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Windelfrei Tipps: Schneller trocken werden? Unsere Erfahrung über 2 Jahre

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Wir praktizieren bei unserer Tochter Windelfrei, so nennt man die (nicht unbedingt) windelfreie Alternative zu dem herkömmlichen Wickeln und in die Windel machen. Sie ist schon eine Weile trocken und nun möchte ich euch über meine Windelfrei-Erfahrung berichten. Seit sie 6 Wochen alt wurde, fingen wir an, sie zum Geschäfte-Erledigen abzuhalten. Darauf kamen wir eigentlich über einen Umweg: Sie hatte immer wieder Bauchschmerzen durch Blähungen (Artikel-Tipp: Windelfrei beim Baby hilft gegen schmerzhafte Koliken). Wir probierten Windelfrei aus und stellten fest, dass beim Abhalten die Luft aus dem Bauchraum deutlich besser entweichen konnte. Das Baby war deutlich zufriedener und das war eine tolle Lösung! Je näher wir uns mit dem Thema Windelfrei beschäftigt haben, umso mehr spannendes fanden wir heraus. Windelfrei bringt so viele Vorteile mit sich. Es sorgt für eine engere Bindung und gute Kommunikation zwischen Eltern und Kind. Dabei kann man auf die Bedürfnisse des Kindes unmittelbar eingehen. Auf unsere gesamte Windelfrei-Erfahrung inkl. Vor- und Nachteile möchte ich in diesem Artikel eingehen.

Windelfrei - schneller trocken werden? Erfahrung

Was ist überhaupt Windelfrei?

Windelfrei funktioniert folgendermaßen: Jedes Baby sendet Signale, wenn es sein Geschäft verrichten muss. Diese Signale muss man ein wenig "erlernen", genauso wie man sein Baby erst kennenlernen muss. Wenn man das Baby aufmerksam beobachtet und z.B. nackt strampeln lässt, merkt man nach einer Weile, wann es sich entleeren möchte. Es gehört Intuition und ein wenig Ausprobieren dazu. Sendet es gerade Signale, geht es auch schon mit dem Abhalten los. Das Baby wird unten frei gemacht (wenn es nicht schon nackt ist) und in eine Abhalteposition gebracht. Das könnte z.B. eine Position sein, wo die Beinchen des Babys angewinkelt sind, der Baby-Rücken an Papas oder Mamas Bauch lehnt und somit die Oberschenkel leicht gegen den Babybauch gedrückt werden. Das ist eine bequeme und gut gestützte Position. Und so kann das Baby das Geschäft erledigen. Dieses Prozedere spielt sich sehr schnell ein. Vielleicht sind die ersten Male etwas ungewohnt, für beide Parteien. Aber schnell wird es zur Routine und läuft fast automatisch. Soweit, sogut. :-)

Praktische Kleidung und eine Backup-Windel erleichtern Windelfrei

Ist eure Tochter denn komplett ohne einer Windel unterwegs? Das ist die häufigste Frage, die uns gestellt wurde. Nein. Unsere Tochter trug trotzdem eine Windel, weil es natürlich für uns Eltern ein wenig die Anspannung nimmt. Diese wurde als Backup bzw. Sicherheit benutzt. Wir kauften fast immer die Ökowindel Naty und falteten zusätzlich eine Bio-Mullwindel als Einlage, die die Windel einerseits zusätzlich schützte und andererseits unserer Tochter das Gefühl vermittelte, dass das Pipi-Machen sich nass anfühlt. Nur nebenbei: Ich habe auch einen Artikel geschrieben, wo ich die Ökowindeln Naty und Moltex miteinander vergleiche. Die Mullwindel kann man ganz easy waschen und man verbraucht insgesamt sehr wenige Wegwerfwindeln. Natürlich kann man auch komplett auf Stoffwindeln umsteigen. Teilweise haben wir das auch gemacht, ich bevorzugte selbstgenähte. Eine Zeitlang haben wir nur Moltontücher verwendet, darüber eine gebrauchte Wollhose.

Diese Technik, unterschiedliche Windel zu kombinieren, hat sich bei uns sehr bewährt. Ich finde es unnatürlich, wenn das Kind total trocken bleibt, obwohl es gerade in die Windel Pipi gemacht hat. Was vermittelt das dem Kind? Es lernt nicht, wie es sich tatsächlich anfühlt, wenn man in die "Hose" macht. Ich denke, dass die Kinder aus diesem Grund oft deutlich länger brauchen, trocken zu werden. Die heutige Einwegwindel hält sowas von trocken, dass das schon fast unheimlich ist. Mit unserer Windel-Kombination konnten wir auch ganz normale Kleidung tragen. Es gibt auch Windelfrei-Kleidung, auch wenn die Auswahl noch nicht groß ist. Man braucht diese aber nicht zwingend. Der Nachteil an normaler Babykleidung ist, dass man zum Geschäfte-Machen wieder mehrere Schichten ausziehen muss und evtl. nicht so schnell reagieren kann. Deshalb kann man die Windelfrei-Anziehsachen untenrum einfach schnell öffen oder sie haben bereits einen unauffälliger Schlitz. Aber wie gesagt, wir hatten ganz normale Babykleidung, damit funktionierte es auch. Auf jeden Fall kann ich bestätigen, dass Windelfrei im Sommer mehr Spaß macht als im Winter. Die Raumtemperatur ist deutlich angenehmer, man kann das Baby öfter ohne Kleidung oder leichter bekleidet spielen lassen und man kann es schnell mal abhalten, ohne die vielen Kleidungsschichten erst ausziehen zu müssen.

