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Hand aufs Herz: Ist Minimalismus eine Krankheit?

Ich will mehr Übersicht in meinem Leben. Ich will mich nicht mit Dingen umgeben, die absolut nicht zu meinem Leben passen. Generationen, die wenig hatten, können diese Gedanken vermutlich nicht nachvollziehen. Wer wenig hat, ist arm oder arm dran. Wer wenig hat, ist unglücklich - denn er kann sich ja nichts leisten. Zumindest sind sehr viele Menschen so geprägt und verstehen vielleicht den Sinn hinter Minimalismus nicht. Es geht dabei nicht nur um materielle Dinge. Ich habe schon einige Male die Aussage gehört, dass Minimalismus eine Art Krankheit ist. Oder Ersatzreligion. Menschen verurteilen gerne vorschnell und möchten nicht erkennen, dass Minimalismus richtig viel Ballast von den Schultern abnehmen kann.

Ist Minimalismus eine Krankheit?

Wir leben heute in einer Zeit, die voll mit Terminen, Reizüberflutung und Konsum ist. Wenn sich ein Mensch früher einmal in zehn Jahren neue Winterschuhe beim Schuster bestellt hat, war das ein Highlight. Heute muss sich der gleiche Mensch zusammen reißen, um nicht in Versuchung zu geraten, alle paar Monate neue Schuhe zu kaufen. Die Gesellschaft, die Werbung und die Möglichkeiten sind anders geworden. Waaas? Du hast nur ein paar Winterschuhe? Wie unkreativ. Wie unhygienisch. Oder man erntet schlichtweg bemitleidende Blicke, weil man sich das "antut".

Ist Minimalismus eine Krankheit?

Minimalismus hat nichts mit Armut zu tun. Minimalismus ist ein Ventil, sich von Dingen, die einen nur unnötig belasten, frei zu machen. Ganz im Ernst: Ich habe nur ein paar Winterschuhe. Ich trage sie solange, bis sie auseinander fallen. Und da ich mit ihnen zufrieden bin, kaufe ich keine neuen. Natürlich gibt es viele schöne Schuhe auf dem Markt. Aber ich muss sie nicht alle haben. Denn genau an diesem Punkt müssen wir uns fragen, warum wir eigentlich Dinge haben wollen, obwohl wir sie nicht brauchen. Meine Oma würde den Satz pflegen: "Für schlechte Zeiten". Mag sein, dass das sinnvoll ist. Ob jedoch Schuhe eine gute Geldanlage sind, weiß ich nicht. Was ist, wenn die zweiten Schuhe mir zehn Jahre später nicht mehr gut passen oder einfach nicht gefallen? Oder meine aktuellen Schuhe halten länger als 10 Jahre. Mit schlechten Zeiten hat es dann nicht mehr so viel zu tun.

Ist Minimalismus eine Krankheit?

Seit ich unseren Haushalt immer mehr von Dingen befreie, die nur nutzlos den Keller, den Dachboden, die Abstellräume, die Schränke und Regale besetzen - merke ich, wie viel mehr Zeit und Lebensgefühl ich gewinne. Damit die unnötigen Sachen nicht kaputt gehen, müssen sie nicht nur zwischendurch abgestaubt (was unnötig Zeit in Anspruch nimmt), sondern auch gelagert und gepflegt werden. Durch die Lagerung benötigt man mehr Platz bzw. Wohnraum. Mehr Wohnraum kostet mehr Geld und dieses Geld investiert man in die Lagerung von Dingen, die man nicht braucht. Wirklich sinnvoll für schlechte Zeiten! Die meisten Haushalte sind prallvoll mit Dingen und die Besitzer wissen kaum, was sie wirklich haben. Für schlechte Zeiten? Na klar! Durch die Unübersichtlichkeit werden Dinge sogar doppelt gekauft, weil man nicht mehr wusste, dass sie bereits im Schrank liegen.

Ist Minimalismus eine Krankheit?

Minimalismus ist keine Krankheit, die die Menschen an nichts anderes denken lässt, als an Putzen und Aussortieren. Vielleicht am Anfang, wenn man sich damit beschäftigt, ist man immer wieder dabei, seinen Haushalt zu reduzieren. Doch nur, weil man sich dessen bewusst geworden ist, was da eigentlich passiert! Wenn man jedoch im Kopf bewusster geworden ist und verstanden hat, dass eine oder zwei Sachen in der Regel ausreichen - wie eben Winterschuhe - hat man gar kein Bedürfniss mehr, weitere zu kaufen. Man genießt seine freie Zeit und geht in den Schuhen spazieren, trifft Freunde oder freut sich darauf, sie ordentlich ins Regal zu stellen. Weil sie ein Lieblingsstück sind, mit Bedeutung und mit Wertschätzung. Wenn Minimalismus jedoch zwanghaft geworden ist und keinerlei positive Momente mitbringt, stimmt etwas nicht. Doch nach meiner Erfahrung wird Minimalismus gerne von Menschen als Krankheit bezeichnet, die Angst davor haben, Altes loszulassen, sich mit sich selbst zu beschäftigen, unglücklich mit ihrer aktuellen Lebenssituation sind oder andere Lebenskonzepte nicht akzeptieren wollen.

