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Interview über Fleischersatzprodukte mit Rügenwalder Mühle

Lisa Albrecht
Lisa Albrecht

Vegetarische und vegane Fleischalternativen sind sehr beliebt. Immer mehr Firmen, die ihren Schwerpunkt auf Fleischprodukten haben, wie z.B. "Rügenwalder Mühle", bieten nun auch Fleischersatzprodukte für Vegetarier, Veganer oder Menschen, die ab und zu Fleisch weglassen möchten (ohne auf den Geschmack verzichten zu müssen) an. Beim Einkaufen sah ich oft diese Produkte und mir stellten sich einige Fragen. Ich persönlich finde es zwar gut, dass vegane Produkte nun im jeden Supermarkt zu finden sind und bekannte Firmen wie "Rügenwalder Mühle" Menschen eine fleischlose Alternative anbieten. Doch auf der anderen Seite sind das in meinen Augen Unternehmen, die nichts mit Veganismus zu tun haben und täglich sehr große Mengen an Fleisch verarbeiten. Da bekommen für mich die Fleischersatzprodukte einen merktwürdigen Beigeschmack (trotz getrennter Produktion). Mit meinen Fragen an Herrn Röben von "Rügenwalder Mühle" wollte ich erfahren, ob sie zum Beispiel durch die Ersatzprodukte weniger Fleisch produzieren müssen. Auch andere Aspekte wie Rohstoffe und Zusatzstoffe sind für mich ein Thema. Ich sitze nach dem Interview immer noch zwischen den Stühlen und tendiere im Moment weiterhin dazu, keine Fertigprodukte von überwiegend fleischverarbeitenden Firmen zu empfehlen, auch wenn sie bei der Umstellung auf eine vegetarische/vegane Lebensweise helfen sollen. Der vegane Trend ist lukrativ und die Produkte sind nicht aus Überzeugung für weniger Tierleid entstanden. Als ich die Möglichkeit bekam, einige Fragen an Herrn Röben von "Rügenwalder Mühle" (Geschäftsleitung Marketing und PR, Forschung und Entwicklung) zu stellen, habe ich natürlich nicht gezögert. Ich habe sehr auf Antworten gehofft, die mich positiver gegenüber Fleischersatzprodukten stimmen. Los gehts!

Interview mit Rügenwalder Mühle: Fleischproduktion und veganer Trend

Auf Ihrer Webseite habe ich mich über vegetarische und vegane Fleischersatz-Produkte informiert. Dieser Satz ist mir besonders aufgefallen, ich zitiere: "Unser Ziel ist es, dass vegetarische und vegane Produkte in absehbarer Zeit ein Drittel unseres Sortiments ausmachen. So wie es aktuell aussieht, kann das bereits Ende 2016 der Fall sein." Ist die verkaufte Fleischmenge durch die neuen veganen und vegetarischen Produkte zurückgegangen und wenn ja, wie stark?

Godo Röben - Rügenwalder Mühle im Interview

Godo Röben / Rügenwalder Mühle: Mit Ende 2015 haben die vegetarischen Produkte einen Umsatzanteil von ca. 20 % erreicht. Da unsere fleischfreien Produkte so gut beim Verbraucher ankommen, werden wir auch 2016 weitere neue vegetarische Produkte auf den Markt bringen. Wie sich unser Umsatz in diesem Jahr entwickeln wird, hängt natürlich auch davon ab, wie diese neuen Produkte im Handel gelistet werden. Zudem haben wir im November vergangenen Jahres drei neue fleischfreie Produkte eingeführt (Vegetarische Mühlen Frikadellen, Vegetarisches Mühlen Hack, Vegetarische Mühlen Hamburger), darunter mit dem Vegetarischen Mühlen Hack und den Vegetarischen Mühlen Hamburgern auch unsere ersten veganen Produkte. Im Dezember folgten vier weitere fleischfreie Produkte für die Tiefkühltruhe (Vegetarisches Mühlen Schnitzel, Vegetarische Mühlen Nuggets, Vegetarisches Mühlen Cordon Bleu, Vegetarische Mühlen Chickenburger). Auch diese Neuheiten sind bei den Verbrauchern beliebt, allerdings wird sich natürlich erst in den kommenden Monaten zeigen, welchen Beitrag zum Umsatz sie genau leisten werden.

Daher ist es zum momentanen Zeitpunkt noch sehr schwer Umsatzprognosen für 2016 abzugeben. Mittelfristig ist es unser Ziel, ein Drittel des Umsatzes mit fleischfreien Produkten zu machen. Ob und wieweit die Einführung und der Absatz unserer Veggie-Linie Einfluss auf unseren Fleischverbrauch hat, ist derzeit noch nicht festzustellen. Denn der Absatz unserer fleischhaltigen Produkte ist von vielen Faktoren abhängig und teilweise auch gegenläufig zu aktuellen Markttrends. So ist beispielsweise der Gesamtmarkt an Wurst in Deutschland von 2008 auf 2014 um 8 % zurückgegangen, ein Trend der sich auch 2015 fortgesetzt hat. Das hat vor allem damit zu tun, dass viele Menschen weniger oder gar kein Fleisch und keine Wurst mehr essen. Auch wir bei der Rügenwalder Mühle sind uns dieses Ernährungswandels bewusst. Dies war auch der Grund, weswegen wir im Dezember 2014 unsere fleischfreie Linie eingeführt haben. Allerdings war bei uns, der Rügenwalder Mühle, dieser generelle Rückgang des Fleisch- und Wurstkonsums in den letzten Jahren nicht so stark zu spüren. Zwischen 2011 und 2014 gab es sogar Jahre mit einem leichten Plus bei unseren traditionellen Fleisch-und Wurstwaren.

