Ein Date mit mir!
Ich muss mir das Grinsen verkneifen. „Tschüß!“ Ich winke, bis sie um die Ecke gebogen sind. Dann fällt die Tür ins Schloss. Stille. Ich LIEBE diesen Moment! Wirklich und wahrhaftig. Innerlich jubiliere ich! Es ist wie eine kostbare Schachtel Pralinen, welche man sich sonst nicht leisten würde. Da liegen sie vor einem, die vielen Wunderwerke hoher Chocolatier-Kunst und man weiß nicht, welche man zuerst essen soll!
Mein Mann ist arbeiten und die Kids bei Freunden, zufällig beide am gleichen Abend. Solche Momente sind selten. Beim Gang durch den Flur fällt mein Blick in den Spiegel, der über der Kommode hängt. Müde sehe ich aus, aber zufrieden. Ich lächle mich an. Unwillkürlich muss ich an früher denken. Als mein Zuhause noch nicht voller Legosteine, einzelnen Socken und Chipstüten war. Da hatte ich viele freie Abende. Es war auch schön, aber sehr still.

Ich wollte dieses Leben. Was es an Kraft kostet, merkt man erst mittendrin. Doch trotz der gefühlt tausend Butterbrote, welche ich in den letzten Jahren geschmiert habe, trotz des ewigen Grenzen setzten, Konflikte lösen, Mutter und Partnerin sein, bin ich immer noch da. Und bin saustolz auf mich. Solche Abende nutze ich um mir selbst dankbar zu sein, um meine Wunden zu lecken, meine Fehler zu verzeihen und meine Taten zu bestaunen. Dazu gibt es Pfannengemüse mit Vollkornreis, das mag sonst keiner. Ich decke den Tisch für mich, ganz liebevoll… als hätte ich noch Gäste. Hab ich mir verdient, denke ich. Wäsche wegräumen oder Papiere sortieren ist tabu. Ich bin ja nicht faul… ich arbeite an meiner inneren Stabilität. Manchmal sehe ich mir eine Sendung im Internet an, die ich schon lange sehen wollte. Fernsehen oder Facebook ist mir jetzt ein „zu viel an Information“. Schließlich habe ich ein Date... mit einer komplizierten, taffen, Person mittleren Alters, recht ansehnlich, mit Herz und Hirn. Diese begleitet mich ins Bad. Ich nehme den Badeschaum „Tiefenentspannung“ und sehe zu, wie die violette Flüssigkeit meine Wanne in ein Phantasiegebilde verwandelt. Der Relax-Schriftzug auf dem Fensterbild zwinkert mir zu. Daneben steht eine Götterstatue, welche ich auf einem Flohmarkt „gerettet“ habe. Zahnpasta-Reste am Spiegel. Ich steige in die Wanne und spüre wie die Wärme des Wassers Frieden in jede meiner Zellen bringt.

Ja, ich bin gerne mal mit mir allein. Und nehme mir vor, solche Gelegenheiten öfter herbei zuführen. Zum Beispiel nach der Arbeit, eine halbe Stunde im Schlafzimmer, auf dem Bett rumliegen. Wie früher als Teenie, als man mit seiner Gedankenwelt noch überfordert war. Auch heute bin ich hin und wieder „overloaded“ und sollte mir mehr Zeit nehmen, mich zu sortieren… bevor ich die Kids zum nächsten Football-Training begleite. Es muss ja nicht gleich meditieren sein. Das mache ich, wenn die Jungs alleine Wäsche waschen können. Oder eher, mal sehen…
Ich wünsche dir viele schöne Dates… mit dir selbst und anderen.
Nanee Seven
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