Fahrprüfung mit 36: Führerschein zum Greifen nah

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht
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Es ist vier Uhr nachts. Ich kann nicht schlafen, so tief steckt mir der gestrige Tag in den Knochen. Denn ich hatte meine praktische Führerschein-Prüfung. Alleine der Gedanke daran schießt sofort unzählige Raketen voller Adrenalin in den Körper. Ich bekomme wieder Herzklopfen.

Führerschein mit 36 - praktische Fahrprüfung - meine Erfahrung

Bald geht es los!

Meine praktische Führerschein-Prüfung fand am frühen Nachmittag statt. Immerhin hat das Wetter mitgespielt, weder regnete es in Strömen noch gab es einen Schneesturm. Es war bedeckt, zum Fahren also ideal. Bereits am Vortag spürte ich den Ernst der Lage. Oh mein Gott, es ist soweit. Dass ich das doch noch mache, mit 36! Überhaupt, der Gedanke fühlt sich surreal an. Ich fürchtete, dass es einfach nur ein Traum ist und ich aufwachen könnte.

Am Prüfungsmorgen bin ich sehr nervös. Ich wache schon mit schwitzenden Händen auf und spüre ein starkes Kribbeln am ganzen Körper. Wenn das so weitergeht, breche ich vor der Prüfung bereits zusammen. Ich muss etwas für mehr Entspannung tun. Glücklicherweise lief meine letzte Fahrstunde richtig gut. Es war wie immer eine Doppelstunde, mein Fahrlehrer war sehr zufrieden und sprach mir Mut zu. Mit einem guten Gefühl konnte ich also in die Prüfung gehen.

Führerschein mit 36 - praktische Fahrprüfung - meine Erfahrung

Ich packe gegen die Nervosität meine Notfall-Strategie aus. Schon Tage zuvor visualisierte ich mir meine Prüfungsfahrt. Ich stellte mir alles haargenau vor, wie sich das Auto anfühlt und riecht, wie die Stimme des Prüfers vom Rücksitz klingt, wie ich einparke... Einfach alles. Ich roch sogar ein leichtes Duft-Gemisch aus Zigaretten und Rasierwasser, obwohl ich es mir nur vorstellte. Unglaublich ist aber, dass sich meine Vorstellung bewahrheitete.

Was gegen die Nervosität hilft

Jedes Mal, wenn ich nervös wurde und mein Herz in meinem Brustkorb lauter schlug als die Stimme des Fahrprüfers, sagte ich mir, dass ich mich sehr auf diesen Prüfungsmoment freue, wie Tage zuvor in der Visualisierung geübt. Das hat mir geholfen. Sofort besserte sich mein Zustand. Ich stellte mir selbstverständlich vor, dass ich den Führerschein bekomme und über beide Ohren grinse. Es fühlte sich mehr als echt an.

Führerschein mit 36 - praktische Fahrprüfung - meine Erfahrung

Anschließend kümmerte ich mich um die Musik, die mich in der Zeit bis zur Prüfung - also den ganzen Vormittag - motivieren sollte. Ich schaltete sozusagen in den Kampfmodus. Es ist unglaublich, wie gut Musik und auch das Mitsingen gegen Nervosität und Angst hilft. Meine Playlist war bunt gemischt: Metallica, Haim, Queen, Red Hot Chili Peppers, Jenifer Lopez und andere. Um 13 Uhr ging es los, mein Mann und meine Tochter brachten mich zum TÜV Parkplatz. Auf dem halbstündigen Weg dorthin war ich in die Musikwelt vertieft. Es fühlte sich unwirklich an. So viele Monate sind vergangen und jetzt soll alles vorbei sein? Vorausgesetzt ich bestehe.

Die Lage ist ernst: Gleich ins kalte Wasser springen

Während ich aussteige, sehe ich auch schon das Fahrschulauto auf den Parkplatz fahren. Oh Gott! Gleichzeitig beneide ich die Fahrschülerin mit einem blonden langen Pferdeschwanz im Auto. Sie ist fertig, bald hat sie es geschafft! Mir steht alles bevor. Ich atme tief durch und sehe, obwohl ich mich abseits befinde, dass im Fahrschulauto rege gesprochen wird. Bloß nicht den Mut verlieren, sage ich mir und fange automatisch ein Lied von Metallica an zu summen. Hhmmm... hmm... Nothing else matters... Eine gefühlte Viertelstunde lief ich auf dem Parkplatz auf und ab und summte das Lied in Endlosschleife. Zum Glück war das Gelände weitläufig.

Führerschein mit 36 - praktische Fahrprüfung - meine Erfahrung

Die Fahrschülerin steigt aus und ihr Gesicht spricht Bände. Wie versteinert blickt sie mich an, dann läuft sie direkt zu einem anderen parkenden Auto und steigt ein. Sie schaut aus dem Fenster und sagt zu dem Fahrer kein Wort. Scheiße, denke ich mir. Im nächsten Moment steig der Prüfer, dann mein Fahrlehrer aus. Sie reden, der Prüfer raucht, ich ahne nichts Gutes. Okay, sage ich mir, lass dich jetzt davon nicht beeindrucken. Du bist du und hast mit der ganzen Geschichte nichts zu tun. Neues Spiel, neue Karten! Ich summe weiter mein Lied. Das lenkt mich ab und beruhigt meine Nerven.