Unser Markenzeichen, die rote Mühle, steht für leckere Produkte von hoher Qualität – sowohl mit Fleisch als auch ohne. Am Ende ist daher ausschlaggebend, wie sich langfristig die Nachfrage pro Produkt auswirken wird. Generell erwarten wir natürlich ein Wachstum im Segment der Fleischalternativen vor dem Hintergrund leicht sinkender Wurstumsätze aus Fleisch.

Welche Zielgruppe wollen sie hauptsächlich mit den neuen fleischlosen Produkten ansprechen, die Fleischesser, die sich ab und zu alternativ ernähren wollen oder die Vegetarier, die den Fleischgeschmack vermissen?

Godo Röben / Rügenwalder Mühle: Wir möchten beide Gruppen ansprechen, Flexitarier wie Vegetarier. Wir haben beobachtet, dass immer mehr Menschen bewusst weniger Fleisch und Wurst essen oder ganz darauf verzichten. Viele Menschen wünschen sich allerdings weiterhin den guten Fleisch- und Wurstgeschmack, wenn sie sich für eine vegetarische oder flexitarische Ernährung entscheiden. Und wie unsere Studie, Rügenwalder Mühle Wurstweisheiten 2015 auch bewiesen hat, mögen sogar 80% der Vegetarier den besonderen Geschmack, essen aber aus anderen Gründen, wie z.B. der Sorge ums Tierwohl, kein Fleisch und keine Wurst. Und genau das bekommen sie mit unseren Produkten: Unsere fleischfreien Produkte sind genauso lecker wie konventionelle Aufschnittwurst, Frikadellen, Schnitzel oder Nuggets, haben das gleiche Aussehen und auch einen identischer Biss.

Rügenwalder Mühle Fleischersatzprodukte

Warum stellen Sie ihre Produkte nicht in Bio-Qualität her?

Godo Röben / Rügenwalder Mühle: Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Zutaten, die wir für unsere vegetarischen Produkte benötigen, derzeit leider noch nicht in der von uns benötigten Menge und Qualität aus kontrolliert biologischem Anbau zur Verfügung stehen. Zudem sind Zutaten in Bio-Qualität in der Regel im Einkauf teurer. Uns ist es aber wichtig, dass wir mit unseren vegetarischen Produkten eine bezahlbare Alternative zu Fleisch anbieten.

Sind die vegetarischen Produkte im Vergleich zu Fleischprodukten günstiger in der Herstellung?

Godo Röben / Rügenwalder Mühle: Im Gegenteil, die Produktionskosten sind für die vegetarischen Produkte sogar etwas höher. Um den fehlenden Eigengeschmack des Fleisches auszugleichen benötigen wir für die vegetarischen Produkte beispielsweise ein Vielfaches an Gewürzen. Auf Wunsch unserer Kunden haben wir zudem bei unseren vegetarischen Produkten auf Eiklar von Eiern aus Freilandhaltung umgestellt. Zusätzlich kommt ausschließlich hochwertiges gentechnikfreies Rapsöl und Non-GMO-Soja aus Nordamerika zum Einsatz. Dies alles sind natürlich Dinge, die sich auf die Herstellungskosten auswirken.

Ich finde es gut, dass die vegetarischen Produkte keinen Geschmacksverstärker beinhalten. Schade ist jedoch, dass die meisten Produkte nicht ohne Gluten auskommen. Ebenso sind Aromen im Spiel. Können Sie uns mehr über die verwendeten Aromen sagen?

Godo Röben / Rügenwalder Mühle: Wir wissen, dass viele Verbraucher sich zunehmend kritisch mit Ihrer Ernährung auseinandersetzen und genau darauf achten, was in dem, was sie essen, drin ist. Wir achten daher genau auf die Zutaten, die wir bei unseren Produkten verwenden – egal ob fleischhaltig oder fleischfrei. Wir verwenden ausschließlich natürliche Aromen, die selbstverständlich vegetarisch beziehungsweise vegan sind.

Planen Sie, noch mehr vegane Produkte in Jahr 2016 ins Sortiment aufzunehmen oder die vegetarischen Produkte zu veganisieren?

Godo Röben / Rügenwalder Mühle: Wir werden auch 2016 unser Veggie-Sortiment weiter ausbauen. Die Kollegen in der Forschung & Entwicklung arbeiten schon eifrig an vielen neuen Ideen. Welche es genau sind, möchten wir aber noch nicht verraten. Wir sehen, dass viele Verbraucher sich vegane Produkte wünschen. Für uns ist es wichtig, dass alle Produkte mit unserem Markenzeichen, der roten Mühle, richtig lecker schmecken. Unsere vegetarischen und veganen Alternativen sollen genauso aussehen, sich beim Reinbeißen so anfühlen und ebenso schmecken wie das fleischhaltige Original. Um das zu erreichen, ist derzeit teilweise noch die Verwendung von Eiklar als Zutat nötig. Darin liegt die größte Herausforderung bei der Entwicklung und Herstellung veganer Produkte.

Lisa Albrecht: Ich bedanke mich herzlich für Ihre Zeit.

Ende des Interviews

Beitrag von Lisa Albrecht am 9. Februar 2016 veröffentlicht.