Windelfrei - schneller trocken werden? Erfahrung

Das Baby Zuhause und unterwegs abhalten

Zu Hause haben wir uns eine angenehme Abhalteposition gesucht. Eine kleine Wanne stand im Bad auf unserer Oberschenkel-Höhe, darin landeten dann die Baby-Geschäfte. Es war für uns völlig normal, Pipi und Kaka zu sehen, zu riechen und anschließend alles wieder wegzumachen. Wer das alles ecklig findet, sollte für sich eine andere Methode wählen. Ich fand die Tatsache deutich schlimmer, eine volle Kaka-Windel zu eliminieren. Vor allem, da sich der ganze breiige Baby-Stuhl oft überall in der Windel verteilt und schlimmer noch, aus der Windel herausläuft. Uns ist das zum Glück bis auf zwei Mal nicht passiert. Da ist Windelfrei total minimalistisch und echt nicht ecklig. Ich persönlich fand weder das Abhalten, noch das Popo-Sauber machen bei meinem Kind ecklig. Ich glaube, so geht es auch den meisten Eltern. Man gewöhnt sich schnell daran. Die Wannen-Technik hat sich vor allem am Anfang sehr bewährt. Das Baby wiegt noch nicht viel, man kann es länger ohne Schmerzen im Handgelenk halten und mit ihm auch noch Quatsch dabei machen. Später wechselten wir auf das große Klo. Wir saßen praktisch falschrum zu zweit drauf, das Baby vor uns in der Abhalteposition, wir - je nach dem wer dran war - ganz am Rand, das Kind haltend. Man muss ja nur das Klo treffen, mehr ist das ja nicht. :-) Unterwegs gestaltet sich Windelfrei unterschiedlich leicht oder schwierig. Es ist immer die Frage der Einstellung der Eltern. Wir haben alles dezent gemacht. Wir haben das Baby nie vor Augen anderer abgehalten, wir suchten immer nach einem Rückzugsort. Von daher, ist unsere Windelfrei-Erziehung anderen überhaupt nicht aufgefallen. Für unterwegs kann man sich ein Töpfchen mitnehmen, das von der Größe und Form zur persönlichen Abhalte-Technik passt. Man kann auch mal in die Büsche springen. Aber das sollte man nur tun, wenn man sich sicher ist, dass es auch erlaubt und ok ist. Wir versuchten immer alles Zuhause zu erledigen, bevor wir das Haus verlassen haben. Das geht deutlich besser mit einem etwas älteren Baby, so meine Erfahrung. Wenn man gar nicht abhalten kann, das Kind aber muss, gibt es noch folgende Lösung. Man erklärt dem Baby oder Kleinkind, dass es ruhig in die Windel machen kann. Entweder hat man bereits eine aufsaugende Windel an oder man wechselt dann schnell die nasse Geschichte. Gelassenheit und Flexibilität gehören zu Windelfrei dazu.

Windelfrei nachts? Wenn das Kind schläft

Es gibt Eltern, die ihr Baby oder Kind auch nachts abhalten. Das habe ich auch gemacht. Aber ich habe es nicht jede Nacht gemacht, sondern nur, wenn ich merkte, dass das Kind es verlangt und danach ruhig wieder schlafen kann. Wenn unsere Tochter geschlafen hat, im Schlaf aber nass wurde, lies ich sie einfach weiter schlafen. Nachts hatte sie die Naty-Windel an, die sie bereits tagsüber als Backup getragen hatte. Wenn wir Glück hatten, war sie am Morgen noch trocken. Und wenn nicht, dann eben nicht. Sie schlief also auch nicht nass, sondern die Windel leistete ihre Dienste. Ich konnte es mir körperlich nicht leisten, nachts auch noch, zusätzlich zum Stillen, zum Abhalten so richtig wachzuwerden. Denn ich war und bin heute immer noch mind. 3 Mal nachts wach, auch wenn es jetzt nur noch kurz ist. Wer gerne nachts abhalten möchte, könnte die Handtuch-Technik ausprobieren. Man wechselt quasi immer nur eine Schicht, sobald diese nass geworden ist. Aber damit habe ich keine Erfahrung. Wir waren also sehr zurückhaltend in der Nacht mit dem Abhalten und versuchten uns einfach nur zu regenerieren.

Windelfrei - schneller trocken werden? Erfahrung

Hatten wir Rückschläge bei Windelfrei?