Nur noch nach vorne schauen

Lisa! Ruft mich mein Fahrlehrer. Komm doch zu uns! Es geht los. Ich freue mich auf die Fahrt, sage ich mir (habe ja schon im Kopf geübt) und bin bereit. Wir begrüßen uns, der Prüfer kontrolliert meinen Ausweis und ich darf anschließend alles im Auto einstellen. Das Auto riecht nach Schweiß, Parfüm und Zigaretten. Ich lasse die Tür offen, um etwas mehr frische Luft rein zu lassen. "Bitte öffnen Sie die Motorhaube, Frau Albrecht" höre ich den Prüfer von draußen sagen. Kein Problem. Ich zeige ihm die Kühlflüssigkeit. Hinten am Auto möchte er die Rücklichter und Reflektoren erklärt bekommen. "Dann noch bitte das Fernlicht einschalten und die Kontrollleuchte zeigen" bittet mich der Prüfer. Das klappt alles und nach einer kurzen Einweisung kann die Fahrt beginnen.

Ich bin tierisch nervös, ich will alles richtig machen. Der Prüfer ist ein älterer Mann mit grauweißen Haaren, etwas wortkarg und auf Distanz. Ich lächel ihn an, um das Eis zu brechen. An der Kontrollleuchte sehe ich, dass er nicht angeschnallt ist. "Wenn alle angeschnallt sind, geht es gleich los" sage ich und lüfte meine Brille, die immer noch beschlagen ist. Ich fahre langsam Richtung Stadt, versuche einfach an nichts zu denken und nur den Straßenverkehr zu beobachten. Meine Hände zittern, ich weiß nicht ob das jemand merkt. Mein Fahrlehrer versucht entspannt zu bleiben, aber auch er ist richtig nervös.

Führerschein mit 36 - praktische Fahrprüfung - meine Erfahrung

Die Prüfungsfahrt beginnt

Ich folge den Anweisungen des Prüfers und fahre mal nach links, mal nach rechts, Stoppschild hier, Einbahnstraße da. Ich fahre nicht ganz so flüssig wie sonst, aber ich bin zufrieden. Ich gebe wirklich das Bestes, was in der Situation möglich ist. "Bitte parken Sie hier rechts ein" sagt der Prüfer und ich nicke. Was, hier? Unmut breitet sich in mir aus. Die Straße ist so eng, dass ich kaum durchfahren kann. Beim Ausscheren stoße ich ganz leicht an die gegenüberliegende Bordsteinkante und zucke zusammen. Oh Gott, es ist schlichtweg zu wenig Platz. Genau in diesem Moment sagt der Prüfer, ich soll weiterfahren und drei Autos weiter parken. Okay, neuer Versuch. Die Straße dort ist keineswegs breiter, aber ich Stelle mich intuitiv näher an das neben mir parkende Fahrzeug und schaffe es tatsächlich, in die Parklücke zu gleiten. Langsam aber sicher fahre ich rückwärts, nicht zu nah an die Bordsteinkante, stelle anschließend das Auto parallel zum Bordstein ab. Kaum bin ich fertig, soll ich weiterfahren. Zweifel kommen in mir hoch. War das okay? Oder hat er das Einparken bereits als ein Desaster abgehakt?

Mir bleibt die Luft weg

Wir fahren weiter. Das Umkehren klappt wunderbar, ich finde auf Anhieb eine gute Stelle und kann wenden. "In der Ruhe liegt die Kraft" sagt der Prüfer und ich stimme zu. Ich atme tief ein und aus. Die Nervosität lässt so gar nicht nach. Das merkt auch mein Prüfer. Während wir an der Kreuzung auf grünes Licht warten, zeigt der Daumen meines Fahrlehrer nach oben. Ganz unauffällig. Das motiviert mich. Der Prüfer fährt wirklich ziemlich schwierige Straßen ab, überall lauern Gefahren. Versteckte Schilder, tausend Einfahrten, rechts vor links, Dreißiger-Zonen. Ich kämpfe mich durch und ich bin zuversichtlich. Nach einer gefühlten Ewigkeit fahren wir Richtung TÜV Parkplatz, ich werde richtig nervös und erleichtert zugleich. Bitte parken Sie hier rückwärts, sagt der Prüfer und ich kriege eine leichte Panik. Wenn ich das jetzt nicht schaffe... So kurz vor dem Ziel. Ich brauche etwas länger, da ich einmal zu stark einlenke. Zum Schluss jedoch reiße ich mich zusammen und kämpfe mich in die Parklücke. Jetzt oder nie. Ich stelle das Auto parkfertig ab und hole einen großen Luftzug. Beim Einatmen denke ich an das Wort "Gut", beim Ausatmen an "Ruhe". Das hilft mir, die angespannte Situation zu überleben. Mit Mundschutz ist so eine Aktion echt unangenehm, ich leide an Sauerstoffmangel und bin kurz vor dem Umkippen.

