen, sondern Schmerzen die bis in den Rücken zogen) etc...Da spielte Gluten aber natürlich auch noch mit, aber ich hab gemerkt das ich ALLES roh besser vertrage, selbst alle Kohlarten (die man ja eigentlich wegen den Goitrogenen bei Hashimoto nicht essen sollte und schon gar nicht roh....aber bei mir ist alles gut und mir bekommt es).
Danke aber für deine Anmerkung. Finde es auch sehr interessant das es bei jedem Menschen auch anders ist. Ich sage auch nicht das Rohkost für jedermann gemacht ist (also ein Teil Rohkost natürlich, aber jetzt nicht diese pure reine Rohkost), aber für mich ist sie perfekt und hat mir so viel geholfen!
Liebe Grüße
Jen