Ich bin mit euch ganz ehrlich: Bei uns hat Windelfrei ganz gut funktioniert, aber nicht perfekt. Wir haben unsere Tochter immer, wenn es ging, abgehalten. Große Geschäfte landeten bei uns sogut wie nie in die Windel. Es gab insgesamt vielleicht eine Handvoll Ausrutscher. Pipi landete schon öfters in der Windel, aber das eher Phasenweise. Es gab Zeiten, da klappte das Abhalten wunderbar. Es lief ohne Probleme und wir staunten oft selbst über die unglaublich gute Kommunikation. Während der Entwicklungsschübe klappte Windelfrei nicht immer so gut. Da war unsere Tochter mit anderen Dingen mehr beschäftigt und signalisierte schwächer ihre Ausscheidungsbedürfnisse. Es gab auch Phasen, da war die Windel ständig nass, ohne dass wir ihre Signale bemerkt hätten. Sie weigerte sich regelrecht abgehalten zu werden. Insgesamt ist das ein sehr "bewegliches" Thema und damit muss man einfach rechnen. Wer Kinder hat, weiß, dass nichts konstant ist. Aber grob kann ich schon sagen, dass das Windelfrei gut funktioniert hat, eben mit Höhen und Tiefen.

Kein Druck oder falscher Ehrgeiz beim Windelfrei

Sehr, sehr wichtig ist es, keinen Druck bei Windelfrei auf das Kind und sich selbst auszuüben. Wenn es klappt, freut man sich. Wenn es nicht klappt, ist es genauso in Ordnung. Man sollte weder ein Gesicht ziehen, noch das Kind doof angucken. Schimpfen sollte man selbstverständlich auch nicht. Windelfrei ist eine Kommunikation, kein Wettbewerb. Wir hatten auch nie die Absicht, unsere Tochter so schnell wie möglich trocken zu bekommen. Es läuft einfach, wie es läuft. Fertig! Nicht immer läuft alles so, wie man es sich vorstellt. Jeder Tag ist ein neuer Tag. So lief bei uns Windelfrei.

Vorteile bei Windelfrei

Neben der sehr engen Kommunikation zwischen unserer Tochter und uns über das Natürlichste auf der Welt, ist mir noch der Punkt aufgefallen, WIE man mit der ganzen Pipikaka-Mach-Geschichte dabei umgeht. Für unsere Tochter war dieses Thema nie komisch. Sie hatte auch nie das Problem, dass sie Körperausscheidungen "verliert" und sie erstmal "loslassen lernen" muss. Man macht Pipi und Kaka, und fertig. So einfach und unkompliziert. Es ist ja auch keine große Sache, eigentlich. Wir saßen vor ihr auch immer auf dem Klo und sie wusste, wie es geht. Irgendwann wollte sie auch gerne auf dem großen Klo sitzen. Ein Kinderklositz hilft da enorm. Schwups, und schon landete das große Geschäft nicht mehr in der Abhalteposition im Klo, sondern in der selbstständig-sitzenden Haltung. So funktionierte es dann mit Pipi-Machen. Töpfchen und Klo - beides waren fast von Anfang an willkommen. Ich denke, durch Windelfrei hat das Kind einfach einen etwas anderen Start und näheren Zugang zu diesen Dingen. Sie sehen ihre Ausscheidungen, sie merken klarer, was dabei passiert und gehen damit offener um. Es ist eine ganz normale Funktion des Körpers!

Werden Windelfrei-Kinder schneller trocken?

So einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten. Logisch klingt es für mich schon und ich vermute, die meisten Eltern freuen sich, wenn ihr Kind trocken geworden ist. Ich genieße die wickelfreie Zeit nun sehr. Wenn ein Kind erst lernt, in die Windel zu machen und später diesen Automatismus wieder umlernen muss... geht wieder Zeit drauf. Ich habe festgestellt, dass Kinder ihre Schließmuskel deutlich besser im Griff haben, als uns von der Windelindustrie eingeredet wird. Unsere Tochter wurde richtig trocken mit 2 Jahren und 2 Monaten. Ich kenne persönlich noch ein anderes Windelfrei-Kind, das wurde mit 1,5 Jahren bereits trocken. Viele Windelkinder aus meinem Bekanntenkreis, sind noch nicht soweit und um einiges Älter. Und es gibt Windelträger, die sehr früh trocken werden. Aber eine leichte Tendenz ist schon da, zumindest nach meinen Beobachtungen. Meine Eltern haben übrigens auch Windelfrei mit mir praktiziert und ich war knapp unter 2 Jahren tagsüber und nachts trocken. Mag sein, dass ich mich wiederhole: Windelfrei ist für mich nicht eine Technik, das Kind schnell trocken zu bekommen. Es ist eine tolle bedürfnissorientierte Kommunikation.

Fazit: Windelfrei - ja oder nein?

Was spricht denn dagegen? Wenn man sein Kind betreut, viel Zeit mit ihm verbringt und auf seine Bedürfnisse achtet - ist auch Windelfrei einen Versuch Wert. Man kann es sich gestalten, wie man möchte. Es bereichert nur und stärkt die Beziehung. Ich würde Windelfrei sofort wieder machen. Wer weiß, vielleicht komme ich nochmal in den Genuss. :-)

Eure Lisa.

Beitrag von Lisa Albrecht am 25. Mai 2016 veröffentlicht.