Wird am Ende alles gut?

"Zuerst möchte ich Ihnen folgendes sagen..." beginnt der Prüfer. "Herzlichen Glückwunsch Frau Albrecht, Sie haben die Prüfung bestanden" höre ich seine Stimme hinter mir sagen und kann es nicht glauben. Hat er das wirklich gesagt oder habe ich mich verhört bzw. ich höre nur das, was ich hören will? Kann ich mich freuen? Ich schaue zu meinem Fahrlehrer, seine Augen leuchten, er ist stolz auf mich. Es scheint zu stimmen, es ist keine Einbildung, ich habe es geschafft!!! "Aber..." sagt der Prüfer und wirkt dabei sehr kritisch, als ob ich etwas sehr Gefährliches getan hätte. Für sein Gefühl fuhr ich an zwei Stellen etwas zu schnell (statt 30 km/h lieber 25 km/h), das geht ja gar nicht. Ich nicke, da er eindeutig in der stärkeren Position ist. Einverstanden bin ich definitiv nicht mit seiner Aussage. Ich schaue zum Fahrlehrer, er lässt den Prüfer reden. Auch kritisiert mein Prüfer das letzte Mal einparken, ich hätte zu lange gebraucht. Aber er sagt auch was positives: Ich würde gut den Verkehrsraum beobachten und bewege mich sicher im Straßenverkehr.

Beine aus Pudding, es ist geschafft

Ich nicke erneut und wir steigen aus. Meine Beine sind aus Pudding, ich fühle mich wackelig. Meine Kehle ist trocken, ich bin durchgeschwitzt und mein Kopf ist reine Matschepampe. So fühlt es sich also an, wenn man seinen Führerschein bekommt. Wie ein kleines Häufchen etwas, das zwar alles irgendwie gut gemacht hat, sich aber trotzdem nicht richtig fühlt. Dieses Gefühl hat mir der Prüfer mit oder ohne Absicht vermittelt, wer weiß das schon? Als ich wieder Worte finde, frage ich meinen Fahrlehrer nach seinem Eindruck. "Du warst sehr, sehr aufgeregt, das hat auch der Prüfer gesehen" sagt er. "Aber du hast alles richtig gemacht." Auch die Kritik des Prüfers kann er nicht nachvollziehen. Ich war definitiv nicht zu schnell, er hätte es genauso gemacht. Es gibt an der Stelle auch kein richtig oder falsch, aber wer riskiert schon das Bestehen der Prüfung, indem er dem Prüfer widerspricht. Ja, beim Einparken fehlte mir der Mut, zügiger zu fahren, das gebe ich selbst zu. Ich finde es schade, dass man an dieser Stelle so seine Machtposition ausspielen muss. Wäre es nicht sinnvoller, dem Prüfling mit motivierenden Worten den Führerschein zu übergeben? Damit er später, voller Zuversicht und ohne Angst, losfahren kann?

Mir kullern die Tränen

In dieser Zeit war der Prüfer kurz im TÜV Gebäude und kommt mit meinem Führerschein zurück. Er wünscht mir eine unfallfreie Fahrt und geht wieder eine rauchen. Mein Fahrlehrer und ich schlagen unsere Fäuste aneinander und freuen uns über das Ergebnis! Nach einem Plausch verabschieden wir uns und ich laufe zurück über den TÜV Parkplatz zu meiner Familie. Kaum bin ich 10 Meter vom Fahrschulauto entfernt, kullern mir die Tränen. Vor Freude. Vor Stolz. Aber auch wegen dem großen Druck. Ich fasse es nicht. Es fühlt sich so unwirklich an. Noch ist die Tatsache in meinem Kopf nicht angekommen. Aber ich habe es geschafft.

Und das ist jetzt nur der Anfang

Jetzt fängt die echte Schule des Fahrens an. Ich bringe meine Tochter in die Schule, ich will nicht lange warten und gleich mit dem Üben loslegen. Abends sind wir eine Dorf-Runde gefahren, damit ich mich etwas an unser kleines Auto gewöhnen kann. Es ist so ganz anders als das Fahrschulauto, ich fühle mich sehr wackelig und total grün hinter den Ohren. Aber das ist völlig normal, sagt mir Paul. Einige Tage später fahre ich bereits viel entspannter. Es klappt! Ich bin zuversichtlich und traue mich bald, alleine zu fahren. Je öfter du fährst, umso entspannter wird die ganze Sache, versichert mir mein Mann, der mich auf dem Beifahrersitz voller Stolz anlächelt.

Bist du quer in diese Geschichte eingestiegen und möchtest erfahren, wie alles angefangen hat und warum ich überhaupt den Führerschein mache? Lese alle Artikel über meinen Führerschein. Und noch mehr Inspiration gibt es in meinem kostenlosen Newsletter! Ich freue mich auf dich. Bis bald, deine Lisa.

Beitrag von Lisa Albrecht am 28. März 2021 veröffentlicht.

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