Ist Minimalismus eine Krankheit?

Ich persönlich fühle mich mit Minimalismus sehr wohl. Jedem ist freigestellt, ob und wie er minimalistisch leben möchte. Ich habe kein klares Ziel, wie weit ich unseren Haushalt reduzieren möchte. Ich handle einfach nach meinem Bauchgefühl. Wenn ich das Gefühl habe, es ist Zeit zum Ausmisten, Verschenken und Reduzieren - tue ich es. Immer mehr merke ich, wie ich mich über die übrig gebliebenen Lieblingsstücke freue - sie sind nützlich, schön und vermitteln ein gutes Gefühl. Endlich nehme ich sie wahr und fühle eine Wertschätzung. Mit diesen Dingen möchte ich mich umgeben, denn mein Zuhause soll mir ein positives Gefühl vermitteln.

Eure Lisa.

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Dieser Beitrag wurde von Lisa Albrecht am 3. Dezember 2017 veröffentlicht.

Lisa Albrecht

Lisa Albrecht

Gründerin & Autorin

Auf meinem Blog teile ich mit dir meine Erfahrungen und Gedanken, wie man ein Stück "grüner" Leben kann. Gesünder, leichter, harmonischer, bewusster und einfach glücklicher. Ich bin verheiratet, habe eine Tochter und mit zwei Hunden ist unsere Familie aktuell komplett. Ich liebe das Meer und mit Erdbeeren kann man mich leicht bestechen.

Mehr über mich / Anfragen und Kooperationen
Heike 03.12.2017 um 17:00
Danke für den schönen Artikel! Tat gut ihn zu lesen und bestätigt einem, dass man nicht "krank" oder gestört ist. Man stösst eben ständig auf Unverständnis und das auch im Familienkreis. Ich finde es auch immer befreiend, wenn ich Sachen abgeben kann, die ich nicht brauche. Genau wie du habe ich aber kein Ziel (wie etwa nur 100 Dinge zu besitzen), ich handle einfach nach meinem Gefühl und kaufe sehr bewußt neue Dinge.
↑ Antworten
Lisa von ich lebe grün! 03.12.2017 um 17:29
Liebe Heike,
vielen lieben Dank! :-) Ja, nicht jeder kann mit Minimalismus etwas anfangen - ganz egal wie "stark" man das auslebt - jeder sieht Minimalismus anders und nicht immer können andere nachvollziehen, warum wir uns von Dingen trennen möchten. Ich finde es schön, einfach meinem Bauchgefühl zu vertrauen. :-)
Hab einen schönen 1. Advent!
Viele liebe Grüße von
Lisa
↑ Antworten
Silke 03.12.2017 um 15:12
Ein schöner Artikel, danke fürs schreiben!
↑ Antworten
Lisa von ich lebe grün! 03.12.2017 um 17:31
Liebe Silke,
dankeschön - sehr gerne! :-) Dieses Thema hat mich schon seit längerer Zeit bewegt und endlich musste der Beitrag raus. ;-)
Liebe Grüße von
Lisa
↑ Antworten
Josy 03.12.2017 um 13:51
Ich finde das dieser Artikel endlich mal aufdeckt wie schön Minimalismus seien kann. Ich selber habe schon angefangen aus zu sortieren, jedoch muss ich zu geben, dass es schwer für mich ist. Vor ca. 6 Jahren verlor ich meine Mom bei einem Autounfall. Ich war erst 10 und klammere mich daher sehr an Erinnerungsstücke. Dennoch versuch ich mein Bestes.
Ich finde Minimalismus macht den Kopf frei und ist wirklich eine schöne Art zu leben ! und es ist auf gar kein Fall eine Krankheit !
↑ Antworten
Lisa von ich lebe grün! 03.12.2017 um 17:39
Liebe Josy,
das tut mir sehr leid! Ich weiß nicht, wie weit dir dieser Tipp helfen könnte, aber wenn ich Dinge aussortieren möchte, die mit vielen Emotionen zusammenhängen (z.B. Erinnerungsstücke von früher), frage ich mich immer, welche Emotionen das sind und ob sie mir gut tun. Wenn ich ein gutes Gefühl habe und gerne diese Emotionen um mich herum haben möchte, behalte ich es. Also nach der KonMari Methode - jeder Gegenstand wird "gefragt", ob er in mir positive Emotionen auslöst - und das Bauchgefühl entscheidet, ob er bleiben soll oder nicht. Zur Not einfach in eine Kiste packen, die Zeit lässt, die ganze Sache bei einer späteren Aussortieraktion durchzugehen. Aber es ist manchmal echt schwer. Und man muss ja auch nicht alles aussortieren. Wenn ein Bereich schwierig ist, ist es auch völlig ok, wenn man nur wenig aussortiert - irgendwann kommt der Zeitpunkt mit mehr Sicherheit und dem richtigen Gefühl.
Alles Liebe!
Lisa
↑ Antworten
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